Regierung erwägt Andrew aus Thronfolge zu streichen
Noch steht Andrew Mountbatten-Windsor an achter Stelle der Thronfolge im Vereinigten Königreich. Die britische Regierung könnte das ändern - und arbeitet an einem entsprechenden Gesetz.
London (dpa) - Der im Epstein-Skandal tief gefallene frühere Prinz Andrew könnte nun auch noch seinen Platz in der britischen Thronfolge verlieren. Die Regierung des Vereinigten Königreichs erwägt britischen Medienberichten zufolge ein Gesetz zu verabschieden, mit dem Andrew Mountbatten-Windsor von der Liste der Erbmonarchie gestrichen werden könnte, sobald die Polizei ihre Ermittlungen gegen den Bruder von König Charles III. abgeschlossen hat. Trotz des Verlusts seiner Titel im vergangenen Jahr steht der frühere Herzog von York weiterhin an achter Stelle der Thronfolge.
Der britische Verteidigungsstaatssekretär Luke Pollard bezeichnete den potenziellen Schritt im Sender BBC als angemessen, völlig unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen. Die Regierung habe mit dem Buckingham-Palast an Plänen gearbeitet, um zu verhindern, dass der Ex-Prinzen «potenziell nur einen Herzschlag vom Thron entfernt ist». Finanzstaatssekretär James Murray sagte dem Sender Sky News: «Die Regierung prüft, welche weiteren Schritte erforderlich sein könnten, und wir schließen nichts aus.»
Die «Times» zitierte eine Quelle aus dem Buckingham-Palast, nach der die Entfernung von Andrew aus der Thronfolge «eine reine Angelegenheit des Parlaments» sei und man «dies niemals behindern oder sich dem Willen des Parlaments widersetzen» würde.
Der britische König Charles III. (77) hatte zur Festnahme seines Bruders Andrew mitgeteilt: «Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.»
Umfrage: Mehrheit hält Andrew als Thronfolger für untragbar
Eine von Sky News zitierte YouGov-Umfrage ergab, dass 82 Prozent der Briten dafür sind, Andrew den Status als potenzieller Thronfolger zu entziehen. Nur 6 Prozent waren dagegen, 12 Prozent gaben an, keine Meinung dazu zu haben.
Um auszuschließen, dass Andrew jemals König werden könnte, müsste für die Änderung der Thronfolge ein Gesetz vom Parlament verabschiedet werden. Gesetze werden in Großbritannien im Ober- und Unterhaus beschlossen und schließlich vom Monarchen unterzeichnet. Änderungen der Thronfolge müssten zudem auch die weiteren 14 Commonwealth-Staaten wie Australien und Kanada zustimmen, denen Charles III. als König vorsteht. Platz eins in der Thronfolge hat Charles' Sohn William (43) inne, vor dessen Sohn Prinz George (12).
Ermittlungen werden ausgeweitet
Am Freitag gab die Metropolitan Police bekannt, dass sie ihre Ermittlungen gegen Andrew ausweiten und seine ehemaligen Personenschützer befragen werde. Kontaktiert würden derzeitige und ehemalige Beamte, die eng mit Andrew zusammengearbeitet haben.
Wegen seiner Verbindung zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein waren dem 66-Jährigen alle bedeutenden Titel und militärischen Ehren entzogen worden. Andrew musste aus seinem Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen - und wurde am Donnerstag sogar vorübergehend festgenommen. Am Abend wurde er nach rund elf Stunden «unter dem Vorbehalt weiterer Ermittlungen» entlassen. Bislang hat sich der Bruder von Charles III. nicht zu den Vorgängen geäußert. Vorherige Vorwürfe, bei denen es um Sexualdelikte in Zusammenhang mit dem Epstein-Skandal ging, wies Andrew stets zurück.
Mit Andrew war zum ersten Mal seit mehr als 350 Jahren ein ranghohes Mitglied der Königsfamilie verhaftet worden. Damals war König Charles I. während des Bürgerkriegs wegen Hochverrats angeklagt worden.