Immobilienmarkt

Studie: Krise am Wohnungsbau drückt Wirtschaftswachstum

Im vergangenen Jahr wurden laut «Bau-Monitor» fast 85.000 Wohnungen weniger gebaut als 2023. Mit Folgen für die gesamte Wirtschaft.

Der Wohnungsbau erlebte seit 2023 einen Einbruch. (Archivbild) Foto: Patrick Pleul/dpa
Der Wohnungsbau erlebte seit 2023 einen Einbruch. (Archivbild)

Berlin (dpa) - Der Einbruch beim Wohnungsbau zwischen 2023 und 2025 hat einer Studie zufolge die gesamte Konjunktur in Deutschland gebremst. 2025 seien bundesweit rund 84.600 Wohnungen weniger gebaut worden als zwei Jahre zuvor, heißt es im sogenannten Bau-Monitor 2026. Allein für den Bau bedeute das binnen zwei Jahren einen Netto-Umsatzverlust von rund 26,9 Milliarden Euro. Das Bruttoinlandsprodukt sei um 0,6 Prozentpunkte geringer ausgefallen, die Steuereinnahmen um rund sieben Milliarden Euro niedriger. 

Das Pestel-Institut, das den «Bau-Monitor» im Auftrag des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel erstellt hat, legt als Vergleichsmaßstab für das Rechenmodell eine «stabile Bautätigkeit» zugrunde. Das heißt, es berechnet, was gewesen wäre, wenn 2025 auch rund 300.000 Wohnungen gebaut worden wären wie in den Jahren zuvor. Laut Statistischem Bundesamt wurden im vergangenen Jahr 206.600 Wohnungen fertig. 

1,35 Millionen Wohnungen fehlen

«Wirtschaftswachstum funktioniert nur mit mehr Wohnungsbau», erklärte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Laut «Bau-Monitor» fehlen aktuell bundesweit 1,35 Millionen Wohnungen - eine Größenordnung, die das Institut zu Jahresbeginn bereits im Auftrag des Bündnisses Soziales Wohnen ermittelt hatte. Die Knappheit entwickle sich auch zur Beschäftigungsbremse, erläutern die Wissenschaftler.

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Wo bezahlbarer Wohnraum fehle, seien frei werdende Arbeitsplätze schwierig zu besetzen, vor allem in wirtschaftlich starken Regionen. Der Studie zufolge fehlen allein in Berlin mindestens 58.000 Wohnungen, in Hamburg 23.000, in Nordrhein-Westfalen 364.000, in Bayern 220.000 und in Baden-Württemberg 201.000. «Menschen ziehen nicht zum neuen Arbeitsort, wenn sie dort keine Wohnung finden, die sie sich auch leisten können», erläuterte Günther. Auch das drücke auf das Wirtschaftswachstum und bedeute Wohlstandsverlust.

Branche sieht schwarz

Bei den Baugenehmigungen hatte sich zuletzt ein Aufwärtstrend abgezeichnet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts ergab sich für die ersten sechs Monate dieses Jahres ein Plus um 15,1 Prozent auf 126.300 Einheiten.

Die Branche sieht trotzdem auch für das laufende Jahr schwarz. «Der Absturz beim Wohnungsbau ist fatal», erklärte Katharina Metzger, Präsidentin des Baustoff-Fachhandel-Verbands. «2026 erwarten wir nochmal einen enormen Schlag nach unten: nur 185.000 Neubau-Wohnungen, so die Prognose.»

Bauen ohne Genehmigung gefordert

Ausgerechnet in dieser Situation wolle die Bundesregierung Fördermittel für Wohnungsbau um 1,4 Milliarden Euro kürzen, monierte sie. 2027 würden nur zwei Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Nötig sei hingegen eine verlässliche und kontinuierliche Förderung. 

Zudem forderte Metzger die rasche Umsetzung des angekündigten Gebäudetyps E mit vereinfachten Baustandards. Mehrfamilienhäuser mit bis zu zwölf Einheiten sollten ohne eigene Baugenehmigung errichtet werden können, solange sich der Bauherr an den jeweiligen Bebauungsplan hält.