Papst Leo fordert in Argentinien mehr Rücksicht auf Schwache
Der argentinische Papst Franziskus kehrte nie mehr in seine Heimat zurück. Jetzt rollt Präsident Milei dessen Nachfolger den roten Teppich aus. Aber Leo XIV. findet auch kritische Worte.
Buenos Aires (dpa) - Papst Leo XIV. hat zum Auftakt eines Besuchs in Argentinien gemahnt, mehr Rücksicht auf arme und schwache Gruppen der Gesellschaft zu nehmen. «Zu Hause wird uns beigebracht, uns um die Schwachen zu kümmern, zu vergeben, zu teilen und denen beizustehen, die Hilfe brauchen», sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche nach seiner Ankunft in Buenos Aires. Dies gelte auch für die Gesellschaft insgesamt.
«Die Wirtschaft muss im Dienste des Menschen stehen, und nicht der Mensch im Dienste der Wirtschaft», so der Papst. Wirtschaftliches Wachstum müsse auch diejenigen erreichen, «die mit größeren Schwierigkeiten zu kämpfen haben.»
In Argentinien ist seit 2023 der marktradikale Präsident Javier Milei an der Regierung, der mit dem Versprechen einer «Kettensägen-Politik» gewählt wurde. Die Inflation ging seither massiv zurück. Die Wirtschaft wächst wieder. Allerdings gibt es viel Kritik an den sozialen Härten, die damit einhergehen.
In dem 46-Millionen-Einwohner-Land gilt nach einer offiziellen Statistik ein Drittel der Bevölkerung als arm. Zudem leidet Argentinien unter einer Abwanderungswelle.
Papst verweist auf notleidende Familien
Milei begrüßte den Nachfolger auf dem Flughafen der Hauptstadt persönlich. Nach einer Unterredung im Präsidentenpalast äußerte sich Leo in einer Rede vor Vertretern aus Politik, Religion und Zivilgesellschaft. Bei seinem Appell verwies er insbesondere auf notleidende Familien. Im Beisein Mileis fügte er hinzu: «Wer Macht hat, hat auch die Pflicht, umsichtig zu handeln, die Grenzen der ihm anvertrauten Macht anzuerkennen und seine Entscheidungen auf das Wohl der ganzen Gemeinschaft auszurichten.»
Zur Abwanderung vor allem junger Argentinier, die ihre Zukunft in europäischen Ländern wie Spanien oder Italien sehen, sagte der Papst: «Eine Nation muss sich ernsthaft fragen, wo sie versagt hat, wenn ihre jungen Menschen die Heimat verlassen müssen, um ihre Träume verwirklichen zu können.» Bildungswesen und berufliche Ausbildung müssten gestärkt werden. Zugleich forderte er ein entschiedenes Vorgehen gegen organisierte Kriminalität, Menschenhandel und Korruption.
Zahl der Katholiken nimmt auch in Argentinien ab
Leo hält sich im Rahmen einer Südamerika-Reise bis Mittwoch in Argentinien auf. Der letzte Besuch eines Papstes liegt fast vier Jahrzehnte zurück: 1987 reiste Johannes Paul II. dorthin. Leos verstorbener Vorgänger Franziskus, der in der Hauptstadt Buenos Aires geboren wurde, kam nach seiner Wahl zum Papst nie wieder in seine Heimat zurück. Vermutet wird, dass er nicht in die dortige Politik hineingezogen werden wollte. Die Zahl der Menschen, die sich zur katholischen Kirche bekennen, hat auch in Argentinien deutlich abgenommen. Geschätzt wird, dass noch etwa die Hälfte der Bevölkerung gläubig ist.