Birkenau

Birkenauer Hotelchefin Ilse Gassen wird 100 Jahre alt

Ilse Gassen blickt auf ein bewegtes Leben rund um die "Drei Birken" zurück.

Ilse Gassen feierte ihren 100. Geburtstag in Birkenau mit Tochter Cornelia (von links), Enkel Josua und Christine Friedrich vom Hotel- und Gaststättenverband. Foto: Thomas Rittelmann
Ilse Gassen feierte ihren 100. Geburtstag in Birkenau mit Tochter Cornelia (von links), Enkel Josua und Christine Friedrich vom Hotel- und Gaststättenverband.

Die gebürtige Birkenauerin Ilse Gassen kann sich seit dem 20. Oktober 2024 in die Riege der Hundertjährigen einreihen.

Mit ihrer gepflegten Erscheinung und dem schicken Outfit erinnert sie noch immer an die Geschäftsfrau, die sie 20 Jahre lang verkörperte. Wenn man sie fragt, ob es ein Rezept gibt, vor allem geistig so fit zu bleiben, so antwortet sie: „Arbeit und nochmals Arbeit.“ Das ist auch heute noch ihre Devise, wenn sie, trotz Rollator, im Hotel „Drei Birken“, das sie zusammen mit ihrer Tochter Cornelia bis 2004 leitete, das Frühstücksgeschirr abräumt.

Neben der Arbeit hat Ilse Gassen noch ein Lebensmotto: „Jeden Tag bewusst leben und nicht zurückblicken.“ Und doch schlug Sohn Karl, vielen bekannt als Küchenchef und Besitzer des ehemaligen Restaurants „Drei Birken“, das er zusammen mit seiner Frau Christine führte, einen Rückblick in das lange Leben seiner Mutter vor.

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„Es war Liebe auf den ersten Blick“

Ilse Gassen wurde am 20. Oktober 1924 als zweites Kind von Karl und Katharina Emich in Birkenau geboren. Nach dem Schulabschluss war es für sie selbstverständlich, in der elterlichen Bäckerei mitzuarbeiten, daneben war sie eine leidenschaftliche Turnerin. Eines Tages traf sie den jungen Ingenieur Fritz Gassen, der bei ihren Eltern ein Zimmer mietete. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt sie heute. 1950 schloss sie mit Fritz den Bund der Ehe, im gleichen Jahr wurde Sohn Karl geboren.

Dazwischen lag der Krieg, von dem Birkenau zwar weitgehend verschont blieb, die Ausläufer waren jedoch spürbar. „Oft sah man den Lichtschein der brennenden Häuser in Mannheim“, erzählt die Jubilarin. Sie erinnert sich auch an die „Kristallnacht“ und daran, dass ihre jüdische Freundin, Ilse Lippmann, mit ihren Eltern in die USA floh.

1956 hatte ihr Mann die Idee, in Birkenau ein Gasthaus mit Kegelbahn, Schwimmbad und Fremdenzimmer zu bauen. Der Name „Drei Birken“ ergab sich aus dem Baumbestand des Grundstückes.

1984 starb ihr geliebter Fritz ganz plötzlich. Ilse Gassen zögerte nicht, das Hotel zusammen mit ihrer 1960 geborenen Tochter, einer gelernten Hotelfachfrau, zu übernehmen. Obwohl die Jubilarin den Betrieb längst ihrer Tochter Cornelia übergeben hat, fällt ihr das Nichtstun schwer. Nach zwei Schlaganfällen und einem Halswirbelbruch hat sie sich aus dem Rollstuhl herausgekämpft. Dazu sagt die Hundertjährige: „Nicht das Ausruhen hält mich am Leben, sondern das Gefühl, noch ein wenig gebraucht zu werden.“