Böllerverbot für Viernheimer Innenstadt beschlossen
In Silvesternacht wurde die Feuerwehr gezielt von einer Gruppe junger Leute mit Feuerwerkskörpern beschossen. Viernheimer Magistrat entscheidet einstimmig Böllerverbot auf Apostelplatz.
Nach den Ausschreitungen in der zurückliegenden Silvesternacht auf dem Viernheimer Apostelplatz hat der Magistrat der Stadt per Allgemeinverfügung für kommendes Silvester verboten, auf dem Apostelplatz Feuerwerkskörper zu zünden. Am 31. Dezember waren Kräfte der Feuerwehr, die zum Löschen verschiedener Brandherde gekommen waren, laut Augenzeugen gezielt von einer Gruppe junger Leute mit Feuerwerkskörpern beschossen worden.
Das Verbot gilt zunächst für die kommende Silvesternacht. Welche Bereiche in der Innenstadt konkret darunterfallen, werde noch ausgearbeitet, sagte Bürgermeister Matthias Baaß (SPD) auf Nachfrage dieser Redaktion. Das Verbot beziehe sich zunächst ausschließlich auf die Innenstadt, weitere Bereiche seien aktuell nicht angedacht.
Laut Baaß verlief die Diskussion im Magistrat über das von ihm und Erstem Stadtrat Jörg Scheidel (CDU) angeregte Böllerverbot ohne jede Kontroverse. Nach Lage der Dinge hatten Mitglieder einer 30 bis 50 Personen umfassenden Gruppe in der Silvesternacht gezielt mehrere kleine Brände auf dem Apostelplatz gelegt, um die Viernheimer Feuerwehr auf den Plan zu rufen – und um sie gezielt mit Böllern zu beschießen. Beim Eintreffen der Polizei gaben die Übeltäter Fersengeld. Diese Aktion ist bis heute Stadtgespräch in Viernheim. Während die Polizei erklärte, es sei kein gezielter Beschuss nachzuweisen gewesen und Zweifel an der Darstellung der Feuerwehrleute durchscheinen ließ, sprach ein Anwohner und Augenzeuge eine ganz andere Sprache.
Rakete trifft Beifahrerseite
Hermann Wunderle, ehemaliger Pressesprecher der Stadt, hat dieser Redaktion sein Erlebnis geschildert. Er gab in der Silvesternacht unter anderem zu Protokoll: „Immer mehr Raketen zielen nicht in den Nachthimmel, sondern werden in bestimmte Richtungen quer über den Platz abgeknallt. Mehrere Personen können diesen im letzten Moment ausweichen. Auch diesmal wieder Raketenflug aus der Gruppe. Und auch die aufgestellten Infotürmchen vom Weihnachtsmarkt bekommen ihr Fett ab, Superknaller untergeschoben. Und zwischendurch immer wieder die brutalen Explosionen der bestimmt illegalen und gefährlichen Bombenschläge. Denn sofort nach Zündung dieser Monster rennen die Silvesterhelden auffallend schnell aus dem Gefahrenbereich. Schneller als ein Sprinter aus dem Startblock. Also besteht Gefahr für jedermann. Das ist kein übliches Silvesterfeuerwerk. Alles so geplant? Die Feuerwehr rückt an und wird gleich ins Visier genommen. Absichtlich. Ganz offensichtlich! Von der Gruppe aus erfolgen die Raketenabschüsse ganz gezielt. Zwei verfehlen das Ziel nur knapp, die dritte touchiert das Fahrzeugdach. Die vierte Rakete ist auf einen Feuerwehrmann auf der Beifahrerseite gerichtet. Sie trifft ihn oder das Fahrzeug. Kann ich aus meiner Perspektive nicht genau sehen. Dieser Feuerwehrmann zeigt Löwenmut, rennt auf die Gruppe zu und ruft: ,Seid ihr denn verrückt geworden.‘ Die Gruppe insgesamt flieht in Richtung Rathausparkplatz. Ich denke mir: Wer sich ordnungsgemäß verhält, gesellschaftliche Spielregeln akzeptiert, der muss nicht wegrennen.“ mas