Lufthansa-Chef erwartet noch höhere Kerosin-Kosten
Nicht nur den Autofahrern machen die gestiegenen Ölpreise an den Tankstellen zu schaffen. Auch die Lufthansa muss mehr Geld für Kerosin aufwenden. Das spüren die Passagiere.
Frankfurt/Main (dpa) - Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet wegen des Iran-Kriegs noch höhere Kerosin-Kosten für Deutschlands größte Fluggesellschaft. Man wäre wahrscheinlich froh, wenn es bei den zuletzt genannten Mehrkosten von 1,5 Milliarden Euro bliebe, sagte Spohr am Montagabend vor Journalisten in Frankfurt. «Die Zahl wird höher sein, die wir am Jahresende wahrscheinlich (…) auszuweisen haben.»
Dass die Lufthansa für 2026 überhaupt noch einen operativen Gewinn etwa auf Vorjahresniveau erwartet, erklärte Spohr mit den Kürzungen bei der Hauptmarke Lufthansa und den zuletzt deutlich gestiegenen Ticketpreisen.
Schon im August hatte Lufthansa berichtet, dass die Treibstoffkosten im Gesamtjahr auf 8,7 Milliarden Euro steigen sollen. Die Airline reagiert darauf mit höheren Ticketpreisen für Passagiere.
Hohe Spritpreise belasten Airlines weltweit. Angesichts des schwelenden Iran-Kriegs und des Vorrückens der Huthi-Miliz im Jemen an der Meerenge von Bab al-Mandab hatte es zuletzt neue Sorgen um die globale Ölversorgung gegeben. Der Preis für Brent-Öl stieg wieder deutlich über die Marke von 100 Dollar je Barrel (159 Liter).
Trotz höherer Preise: Nachfrage nach Premiumklassen robust
Zugleich zeigte sich Spohr zum Ende der wichtigen Sommersaison von den Ticketverkäufen positiv überrascht. Die Nachfrage sei erstaunlich robust. Das gelte besonders für die Premiumklassen, zu denen neben der First und Business Class auch die Premium Economy zählt. Auf der Langstrecke erziele die Lufthansa in den Premiumklassen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes. Die Ticketnachfrage sei «praktisch unberührt von geopolitischen Risiken», die bei den Kunden sonst eher zu Zurückhaltung führten, so der Manager.
Spohr bereitet die Lufthansa für 2027 auf ein weiteres Transformationsjahr mit hohen Ölpreisen vor. Er erwartet, dass weitere Airlines wegen der hohen Treibstoffkosten in Schwierigkeiten geraten, nachdem jüngst Air Baltic aus Estland und Volotea aus Spanien Gläubigerschutz beantragt hatten. Schon im August hatte Spohr die Aktionäre auf einen Gewinnrückgang eingestimmt: So soll der bereinigte operative Gewinn 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro erreichen. Damit könnte die Lufthansa den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden unterschreiten.
Zu gern würde Spohr den Kerosinverbrauch durch den Einsatz von mehr neuen und sparsameren Flugzeugen drücken. Doch die Hersteller Airbus und Boeing liefern nicht so schnell wie erwünscht, und Lufthansa muss ältere und spritdurstigere Jets etwa vom Typ Airbus A340 länger in Betrieb halten als geplant. Im November erwartet Spohr das erste Exemplar des derzeit größten angebotenen Airbus-Modells A350-1000. Der erste Boeing-Großraumjet vom Typ 777X soll im ersten Quartal 2027 zur Lufthansa-Flotte stoßen, gefolgt von weiteren Maschinen des Typs - mit rund sieben Jahren Verspätung.