Ukraine-Krieg

Nach US-Gesprächen: Kiew meldet neue russische Angriffe

Kaum sind Donald Trumps Vermittler aus Kiew abgereist, nimmt Russland die Hauptstadt der Ukraine wieder unter Feuer. Aus einer russischen Region werden derweil neue ukrainische Luftangriffe gemeldet.

Wie so oft wurde Kiew auch diesmal wieder in der Nacht attackiert. Foto: Alex Babenko/AP/dpa
Wie so oft wurde Kiew auch diesmal wieder in der Nacht attackiert.

Kiew (dpa) - Nach einer kurzzeitigen Feuerpause während des Besuchs der Unterhändler von US-Präsident Donald Trump in der Ukraine hat Russland seine Luftangriffe auf Kiew wieder aufgenommen. In der Nacht wurden Explosionen aus der ukrainischen Hauptstadt gemeldet, mehrere Wohnhäuser, Lagerhallen, eine Schule und Autos seien im Zuge der Raketen- und Drohnenangriffe beschädigt worden, berichteten örtliche Medien unter Berufung auf Behördenangaben. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden zwei Menschen getötet und zehn weitere verletzt.

Auch in anderen, teils weit im Hinterland liegenden, Regionen der Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst. Im westlichen Nachbarland Polen wurde die Luftabwehr in Alarmbereitschaft versetzt, wie das Militär mitteilte. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach am Morgen von erheblichen Schäden an Wohngebäuden und anderer ziviler Infrastruktur in Kiew. In der Region sei kritische Infrastruktur attackiert worden. Im Gebiet Odessa sei ein gewöhnlicher Markt angegriffen worden und in Charkiw wurden demnach zwei Menschen verletzt.

Selenskyj: Ukraine braucht Mittel zur Abwehr ballistischer Raketen

Er sprach von einem komplexen Angriff Russlands mit ballistischen Raketen, Anti-Schiffs-Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Die Luftwaffe habe 175 Flugkörper abgefangen, aber nicht alle, schrieb Selenskyj. Einmal mehr verwies er auf den Mangel von Mitteln zur Abwehr ballistischer Raketen. Sie sind aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwer abzufangen. Darüber spreche Kiew mit seinen Partnern, schrieb Selenskyj und kündigte weitere Gespräche auch über das Raketenabwehrprojekt Freyja an.

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Aus dem russischen Gebiet Saratow, rund 500 Kilometer östlich der ukrainischen Grenze, wurden ebenfalls Angriffe gemeldet. Dem Gouverneur des Gebiets, Roman Bussargin zufolge, wurden bei ukrainischen Drohnenangriffen zehn Menschen verletzt. Darunter seien drei Minderjährige. Mehrere Häuser seien beschädigt worden. Im russischen Grenzgebiet Brjansk wurde nach Angaben des kommissarischen Gebietsgouverneurs Jegor Kowaltschuk ein Mann bei einem ukrainischen Angriff in der etwas mehr als 30 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernten Stadt Starodub getötet. Drei weitere seien verletzt worden. Die Angaben beider Kriegsparteien konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.

Kampfpause übers Wochenende

Trumps Gesandter Steve Witkoff und der Schwiegersohn des US-Präsidenten, Jared Kushner, hatten am Wochenende zum wiederholten Mal Moskau und danach erstmals auch Kiew besucht. Dort verhandelten sie mit Russlands Präsident Wladimir Putin und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj über mögliche Lösungswege zur Beendigung des Krieges, den Russland mit seinem Einmarsch ins Nachbarland im Februar 2022 begonnen hatte. Ergebnisse der Gespräche wurden nicht bekannt.

Die Kriegsparteien hatten sich bereit erklärt, während des Besuchs der US-Gesandten auf Luftangriffe auf die jeweiligen Hauptstädte zu verzichten. 

In den Wochen vor der Ankunft Kushners und Witkoffs in Kiew hatte Russland die Ukraine verstärkt mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen angegriffen, während die ukrainischen Streitkräfte überwiegend auf schnelle und weitreichende Drohnen, aber auch auf Marschflugkörper setzten.

Bei ihrem Abwehrkampf gegen die russische Invasion und ständigen Luftangriffe ist die Ukraine auf Hilfe westlicher Staaten angewiesen.