Schwere Waldbrände auf Borneo - Orang-Utans in Lebensgefahr
Rettungskräfte holen in Indonesien immer mehr Orang-Utans aus brennenden Wäldern auf Borneo und Sumatra. Für Menschen ist der Rauch ebenfalls eine große Gefahr - auch in den Nachbarländern.
Jakarta (dpa) - Rauchschwaden ziehen über Südostasien, Hubschrauber werfen Wasser auf brennende Wälder, und Naturschützer bringen Orang-Utans in Sicherheit: Auf den Inseln Borneo und Sumatra kämpfen Einsatzkräfte unermüdlich gegen schwere Waldbrände. Für die bedrohten Menschenaffen wird ihr Lebensraum zunehmend zur Falle. Zugleich sorgt die schlechte Luftqualität in Teilen Indonesiens und den Nachbarländern Malaysia und Singapur für Alarm.
Allein am Sonntag flogen Hubschrauber nach Angaben des indonesischen Forstministeriums mehr als zwei Dutzend Löscheinsätze über dem Nationalpark Tanjung Puting in der Provinz Zentralkalimantan. Doch dichter Rauch und schlechte Sicht behinderten die Löscharbeiten. Am Boden versuchten Ranger, Feuerwehrleute, Soldaten und Polizisten, die Flammen mit Wasser aus Flüssen und Brunnen einzudämmen. Indonesien erlebt nach anhaltender Trockenheit eine der schwersten Waldbrandsaisons seit Jahren.
Dramatische Rettungsaktionen für Orang-Utans
Gleichzeitig sind Tierschützer im Einsatz, um möglichst viele Orang-Utans aus den betroffenen Gebieten zu retten. Zwischen August und Oktober seien allein im Westen von Kalimantan mehr als 50 Tiere aus gefährdeten Gebieten in Sicherheit gebracht worden, teilten lokale Naturschutzbehörden und die indonesische Organisation YIARI mit.
Die Organisation BOS (Borneo Orangutan Survival) berichtete zuletzt von dramatischen Rettungsaktionen. So wurde Ende September ein drei bis vier Jahre altes Weibchen von Helfern in Sicherheit gebracht: Mit einem Betäubungspfeil und einem großen Auffang-Netz musste das Tier aus einer Baumkrone im brennenden Dschungel gerettet werden.
Das völlig erschöpfte Oang-Utan-Mädchen hatte schwere Brandverletzungen an Händen und Füßen davongetragen, die Atemwege waren durch den Rauch stark belastet. «Die Waldbrände wüten weiter und kein Ende ist in Sicht», schrieb BOS auf seiner Webseite. Sie treffen die bedrohten Menschenaffen, die nur noch auf Borneo und Sumatra leben, in einer ohnehin schwierigen Lage. Ihr Lebensraum schrumpft seit Jahren durch Abholzung und andere Eingriffe des Menschen.
Auf der Suche nach Wasser können die Tiere zudem gezwungen sein, vom schützenden Blätterdach auf den Waldboden hinabzusteigen. Dort droht ihnen Gefahr durch sogenannte Torfbrände, die sich unter der Erdoberfläche ausbreiten und lange unbemerkt weiterglimmen können. Nach Angaben des Tiermediziners Raden Wisnu Nurcahyo von der Gadjah-Mada-Universität in Yogyakarta sind rund 60 Prozent der geschätzt 57.000 Orang-Utans auf Borneo von den Folgen der Waldbrände betroffen.
Künstlicher Regen durch Trockeneis
Auch für die Menschen wird der giftige Rauch zunehmend zum Problem. In Teilen Sumatras und Borneos wurden den Behörden zufolge weiter gesundheitsschädliche bis gefährliche Belastungen gemessen. Die Menschen in betroffenen Gebieten wurden aufgerufen, Aktivitäten im Freien einzuschränken und Masken zu tragen.
In Süd-Sumatra versuchen die Behörden gemeinsam mit dem Wetterdienst und dem Militär, durch künstliche Wetterbeeinflussung die Rauchbelastung zu verringern und Regen auszulösen – dazu setzen sie Trockeneis und Natriumchlorid ein.
Die Auswirkungen reichen aber über Indonesien hinaus. In Teilen Malaysias und Singapurs beeinträchtigt der Smog seit Tagen den Alltag und führte bereits zu Schulschließungen. Viele Menschen dort leiden unter Atemwegsproblemen. Nach Angaben des Luftqualitätsdienstes IQAir gehörten Singapur und Kuala Lumpur am Wochenende zu den fünf Großstädten mit der höchsten Luftverschmutzung weltweit.