Bei Netflix: Tom Schilling mordet wieder achtsam
Die Serie zum Bestseller «Achtsam Morden» war ein Hit. Jetzt kehrt Tom Schilling als Mafia-Boss und Verlegenheitsmörder zurück - und muss sein «inneres Kind» in Schach halten. Was heißt das?
Berlin (dpa) - Es ist schon eine Ansage. Monate vor dem Start der neuen Folgen von «Achtsam Morden» mit Tom Schilling als Mafia-Anwalt und Verlegenheitsmörder Björn Diemel kündigte Netflix schon eine dritte Staffel an. Die erste Staffel der schwarzhumorigen Krimi-Comedy-Serie wurde laut dem Streamingdienst nicht nur in Deutschland zum Publikumshit. Auch bei der nun zweiten Staffel (Start: 28. Mai) scheint Netflix vom Erfolg der Serie überzeugt zu sein.
Bei den neuen Folgen bekommt es der Zuschauer gewissermaßen sogar mit einem zweiten Björn zu tun. Denn Diemel entdeckt mit Hilfe seines Achtsamkeitscoachs sein «inneres Kind». Kann das gegen seine innere Unruhe und Mordlust helfen? Oder wird es dadurch nur noch schlimmer?
Einige Fragen und Antworten.
Worum geht es in «Achtsam Morden» überhaupt?
«Achtsam Morden» basiert auf der gleichnamigen Romanreihe von Karsten Dusse, eine launige Mischung aus Achtsamkeitsweisheiten und viel schwarzem Humor. Für Staffel 2 wurde der zweite Band der Reihe «Das Kind in mir will achtsam morden» verfilmt, sie spielt wie die älteren Folgen wieder in Berlin und im Umland.
Kurzer Rückblick: Top-Anwalt Diemel (Schilling) lernt auf eine sehr, nun ja unkonventionelle Art, wie er seine Work-Life-Balance in den Griff bekommt und mehr Zeit für seine Frau Katharina (Emily Cox) und Tochter Emily findet. In der ersten Staffel sucht er sich dafür Hilfe bei dem stets in sich ruhenden Achtsamkeitscoach Joschka Breitner (Peter Jordan).
Nach seinen neu erlernten Techniken begeht Björn kurzerhand seinen ersten Mord an seinem Mandanten und brutalen Mafia-Boss Dragan Sergowicz, um endlich Ruhe zu haben. Er übernimmt seine Geschäfte, muss die Tat vor der Polizei und Dragans Kollegen vertuschen und rutscht immer tiefer ins Kriminelle ab. Schließlich hält er sogar den rivalisierenden Mafia-Boss Boris gefangen und übernimmt die Leitung eines Kindergartens.
Wie geht es in Staffel 2 weiter?
Nach all diesem Hin und Her scheint sich die Lage in der zweiten Staffel zunächst etwas zu beruhigen, als Björn mit seiner Familie in den österreichischen Alpen Urlaub macht. Doch die Stimmung kippt, als ein Kellner auf einer Alm mit der Bestellung - bestehend aus Kaiserschmarrn, Landjäger und Almdudler - trödelt. Das führt zu Fremdscham-Momenten für den Zuschauer, etwa als Björn vor den Augen der anderen Gäste einen Aufstand macht und den Kellner zurechtweist.
Und: Um seinem Ärger Luft zu machen, so viel sei gesagt, greift er schnell wieder zu drastischen Methoden. Auch der im Keller des Kindergartens gefangengehaltene Boris bereitet ihm Stress - vor allem als dieser plötzlich verschwindet. Der Achtsamkeitscoach muss wieder her.
Wer ist das «innere Kind» - und warum darf es jetzt mitreden?
Seine Diagnose ist schnell gestellt. Schuld an den Wutausbrüchen sei Björns «inneres Kind», ein Teil des Unterbewusstseins, in dem alle «Verletzungen» aus der Kindheit abgespeichert sind. Werden seine Wünsche verletzt, reagiert es trotzig und übernimmt die Kontrolle, so die Theorie in der Sitzung.
Die Aufgabe: Björn soll sein «inneres Kind» eine Woche lang in den Alltag integrieren - und alle seine Bedürfnisse berücksichtigen. So erfüllt er sich prompt einen Kindheitstraum und kauft sich einen riesigen, Diesel schluckenden Geländewagen (Zitat: «nicht gerade ein Stadtauto - aber leider geil»).
Doch dabei bleibt es nicht: Sein «inneres Kind» meldet sich immer wieder quengelnd zu Wort und fordert oft völlig überzogene oder brutale Reaktionen. Wie im Buch geht Björn immer wieder in den Dialog mit seinem jüngeren Ich, das in der Serie nicht nur eine Metapher bleibt, sondern als eigenständiger Charakter auftritt.
Für wen lohnt sich die Serie?
Fans der Bücher von Dusse und von Staffel 1 dürften auch bei der zweiten Staffel auf ihre Kosten kommen. Die Serie bleibt nah an der Vorlage und trifft erneut den Ton aus schwarzem Humor, Krimi und Achtsamkeitsparodie.
Gleichzeitig erweitert sie die Geschichte um eine neue erzählerische Ebene. Durch das «innere Kind» erfährt der Zuschauer mehr über Björns Vergangenheit und vor allem seine Kindheit. Dadurch werden die neuen Folgen stellenweise tiefgründiger.
Allerdings: Nicht immer ist diese Erzählebene ein Plus. Manchmal drängt sich Björns jüngeres Ich fast etwas zu penetrant und drängelnd in den Vordergrund. Trotzdem gelingen der Serie wieder lustige Alltagsbeobachtungen, zum Beispiel als überambitionierte Kita-Eltern leidenschaftlich darüber diskutieren, wie der Kindergarten plastikfrei und klimaneutral werden könnte.
Wie geht es weiter?
Klar ist bereits, dass Netflix eine Fortsetzung von «Achtsam Morden» angekündigt hat. Anfang des Jahres hieß es bei einem Event des Streamingdienstes, dass die dritte Staffel im Sommer gedreht werden soll. Der Titel des dritten Buchs von Dusse: «Achtsam morden am Rande der Welt».
Geht man nach den bereits erschienenen Büchern, gäbe es auf jeden Fall noch Stoff für weitere Folgen: Bislang sind fünf Romane aus der «Achtsam Morden»-Reihe erschienen.