Ehrenamt

Anna Meister aus Fürth begleitet Menschen in ihren letzten Tagen

Die Ellenbacherin ist ehrenamtliche Hospizbegleiterin und unterstützt sterbende Menschen und deren Angehörige. Den Anstoß dafür gab ihr ein eigener Verlust.

Anna Meister findet in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit mit Sterbenden und deren Angehörigen Erfüllung. Foto: Privat
Anna Meister findet in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit mit Sterbenden und deren Angehörigen Erfüllung.

Von Jula Reichard
Die Hospizarbeit steht für Mitmenschlichkeit in den schwersten Zeiten des Lebens. Sie hilft schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie ihren Angehörigen dabei, den letzten Lebensabschnitt in Würde und Geborgenheit zu erleben. Der Schwerpunkt liegt darauf, einfühlsam auf die Bedürfnisse einzugehen und das Sterben als Teil des Lebens zu begleiten. Es geht dabei um Aspekte des Lebens, die von den allermeisten Menschen weit weggeschoben oder verdrängt werden. „Und das, obwohl sie 100 Prozent der Weltbevölkerung betreffen“, resümiert Anna Meister.

Die ehrenamtliche Hospizbegleiterin stammt aus Ellenbach. Sie beschreibt ihre Arbeit als eine Bereicherung: „Für mich ist es eine Aufgabe, die zeigt, was im Leben wirklich zählt.“ Anna Meister begleitet nicht nur sterbende Menschen, sondern auch deren Angehörige und hilft ihnen, die letzten gemeinsamen Momente bewusst zu erleben. Auf die Frage, wie man sich für solch eine Aufgabe wappnet, antwortet sie überzeugt: „Man muss keine Musterlösungen haben, oft reicht es, einfach da zu sein.“
Hilfe in vertrauter Umgebung
Ihr Engagement in dieser Sache hängt viel mit einem persönlichen Verlust zusammen, der sie für die Bedeutung der letzten Lebensphase sensibilisierte – denn sie selbst hätte sich damals gewünscht, ein Angebot dieser Art in Anspruch nehmen zu können.
Heute weiß sie, wie wichtig kleine Gesten, Gespräche und Zuhören sein können. Über eine Bekannte bei Facebook erfuhr Anna Meister, dass der Hospizverein einen Infoabend veranstaltet´, und das weckte ihr Interesse. „Ich ging ohne eine konkrete Vorstellung zu haben hin – und dann hat es mich gepackt.“
Es gibt in der hiesigen Region ein stationäres Hospiz in Bensheim, doch Anna Meister ist mobile Hospizbegleiterin und kümmert sich um die Menschen in deren Zuhause. Doch wie kommt sie mit diesen in Kontakt? „Man besucht mit einer Koordinatorin zum Erstgespräch die Familie und es wird geschaut, ob es passt“, erklärt sie.
Etwa ein Jahr Ausbildung, regelmäßige Treffen, bei denen intensive Übungen und Selbstreflexion gelehrt wurden, waren hierfür die Voraussetzung. „Bevor du das machen kannst, musst du deine eigenen Gefühle kennen und artikulieren können. Es heißt: Wer den Kurs macht, muss sich öffnen können.“
Die Angebote im Kreis Bergstraße
Die Hospiz Bergstraße GmbH sowie der Hospiz-Verein Bergstraße bieten eine breite Palette an Unterstützungsangeboten: Dazu zählen die ambulante Hospizbegleitung, bei der Ehrenamtliche wie Anna Meister Betroffene zu Hause oder im Pflegeheim besuchen und emotionale und praktische Unterstützung leisten.
Für Menschen, die zu Hause nicht mehr versorgt werden können, steht das stationäre Hospiz zur Verfügung, das sowohl den Gästen als auch deren Angehörigen Geborgenheit bietet. Einzelgespräche, Gesprächsgruppen oder kreative Ansätze wie Kunst- und Musiktherapie helfen Angehörigen außerdem, mit ihrer Trauer umzugehen. Auch für Kinder und Jugendliche gibt es spezielle Gruppenangebote, die im Kreis Bergstraße in Anspruch genommen werden können.
Regelmäßige Schulungen und Vorträge vermitteln Wissen über Themen wie Patientenverfügung, Palliative Care oder Sterbewünsche am Lebensende – so sind auch die Ehrenamtlichen stets bestens für ihre besondere Aufgabe gewappnet. Im Jahr 2023 begleitete das ambulante Team allein 159 Menschen. Auch Anna Meister hat nun ihre erste Begleitung eines sterbenden Menschen hinter sich – eine besondere Erfahrung.
Natürlicher Teil des Lebens
Die Hospizarbeit soll dabei helfen, die letzten Tage eines Lebens bewusst zu gestalten und den Tod als natürlichen Teil des Lebens zu akzeptieren. Diese Hilfsangebote sind kostenlos und können von jedem in Anspruch genommen werden – finanziert werden sie zu großen Teilen durch Spenden.