Schmerz ist beeinflussbar

Angst vor der Spritze? Hören Sie Ihre Lieblingsmusik!

Mit der Lieblingsmusik ablenken - das tun viele Menschen in unangenehmen Situationen gern. Auch wenn ein Pieks ansteht, könnte das von Nutzen sein, zeigen Tests.

Seiner Lieblingsmusik zu lauschen, könnte Tests zufolge die Schmerzen bei einer Impfung reduzieren. Foto: picture alliance / dpa
Seiner Lieblingsmusik zu lauschen, könnte Tests zufolge die Schmerzen bei einer Impfung reduzieren.

Zürich (dpa) - Seiner Lieblingsmusik zu lauschen, könnte Tests zufolge empfundene Schmerzen etwa bei einer Impfung reduzieren. Musik von Mozart konnte bei der Schmerzreduktion nicht mit den Lieblingsmelodien mithalten, berichtet das Team im Fachmagazin «Frontiers in Pain Research» über Ergebnisse einer kleinen Studie mit rund 200 Teilnehmenden. Es handelt sich um vage Hinweise, die noch einer Bestätigung bedürfen.

Das Schmerzniveau eines Menschen könne beim Setzen einer Nadel erheblich variieren, erklärte Hauptautor Andrei Cristinel Dragnea vom Universitätsklinikum Zürich. Schon mehrfach zeigten Studien, dass Musikhören generell das Schmerzempfinden beeinflusst. Einfluss haben demnach der neuen Analyse zufolge die persönlichen Vorlieben. «Ich würde Patienten das Musikhören empfehlen, insbesondere solchen, die Musik generell mögen», erklärte Seniorautorin Meritxell Garcia Alzamora vom Universitätsklinikum.

Klinik passt sich an: Mehr Musik bei Untersuchungen

An der eigenen Klinik werde man das verstärkt berücksichtigen: «Angesichts unserer Ergebnisse werden wir den Einsatz von Musik bei Venenpunktionen im Rahmen radiologischer Untersuchungen verstärken, insbesondere bei ängstlichen oder klaustrophobischen Patienten.»

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Das Team der Klinik hatte 204 Patienten im Alter von 17 bis 83 Jahren einbezogen, bei denen eine MRT-Untersuchung anstand, für die ein Kontrastmittel verabreicht werden musste. Die Teilnehmenden wurden vier Gruppen zugeordnet: Sie hörten beim Legen der Kanüle entweder keine Musik, ihre Lieblingsmusik, spezielle Entspannungsmusik - «Quelle des Ich Bin» von Peter Uwe Piotter - oder die Mozartsonate für zwei Klaviere D-Dur KV 448, gespielt von Alfred Brendel und Walter Klien. Die Lieblingsmusik umfasste sowohl klassische Musik als auch moderne Popmusik und reichte von Beethoven bis zu Hardrock von AC/DC.

Menschen verspüren schon Schmerz, bevor überhaupt gepiekst wird

Die Musik lief bereits vor der Venenpunktion. Die Teilnehmenden bewerteten ihre Schmerzen auf einer Skala von 1 («keine Schmerzen») bis 10 («stärkste vorstellbare Schmerzen»). Die Angaben wurden vor der Venenpunktion sowie unmittelbar danach, nach 30 Sekunden und nach zwei Minuten erhoben. Insgesamt 71 Menschen gaben bereits vor dem Einstich Schmerzen an.

Bei der Lieblingsmusik-Gruppe zeigte sich im Mittel eine merkliche Schmerzreduktionswirkung sowohl bei Patienten mit als auch ohne Schmerzen vor dem Nadelstich. Mozart hatte den Daten nach nur bei Menschen mit bereits bestehenden Schmerzen eine signifikante Schmerzlinderung zur Folge.

Entspannungsmusik zu lahm für einen Effekt?

Bei der Entspannungsmusik konnten die Forschenden keine relevante Verringerung des Schmerzempfindens feststellen. Das Stück sei langsam, leise und wenig dynamisch, erklärten die Forschenden dazu. Die Patientinnen und Patienten könnten es kaum bewusst wahrgenommen oder schlicht ausgeblendet haben, ist ihre Vermutung. Aus dem Ergebnis lasse sich nicht schließen, dass Entspannungsmusik immer wirkungslos ist.

Generell ist die Aussagekraft der Untersuchung allerdings sehr begrenzt. Die Gruppen waren klein, die Zuteilung erfolgte nicht zufällig, sondern nach der zeitlichen Reihenfolge der angesetzten MRT-Termine. Außerdem verursachte die Venenpunktion nur einen kurzen, meist leichten Schmerz; die Ergebnisse lassen sich nicht auf längere oder schmerzhaftere Eingriffe übertragen.