Wissenschaft

Studie: Soziale Aktivitäten im Alter fördern Gehirnleistung

Je mehr, desto besser: Soziale Kontakte im Alter fördern Gedächtnis und Denkleistung. Besonders ehrenamtliche Arbeit erweist sich laut der Studie als wirksam. Was noch?

Soziale Aktivitäten sind auch in hohem Alter sehr wichtig. (Symbolbild) Foto: Jens Büttner/dpa
Soziale Aktivitäten sind auch in hohem Alter sehr wichtig. (Symbolbild)

Jinan (dpa) - Soziale Aktivitäten im Alter stehen in direktem Zusammenhang mit einer besseren kognitiven Leistungsfähigkeit und können dem geistigen Abbau entgegenwirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine große Überblicksstudie, die im Fachjournal «Journal of Epidemiology & Community Health» erschienen ist.

Die Auswertung von Daten aus fünf großen Langzeitstudien mit insgesamt 57.793 älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus 24 Ländern zeigt zudem: Je mehr soziale Aktivitäten Senioren ausüben, desto stärkere positive Effekte zeigen sich für ihr Gedächtnis und ihre exekutiven Funktionen, wie etwa Rechnen oder das Aufzählen von Tiernamen.

Welche soziale Betätigung ist besonders wirksam?

In allen fünf Studien schnitten gesellschaftlich aktive Ältere kognitiv signifikant besser ab als inaktive Gleichaltrige. Während bereits die Teilnahme an einer einzelnen sozialen Aktivität mit höheren Werten für die kognitive Funktion einherging, verstärkte sich der Effekt bei zwei sowie bei drei oder mehr Aktivitäten schrittweise. Bei Menschen, die sich in drei oder mehr Gruppen engagierten, zeigte sich zudem pro Jahr eine statistisch signifikante Zunahme der kognitiven Leistungswerte.

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Nicht jede soziale Betätigung erwies sich jedoch als gleichermaßen erfolgreich. Besonders wirksam ist den Ergebnissen zufolge ehrenamtliche Arbeit und die Mitgliedschaft in Sportvereinen. Auch der Besuch von Fortbildungskursen und die Betreuung von Kindern wirkten sich positiv auf die jährliche Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit aus. Dagegen zeigten Engagements in politischen Gruppen, Kirchengemeinden oder religiösen Vereinigungen keinen durchgängig signifikanten Zusammenhang mit einer kognitiven Verbesserung.

In Subgruppenanalysen stellten die Wissenschaftler fest, dass die positiven Effekte bei Frauen, Personen ab 60 Jahren, Menschen mit höherem Bildungsgrad, Alleinlebenden sowie Bewohnern ländlicher Regionen besonders stark ausgeprägt waren. 

Daten aus verschiedenen Ländern

Für die Metaanalyse wertete das chinesische Forschungsteam um Yuedong Wang von der Shandong University je eine Studie aus den USA, England, China, Mexiko und Europa aus. Die Nachbeobachtungszeit lag im Median bei sechs Jahren. Die geistige Leistungsfähigkeit wurde anhand standardisierter kognitiver Tests gemessen.

Die Forscher weisen jedoch auch auf Einschränkungen ihrer Arbeit hin. So basierten die Angaben zu den sozialen Aktivitäten auf Selbstauskünften der Befragten. Zudem könne eine umgekehrte Kausalität nicht vollständig ausgeschlossen werden: Es sei denkbar, dass Personen mit von vornherein besserer geistiger Gesundheit eher geneigt sind, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Dennoch betonen die Studienautoren, ihre Ergebnisse sprächen dafür, vielfältige und langfristige soziale Aktivitäten älterer Menschen zu fördern, um das Risiko eines altersbedingten kognitiven Abbaus zu verringern.