Commerzbank mit Rekordgewinn in die Arme der Italiener
Die Commerzbank bleibt auf Kurs Richtung Rekordjahr. Doch im Vordergrund steht die von der Unicredit betriebene Übernahme des Dax-Konzerns. Wie geht es weiter für den Vorstand um Bettina Orlopp?
Frankfurt/Main (dpa) - Die Commerzbank bleibt auf Rekordkurs und hat in den ersten neun Monaten 2026 mehr Gewinn gemacht als im gesamten Vorjahr. «Die starke Geschäftsentwicklung belegt, welches Potenzial in der Commerzbank steckt», bilanzierte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp. Seit einigen Monaten hat der Frankfurter Dax-Konzern mit der italienischen Unicredit de facto einen Kontrollaktionär, der auf eine Übernahme zusteuert.
«Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam mit Unicredit Wert schaffen können, indem wir die Stärken beider Banken konsequent nutzen», erklärte Orlopp, die sich fast zwei Jahre gegen die Übernahme gewehrt hat. In einer Präsentation schreibt die Commerzbank: «Die Vorbereitungsarbeiten für die Konsolidierung haben begonnen.»
Rekordgewinn nach neun Monaten
Die Geschäfte von Deutschlands zweitgrößter börsennotierter Bank liefen auch im dritten Quartal gut: Unter dem Strich stehen 859 Millionen Euro Gewinn, gut 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
In den ersten neun Monaten kletterte der Überschuss ebenfalls um mehr als 40 Prozent auf rund 2,7 Milliarden Euro. Das ist das beste Ergebnis für diesen Zeitraum in der Konzerngeschichte. Für das Gesamtjahr peilt der Vorstand weiter einen Rekordgewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro an.
Im Gesamtjahr 2025 hatte die Bank wegen hoher Kosten für den Abbau von Stellen mit gut 2,6 Milliarden Euro den Rekordgewinn von 2024 (knapp 2,7 Mrd Euro) knapp verfehlt.
Unicredit treibt Übernahme voran
Doch wie geht es weiter mit der Commerzbank, nachdem sich die Unicredit den Zugriff auf knapp die Hälfte der Anteile gesichert hat und sie jüngst von der EZB-Bankenaufsicht die Genehmigung zur Kontrollübernahme erhalten hat?
Die Unicredit, die in Deutschland schon mit der Hypovereinsbank (HVB) vertreten ist, sieht Potenzial für Milliardeneinsparungen. Unicredit-Chef Andrea Orcel will etwa das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.
Die Commerzbank steht selbst auf der Kostenbremse. Im Februar 2025 wurde der Abbau von 3.900 Vollzeitstellen bis Ende 2027 angekündigt, vor allem in Deutschland. Im Mai 2026 folgte ein weiteres Sparprogramm: Bis 2030 sollen zusätzlich zu den bereits angekündigten Kürzungen konzernweit etwa 3.000 weitere Vollzeitstellen wegfallen.
Nach Commerzbank-Angaben haben etwa 1.800 Mitarbeitende bereits individuelle Vereinbarungen für einen geordneten Übergang getroffen. Für ein neues freiwilliges Altersteilzeit-Programm haben sich demnach schon mehr als 1.100 Beschäftigte entschieden. Zum 30. September hatte der Konzern weltweit 40.390 Vollzeitkräfte, mehr als die Hälfte davon (25.091) in Deutschland.
Orcel wirbt um Vertrauen
Der Bund, der mit gut 13 Prozent zweitgrößter Einzelaktionär der Commerzbank ist, pocht darauf, dass das Institut auch im Fall einer Übernahme seine wichtige Rolle für die Finanzierung des Mittelstands weiter erfüllen kann.
Unicredit-Chef Orcel warb jüngst um Vertrauen: «Wir bündeln die Stärken beider Banken nicht, um weniger für die deutschen Unternehmen zu leisten.» Die Unicredit sei «fest entschlossen, den Mehrwert einer Zusammenführung der Stärken beider Banken unter Beweis zu stellen», versicherte Orcel. «Wir bitten unsere Kunden, uns weiterhin ihr Vertrauen zu schenken und uns an unseren tatsächlichen Leistungen zu messen.»
Austausch der Commerzbank-Spitze?
In den nächsten Wochen erwartet die Unicredit die noch ausstehenden behördlichen Genehmigungen für ihren Plan, die Commerzbank zu schlucken. Die Commerzbank ihrerseits geht davon aus, dass «im Verlauf des vierten Quartals oder spätestens bis Anfang des Jahres 2027» die Freigaben vorliegen werden. Orcel hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er die Führungsspitze der Commerzbank neu besetzen will. Spekuliert wird über eine außerordentliche Hauptversammlung Ende Januar oder Anfang Februar 2027.