Rüstungszulieferer Vincorion strebt an die Börse
Die Waffenschmiede Rheinmetall ist längst an der Börse, die Sensorenfirma Hensoldt und der Getriebefabrikant Renk sind es auch. Bald wird die Liste börsennotierter deutscher Rüstungsfirmen länger.
Wedel (dpa) - Vor dem Hintergrund der boomenden Nachfrage nach Waffen wagt sich die nächste deutsche Rüstungsfirma aufs Börsenparkett. Der Rüstungszulieferer Vincorion teilte in Wedel bei Hamburg mit, dass er im ersten Halbjahr 2026 einen Börsengang in Frankfurt plane. Vincorion hat rund 900 Beschäftigte, die im Wesentlichen am Firmensitz in Wedel, im bayerischen Altenstadt und in Essen (NRW) sind.
Das deutsche Unternehmen mit rund 900 Vollzeitstellen gehörte bis 2022 zum Thüringer Technologiekonzern Jenoptik. Dann wurde es an einen britischen Finanzinvestor verkauft. Der möchte sich nun von einem Teil seiner Anteile trennen, künftig aber an Bord bleiben. Vincorion stellt Generatoren, Mechatronik und andere Energielösungen her, zu den Kunden gehören die Panzerbauer Rheinmetall, KNDS und diverse andere große Unternehmen.
Die Komponenten von Vincorion sind etwa in den Flugabwehrsystemen Patriot und Iris-T verbaut, hierbei geht es um die Stromversorgung. Außerdem hat der Mittelständler ein ziviles Geschäft, so sind etwa in Airbus-Passagiermaschinen Heizelemente und in Hubschraubern Rettungswinden der norddeutschen Firma eingebaut.
Umsatz geht steil nach oben
Vincorion kam im vergangenen Jahr eigenen Angaben zufolge auf einen Umsatz von 240 Millionen Euro, Angaben zum Gewinn machte es nicht. Im Zeitraum 2023 bis 2025 lag das jährliche Umsatzwachstum den Angaben zufolge durchschnittlich bei 22 Prozent. Zum Jahreswechsel lag der Gesamtauftragsbestand bei rund 1,1 Milliarden Euro. Vincorion ist ein Kunstname aus dem lateinischen Wort «vincere» (siegen) und dem Sternbild Orion.
Konzernchef Kajetan von Mentzingen wertet den Börsengang als nächsten Schritt auf dem erfolgreichen Weg von Vincorion. «Als Unternehmen im Zentrum des dynamisch wachsenden Verteidigungs- und Sicherheitssektors stellt Vincorion das Fundament der Energieversorgung für moderne Kriegsführung und Zivilschutz», sagt der frühere Airbus-Manager.
Nato-Staaten legen viel Geld bereit
Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 boomt Deutschlands Waffenbranche, der Börsenkurs von Rheinmetall ist seither von etwa 100 auf derzeit circa 1600 Euro nach oben geklettert. Bei anderen börsennotierten Firmen ging der Wert ihrer Anteilsscheine ebenfalls steil nach oben.
In einer schwächelnden Gesamtkonjunktur ist die Rüstungsbranche für Anleger besonders attraktiv geworden, da Deutschland und andere Nato-Staaten viel mehr Geld in ihr Militär investieren wollen als zuvor. So sind in Deutschland Ausgaben für die Verteidigung weitgehend von der Schuldenbremse ausgenommen worden.
In Zeiten generell klammer Kassen des Staates gilt für den Verteidigungsbereich doch eher das finanzielle Motto «Klotzen statt Kleckern», damit die Bundeswehr modernisiert wird und der russischen Bedrohung gewachsen ist. Das kommt den deutschen Rüstungsfirmen zugute, ihre wirtschaftlichen Perspektiven sind blendend.