Außenhandel

Zollstreit mit Trump: Pharmabranche erwartet weniger Umsatz

Drohungen, Unsicherheit, kaum Planbarkeit: Der Streit um Pharmazölle mit Donald Trump hinterlässt Spuren in der Arzneibranche. Nach einem starken Vorjahr geht es abwärts - mit Folgen für die Jobs.

Die deutsche Pharmabranche erwartet schlechtere Geschäfte. (Symbolbild) Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa
Die deutsche Pharmabranche erwartet schlechtere Geschäfte. (Symbolbild)

Berlin (dpa) - Die deutsche Pharmaindustrie erwartet wegen des Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump Einbußen in diesem Jahr. Die Pharmaproduktion dürfte um 2,2 Prozent sinken und der reale Umsatz um 1,8 Prozent, heißt es in einer Prognose des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. «Die handelspolitischen Auseinandersetzungen mit den USA zeigen deutliche Auswirkungen.» Zusätzlich belaste das Niedrigwasser die Produktion.

Auch der Jobaufbau der Pharmaindustrie mit knapp 130.000 Beschäftigten in Deutschland sei fast zum Erliegen gekommen, so der VFA. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfte dieses Jahr stagnieren.

Zeitweise Drohungen mit 100-prozentigen Zöllen

Noch im vergangenen Jahr hatte die Pharmabranche von Vorzieheffekten profitiert: Da Trump wiederholt mit Arzneizöllen drohten, hatten Unternehmen ab Frühjahr 2025 umfangreiche Lieferungen in die USA vorgezogen. Umsatz und Produktion zogen kräftig an. «Nach den vorgezogenen Exporten und Produktionsmengen im vergangenen Jahr folgt 2026 die Gegenbewegung», schreibt der VFA.

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Trump hatte der Pharmabranche zeitweise mit 100-prozentigen Zöllen auf patentgeschützte Medikamente gedroht. Auch wenn es dazu nicht kam und gemäß Handelsdeal zwischen Brüssel und Washington für Arzneien aus Europa eine Zollobergrenze von 15 Prozent gilt: Die Drohungen sorgten für Unruhe, denn die deutsche Pharmaindustrie liefert rund ein Viertel ihrer Exporte in die USA. Zudem sind die Arzneipreise dort viel höher als in Europa, was den Markt unverzichtbar macht. Viele Pharmaunternehmen, darunter Merck in Darmstadt, haben auf Trumps Druck reagiert und Milliarden-Investitionen in Amerika zugesagt.

Pharmaproduktion: Der Handelsstreit mit Trump belastet Arzneihersteller. (Symbolbild) Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa
Pharmaproduktion: Der Handelsstreit mit Trump belastet Arzneihersteller. (Symbolbild)

Kritik an Sparvorgaben der Politik

Neben dem Zollstreit sieht die Pharmabranche auch Sparvorgaben der Politik als Bürde. Um die Krankenkassenbeiträge stabil zu halten, hat die Bundesregierung Arzneikonzernen mehr als doppelt so hohe Herstellerrabatte verordnet, die sie den gesetzlichen Krankenkassen für patentgeschützte Medikamente gewähren müssen. Das sorgt in der Pharmabranche für Ärger, Hersteller stoppten Investitionen oder stellen künftige Ausgaben in Deutschland auf den Prüfstand, darunter der Schweizer Konzern Roche.

«Der höhere Herstellerabschlag ab 2027 belastet die Unternehmen erheblich,» kritisiert der VFA. Investitionen und Forschungsausgaben könnten bis 2030 insgesamt um gut vier Milliarden Euro niedriger ausfallen als ohne die Maßnahmen, rechnet der Verband vor. Für 2027 prognostiziert er einen Rückgang der Pharma-Investitionen hierzulande um 1,8 Prozent. Auch dürften sich mit dem Druck der Trump-Regierung Investitionen verschieben.

Krankenkassen: «Die Pharmaindustrie verdient blendend» 

Die Bundesregierung will die Belastung für die Pharmabranche bei den Herstellerrabatten durch eine geplante Standortklausel reduzieren, die an Investitionen, Produktion und klinische Forschung in Deutschland geknüpft ist. 

Kritik an der Lobbyarbeit der Pharmabranche kam zuletzt von den gesetzlichen Krankenkassen. «Die Pharmaindustrie verdient blendend in Deutschland und das wird auch mit der aktuellen Gesetzgebung so bleiben», sagte die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Stefanie Stoff-Ahnis, jüngst der dpa.