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Wann wird die Bahn pünktlicher? Netzzustand weiter kritisch

Der Netzzustandsbericht gibt jedes Jahr Aufschluss darüber, wie es um die Schieneninfrastruktur in Deutschland bestellt ist. 2025 wurde es zumindest nicht schlimmer - doch das hatte einen hohen Preis.

Im Schienennetz der Bahn wird an vielen Stellen gebaut. Das Problem: Das Netz ist einem so schlechten Zustand, dass damit bislang nur der Ist-Zustand beibehalten werden kann. (Archivbild) Foto: Jens Büttner/dpa
Im Schienennetz der Bahn wird an vielen Stellen gebaut. Das Problem: Das Netz ist einem so schlechten Zustand, dass damit bislang nur der Ist-Zustand beibehalten werden kann. (Archivbild)

Berlin (dpa) - Kaum ist eine Weichenstörung repariert, schon geht woanders in Deutschland wieder was kaputt. So fühlt es sich für viele Fahrgäste der Deutschen Bahn derzeit an, wenn sie mit dem Zug unterwegs sind - und vermutlich ist das auch das Gefühl vieler Mitarbeiter und Managerinnen des bundeseigenen Konzerns. Denn 26.000 Baustellen für rund 19,9 Milliarden Euro haben vergangenes Jahr gerade mal dafür gereicht, dass das marode Netz nicht noch weiter verfällt. 

Im neuen Netzzustandsbericht erhielt das 33.000 Kilometer lange Netz wie schon im Vorjahr die Schulnote 3,0. «Die Trendwende haben wir noch nicht geschafft», sagte Bahnchefin Evelyn Palla. «Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.»

«Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.» (Archivbild) Foto: Kay Nietfeld/dpa
«Viele Anlagen und Bahnhöfe sind weiter in keinem guten Zustand.» (Archivbild)

Die Fahrgäste spüren das täglich, wenn Züge unpünktlich unterwegs sind, weil sie von Langsamfahrstellen, Weichenstörungen oder Oberleitungsschäden ausgebremst werden. Die angeschlagene Infrastruktur gehört zu den größten Einflussfaktoren auf die Pünktlichkeitsquote. 

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Welche Bereiche sind in besonders kritischem Zustand?

Die Bahn unterteilt in dem Bericht in rund 9.000 Kilometer Hochleistungsnetz und rund 24.000 Kilometer Flächennetz. Das Hochleistungsnetz erhielt die Note 3,04, das Flächennetz die Note 2,96. «Wenn man gut fahren will, muss man auf dem Hochleistungsnetz Richtung 2,5 oder 2,6 kommen», sagte Philipp Nagl, Chef der für die Infrastruktur zuständigen Bahntochter DB InfraGo. Alle Anlagen mit einer Note von 4 oder schlechter gelten in dem Bericht, den die Bahn selbst erstellt, als erneuerungsbedürftig. 

Nicht wenige Stellwerke der Bahn sind bereits 60 oder 70 Jahre alt und können nicht mehr mit neuerer Technik ausgestattet werden. Dann hilft nur der Neubau. Foto: Stefan Puchner/dpa
Nicht wenige Stellwerke der Bahn sind bereits 60 oder 70 Jahre alt und können nicht mehr mit neuerer Technik ausgestattet werden. Dann hilft nur der Neubau.

In besonders schlechtem Zustand sind weiterhin die Stellwerke mit einer Note von 4,02 im Gesamtnetz - 0,1 Punkte besser als vor einem Jahr. «Jedes zweite der rund 4.000 Stellwerke ist erneuerungsbedürftig», teilte die Bahn mit. Die Stellwerke sind besonders wichtig für den Bahnbetrieb, sie stellen zum Beispiele Weichen und Signale, damit die Züge sicher fahren können.

Wie will die Bahn den Netzzustand verbessern?

Bauen, bauen, bauen ist das Motto. Mit 28.000 Baustellen und einer Investitionssumme von rund 23 Milliarden im laufenden Jahr hoffen die Bahn-Manager auf messbare Verbesserungen beim Netzzustand.

«Um verlässlich fahren zu können, müssen wir das Schienennetz mit Kraft weiter modernisieren und sanieren», sagt Bahnchefin Palla - und richtet auch eine klare Botschaft an die Politik: «Wir werden nur dann erfolgreich sein, wenn die Investitionen in das Netz dieses Jahr kein Ausschlag nach oben bleiben, sondern wenn das der neue Standard ist.» Den gesamten Sanierungsstau beziffert der bundeseigene Konzern derzeit auf 130 Milliarden Euro. 

Wo liegt der Schwerpunkt bei den Bauarbeiten im Netz?

Die Aushängeschilder sind die sogenannten Generalsanierungen besonders wichtiger Strecken. Bei einer solchen Sanierung werden die Strecken in der Regel monatelang komplett gesperrt, um dann den Abschnitt möglichst grundlegend auf Vordermann zu bringen. 

Die erste Generalsanierung gab es im zweiten Halbjahr 2024 auf der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Die fünfmonatige Baumaßnahme verbesserte die Zustandsnote der Strecke von 3,7 auf 2,19. Derzeit laufen Generalsanierungen auf den Strecken Hamburg-Berlin, Köln-Hagen-Wuppertal und Nürnberg-Regensburg. Die Ergebnisse dieser Sanierungen werden in den nächsten Netzzustandsbericht einfließen - auch deshalb sind die Bahn-Manager zuversichtlich, dass sich die Zustandsnoten dann verbessern werden. Insgesamt sind rund 40 Generalsanierungen bis 2036 geplant.

Die Generalsanierungen werden in der Bahnbranche von den meisten Experten als unvermeidlich angesehen. Kritik gibt es aber unter anderem, weil die Umleitungen etwa für den Güterverkehr teils sehr lang sind und weil die Bahn bei den ersten Generalsanierungen nicht alle technischen Versprechen umgesetzt hat. 

Wie lange wird es dauern, bis sich die Pünktlichkeit spürbar bessert?

Das hängt stark davon ab, ob auch in den kommenden Jahren stets genug Geld für die Sanierungsarbeiten zur Verfügung steht. Grundsätzlich ist Geduld gefragt.

Bei Versprechen zu mehr Pünktlichkeit ist auch die Bahn selbst in den vergangenen Monaten vorsichtiger geworden. Im Herbst kassierten die neue Bahnchefin Palla und Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) das bisherige Pünktlichkeitsziel ein und senkten es auf 70 Prozent im Jahr 2029. Der alte Bahnvorstand mit dem Vorsitzenden Richard Lutz hatte für 2027 noch 75 bis 80 Prozent als Ziel ausgegeben. 

Im April 2026 erreichten die Züge des Fernverkehrs 64,4 Prozent der Halte rechtzeitig, also mit maximal 5:59 Minuten Verspätung. Absehbar dürfte es für die Bahn dieses Jahr bereits eine Herausforderung sein, eine Pünktlichkeitsquote von mehr als 60 Prozent im gesamten Jahr zu erreichen. 

Wurde auch der Zustand der Bahnhöfe betrachtet?

Ja, große Veränderungen im Vergleich zum Vorjahr gab es aber nicht. Die Zustandsnote liegt für 2025 bei 2,96 - das sind 0,07 Punkte weniger als 2024. Besonders die Empfangsgebäude sind in keinem guten Zustand und bekommen im Bericht die Note 3,55 (2024: 3,58). Um Personenaufzüge ist es ähnlich schlecht bestellt (3,56). Schlechte Noten gab es auch für den Zustand der Rolltreppen: Von den 1.025 bewerteten Anlagen wurden 489 als erneuerungsbedürftig (Note 4) eingestuft, 112 sogar als dringend erneuerungsbedürftig (Note 5).