Ski alpin

Tapfere Vonn nach Sturz-Drama: Olympia-Traum nicht vorbei

Lindsey Vonn ist die große Favoritin auf Gold bei den Winterspielen. Doch just bei der Generalprobe für das Ringe-Event stürzt die Amerikanerin. Platzt nun ihr großer Olympia-Traum? Sie äußert sich.

Lindsey Vonn rutscht nach ihrem Sturz in Crans-Montana langsam ins Ziel. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
Lindsey Vonn rutscht nach ihrem Sturz in Crans-Montana langsam ins Ziel.

Crans-Montana (dpa) - Lindsey Vonn rutschte auf ihren Ski ganz langsam ins Ziel, immer wieder hielt sie sich schmerzverzerrt das linke Knie. Ausgerechnet bei der letzten Abfahrt vor Olympia war die Amerikanerin in Crans-Montana heftig gestürzt. Sie habe sich eine Verletzung am linken Knie zugezogen, schrieb sich wenige Stunden später bei Instagram. «Das ist ein sehr schwieriger Ausgang eine Woche vor Olympia», ergänzte sie, ohne Details zu ihrer Verletzung zu nennen.

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Dafür machte die 41 Jahre alte US-Amerikanerin eine klare Ansage: «Aber wenn es eine Sache gibt, von der ich weiß, wie es geht, dann Comebacks. Mein Olympia-Traum ist nicht vorbei.» Ihre Botschaft auch an die Fans beendete Vonn mit den Worten: «Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist.» 

Nun werden die Tage bis Olympia auch noch zur Nervenprobe. Vonn wollte bei den Winterspielen in der nächsten Woche eigentlich noch einmal die Ski-Welt verblüffen. 

Platzte der Gold-Traum der erfahrenen Athletin aber auf dem schwierigen Schnee der Mont-Lachaux-Piste von Crans-Montana? Vonn hatte nach wenigen Fahrsekunden und einem weiten Sprung die Kontrolle verloren und war in einen Fangzaun gekracht. Dort blieb sie zunächst liegen, das linke Knie war heftig zur Seite verdreht. Betreuer halfen der besten Abfahrerin dieses Winters auf die Beine. Vonn schnallte die Ski an und fuhr vorsichtig selbst hinunter ins Tal. Sie stoppte dabei mehrmals und begutachtete ihr Knie.

Helikopter fliegt Vonn in Krankenhaus

Im Ziel winkte sie kurz den Fans - später aber flog ein Hubschrauber die Amerikanerin in eine Klinik. Der US-Verband teilte in den sozialen Medien knapp mit, dass Vonn untersucht werde. Ihr Trainer Aksel Lund Svindal sagte dem ORF: «Sie hat ein bisschen Schmerzen. Aber ich bleibe positiv. Ich hoffe, dass nichts gerissen ist. Der linke Fuß und das linke Knie schmerzen.» Die Abfahrt war nach Vonns Sturz abgebrochen worden. 

Lindsey Vonn hält sich nach ihrem Sturz in Crans-Montana das linke Knie. Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa
Lindsey Vonn hält sich nach ihrem Sturz in Crans-Montana das linke Knie.

Eigentlich wollte Vonn eine einmalige Comeback-Story schreiben. Sie war zur vorigen Saison in den Weltcup zurückgekehrt, eine Teilprothese aus Titan sitzt in ihrem rechten Knie. Die ehrgeizige Olympiasiegerin glaubte fest daran, 16 Jahre nach ihrem ersten Abfahrtsgold 2010 in Vancouver noch einmal um die wertvollste Medaille bei den Winterspielen mitfahren zu können.

Bitter: Rennabsage nach Sturz

Und diese Saison gab ihr recht: Von den bisherigen fünf Abfahrten im Weltcup gewann sie zwei und fuhr in den anderen drei immerhin auf das Podest. Der Sieg bei Olympia in Cortina, auf einer von Vonns Lieblingsstrecken, schien nur über sie zu gehen. Dann aber kam Crans-Montana und der Sturz, ausgerechnet neun Tage vor dem olympischen Showdown in den Dolomiten.

Besonders bitter für die mit Nummer 6 gestartete Vonn war, dass nach ihrem Sturz und bei einsetzendem Schneefall das Rennen dann abgebrochen wurde. Schon vor dem US-Star waren Nina Ortlieb aus Österreich und die Norwegerin Marte Monsen gestürzt; ein Testfahrer sagte der Jury dann, dass sich die Verhältnisse verschlechterten. «Wir wollten nicht noch mehr die Sicherheit der Athletinnen riskieren», sagte Rennchef Peter Gerdol zu der Absage.

Bei den anderen Fahrerinnen stieß dies zunächst auf Unverständnis. «Das ist lächerlich», sagte die Deutsche Kira Weidle-Winkelmann, die oben am Berg auf ihren Start wartete. Vonns Teamkollegin und Weltmeisterin Breezy Johnson erinnerte daran, dass sie in diesem Winter schon bei schlechterer Sicht Rennen gefahren seien. Die Sportlerinnen diskutierten lebhaft über die Entscheidung - konnten sie aber zu dem Zeitpunkt schon nicht mehr ändern.

DSV-Chef spricht von «skifahrerischen Fehlern»

Wolfgang Maier, der langjährige Alpin-Chef und Sportvorstand im Deutschen Skiverband (DSV), sprach im ZDF von «individuellen, skifahrerischen Fehlern», die zu den Stürzen führten. Er meinte, die Piste sei «nicht schlecht, aber nicht ganz gleichmäßig» präpariert gewesen. Dieser «extremen Herausforderung» seien die gestürzten Rennfahrerinnen nicht gerecht geworden.