West-Nil-Virus: Sieben Menschen in Deutschland angesteckt
Nach einer Infektion mit dem West-Nil-Virus können Patienten in seltenen Fällen schwer erkranken. In diesem Jahr haben sich etliche Menschen in Deutschland infiziert - in mehreren Bundesländern.
Berlin (dpa) - Mit dem West-Nil-Virus haben sich im Jahr 2026 bislang sieben Menschen lokal in Deutschland angesteckt. Die Personen seien zwischen 28 und 83 Jahre alt und hätten sich wahrscheinlich in ihren Wohnorten in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit dem Virus infiziert, sagte eine Sprecherin des Robert Koch-Instituts (RKI) der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem wurden dieses Jahr zehn weitere deutsche Infizierte registriert, die sich den Angaben zufolge im Ausland angesteckt haben. Die Zahlen bilden den Stand vom 26. Oktober ab. Todesfälle gab es in Deutschland dieses Jahr laut RKI nicht.
Das West-Nil-Virus wird nach Angaben des RKI hauptsächlich von Stechmücken zwischen wildlebenden Vögeln übertragen. Die Mücken können aber auch Menschen und andere Säugetiere infizieren. Aus den Tropen gelange das Virus durch Zugvögel in Gebiete am Mittelmeer und Europa. Als Hautüberträger gelten in Deutschland die heimischen Culex-Mücken.
Deutlich mehr Fälle in Europa
Im Spätsommer 2019 waren dem RKI zufolge erste durch heimische Mücken übertragene West-Nil-Virus-Infektionen in Ostdeutschland bekanntgeworden - insgesamt waren es fünf. Auch in den folgenden Jahren wurden in den Sommer- und Herbstmonaten Infektionen in Deutschland gemeldet. Experten gehen davon aus, dass die Fallzahlen im Zuge des Klimawandels steigen werden.
In Europa gibt es dieses Jahr deutlich mehr lokale Fälle als in den meisten vergangenen Gesamtjahren. Laut dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) wurden bislang 1.965 Fälle gemeldet (Stand 23. Oktober). Mit 770 Fällen ist Italien mit Abstand am stärksten betroffen. Darauf folgen Griechenland (457), Frankreich (173), Spanien (145) und Rumänien (125). Bis zum 7. Oktober wurden der Behörde insgesamt 130 Todesfälle gemeldet.
Nur wenige Infizierte erkranken schwer
Die meisten West-Nil-Infektionen verlaufen unauffällig, wie das RKI erklärt. Etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln West-Nil-Fieber - eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die etwa drei bis sechs Tage dauere. Der Krankheitsbeginn ist abrupt mit Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit und Lymphknotenschwellungen.
Nur etwa jede 100. infizierte Person erkranke schwer an einer neuroinvasiven Form, meistens an einer gutartigen Meningitis (Hirnhautentzündung). Etwa 5 bis 10 Prozent der Patienten mit einer neuroinvasiven West-Nil-Erkrankung sterben den Angaben zufolge. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen oder Patienten mit einer kardiovaskulären Vorerkrankung.