Umwelt

Berlin sieht Fortschritte bei UN-Tanker-Bergung vor Jemen

Vor der Küste des Bürgerkriegslandes Jemen rostet ein riesiges schwimmendes Öllager vor sich hin. In einer beispiellosen Operation organisieren die Vereinten Nationen das Abpumpen des Öls.

Blick auf den angeschlagenen Öltanker «FSO Safer» im Roten Meer vor der Küste Jemens. Foto: Stringer/dpa
Blick auf den angeschlagenen Öltanker «FSO Safer» im Roten Meer vor der Küste Jemens.

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung sieht Fortschritte bei der Mission der Vereinten Nationen (UN) zur Bergung von über einer Million Barrel Rohöl aus einem schrottreifen Tanker vor der Küste des Jemen.

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«Die technischen Vorprüfungen für das Abpumpen des Öls sind auf sehr gutem Wege und fast abgeschlossen», sagte die Abteilungsleiterin für Krisenprävention, Stabilisierung, Friedensförderung und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Deike Potzel, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Eine solche Aktion ist ein absolutes Novum für die Vereinten Nationen», betonte sie.

Experten hätten bei Untersuchungen festgestellt, «dass die Situation auf dem Schiff zum Glück nicht ganz so kritisch ist, wie wir befürchten mussten».

Tanker droht auseinanderzubrechen

Mit der UN-Operation vor der Küste des Bürgerkriegslands Jemen soll verhindert werden, dass die gut 1,1 Million Barrel Öl in dem maroden Tanker «Safer» unkontrolliert austreten und zu einer Ölpest führen. Die «Safer», die unter Kontrolle der Huthi-Rebellen ist, liegt seit Jahren im Roten Meer etwa neun Kilometer vor der Küste Jemens und droht auseinanderzubrechen. Das würde zu einem gigantischen Ölteppich mit verheerenden ökologischen und wirtschaftlichen Folgen im und am Roten Meer führen. Seit 2015 wurde das 350 Meter lange Schiff wegen des Bürgerkriegs im Jemen nicht mehr gewartet.

In dem Tanker soll sich fast viermal so viel Öl befinden, wie 1989 vor Alaska aus dem auf Grund gelaufenen Tanker «Exxon Valdez» auslief. Der «Exxon Valdez»-Unfall gilt als eine der größten Umweltkatastrophen der Seeschifffahrt.

UN-Schätzungen gehen von zwölf Millionen Menschen aus, die von Umwelt- und Gesundheitsschäden direkt betroffen wären. Das Ökosystem könnte durch ein Ölleck auf Jahrzehnte zerstört, der internationale Handel über den Suezkanal empfindlich gestört werden. In Dschibuti am Horn von Afrika wartet ein von den UN gekauftes zweites Schiff, die «Nautica», um zum Tanker «Safer» zu fahren, damit das Öl umgepumpt werden könne.

Potzel sagte, vorbereitende Arbeiten für das Abpumpen seien im Prinzip fast abgeschlossen. Taucher hätten geprüft, ob von außen ein zusätzliches Risiko bestehe. Zudem seien Proben entnommen worden, um die Frage zu klären, welche Qualität das Öl mit Blick auf einen möglichen Wiederverkauf habe. Diese Proben seien noch nicht ausgewertet. «Jetzt warten wir auf das Startsignal, damit die «Nautica» tatsächlich zum Abpumpen des Öls aufbrechen kann.» Das Abpumpen werde vermutlich einige Wochen dauern.

Hochkomplexe und gefährliche Aktion

Die UN und die Experten hätten ihr Möglichstes getan, um die Risiken zu minimieren, sagte Potzel. «Aber man kann nie ausschließen, dass nicht doch noch etwas passiert.» Die «Safer» sei ein über 40 Jahre alter Tanker, der roste und über Jahre nicht so habe gewartet werden können, wie es notwendig gewesen wäre. Ein Restrisiko bestehe immer - selbst nach dem Abpumpen, weil etwas Restöl an Bord bleibe. Trotz aller Vorsicht bleibe es eine hochkomplexe und gefährliche Aktion.

2022 hatten die UN und die Niederlande auf einer Konferenz Geld für die Operation gesammelt. Die Gesamtkosten wurden auf 144 Millionen Dollar taxiert. Deutschland liegt mit gut 12 Millionen US-Dollar auf Rang drei der Geberländer, hinter Saudi-Arabien (18 Millionen) und den Niederlanden (15 Millionen US-Dollar).

Es sei gut, dass die saudische Regierung «zuletzt noch einmal zusätzliches Geld für die Bergung bereitgestellt hat», sagte Potzel. Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) habe bei ihrer Reise an den Golf Mitte Mai intensiv für eine solche zusätzliche Unterstützung geworben. Potzel sprach von einem wichtigen Zeichen, dass auch aus der Region Verantwortung übernommen werde. «Es zeigt, dass auch die saudischen Partner wissen, welche Auswirkungen eine solche Katastrophe auf sie hätte.» Neben Saudi-Arabien beteiligen sich etwa Katar und Kuwait.

«Es bleibt eine große Herausforderung»

Noch immer fehlen 28 Millionen US-Dollar für den Abschluss der Mission - für die letzten beiden Phasen der Operation werde noch zusätzliches Geld gebraucht, sagte Potzel. In Deutschland habe man sich etwa an die Privatwirtschaft gewandt und in einem Brief an 90 Unternehmen und Verbände um zusätzliche Unterstützung geworben. Auch die UN bemühten sich weiter, sowohl Staaten als auch internationale Verbände und Privatunternehmen anzusprechen. «Es bleibt eine große, große Herausforderung», sagte Potzel.

Mit Blick auf den Bürgerkrieg sagte Potzel, die Huthi-Rebellen hätten zugesagt, die Zufahrtswege für die Bergung freizuhalten. Die Bundesregierung sehe die Mission «als Beispiel dafür, wie eine gemeinsame Lösung für ein wirklich großes Problem gelingen kann». Die Aktion könne «auch ein Beitrag dazu sein, die Zukunft mitzugestalten». Man solle zwar nicht zu sehr darauf setzen, «dass das jetzt einen großen Wendepunkt bedeutet. Aber es ist mit Sicherheit ein gutes Zeichen.»

Der Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel. Die schiitischen Huthi-Rebellen haben dort in ihrem seit 2014 laufenden Aufstand weite Teile des Nordjemens eingenommen und kontrollieren auch die Hauptstadt Sanaa. Die Rebellen werden vom mehrheitlich schiitischen Iran unterstützt. Saudi-Arabien kämpft seit 2015 mit Verbündeten an Seite der Regierung im Land gegen die Huthis. Im Jemen spielt sich eine der schwersten humanitären Katastrophen weltweit ab. Etwa 21 Millionen Menschen sind auf irgendeine Form von humanitärer Hilfe und Schutz angewiesen.