Bürgermeisterwahl Abtsteinach: Drei Fragen an die Kandidaten
Am 10. November wird in Abtsteinach ein neuer Bürgermeister gewählt. WNOZ hat den beiden Kandidaten auf den Zahn gefühlt.
In Abtsteinach steigt langsam die Spannung, schließlich steht am Sonntag, 10. November, die Neuwahl des Bürgermeisters auf dem Programm. Nachdem die bisherige Amtsinhaberin Angelika Beckenbach als Erste Kreisbeigeordnete ins Heppenheimer Landratsamt gewechselt ist, ist die Chefstelle unbesetzt. Dabei können die Bürger zwischen den unabhängigen Kandidaten Karin Klemmer und Sven Bassauer entscheiden.
WNOZ begleitet in den verbleibenden Wochen bis zum Wahltermin den Bürgermeisterwahlkampf, um den Bürgern die beiden Bewerber vorzustellen und ihnen eine Entscheidungshilfe zu geben. Zum Auftakt unserer Wahlkampfberichterstattung haben wir den beiden Kandidaten drei Fragen zu Themen, die die drei Ortsteile betreffen, aber auch für die ganze Gemeinde von Relevanz sind, und sie gebeten, diese in einem vereinbarten Umfang zu beantworten. Die Stellungnahmen veröffentlichen wir im Wortlaut.
Nachdem sich vor einigen Jahren die Freiwillige Feuerwehr in Mackenheim aufgelöst hat, ist es sehr ruhig geworden in dem kleinsten Ortsteil der Gemeinde. Welche Ideen haben Sie, um das öffentliche Leben dort wiederzubeleben und attraktiver zu gestalten?
Karin Klemmer: Der Ortsteil Mackenheim ist mit rund 160 Einwohnern sehr klein. Daher ist es schwer, Ideen für Initiativen, die eine Vereinsinfrastruktur benötigen, umzusetzen. Es gab in der Vergangenheit die Freiwillige Feuerwehr Mackenheim und den Feuerwehrverein, aus dem einige Aktivitäten entstanden sind, wie zum Beispiel die Theatergruppe. Diese hat den Ortsteil über Jahre belebt. Solche Vereinsaktivitäten wären wünschenswert. Dahin gehende Initiativen werde ich unterstützen. Viele Mackenheimer Bürgerinnen und Bürger sind im Übrigen in den Vereinen aller Abtsteinacher Ortsteile engagiert.
Sven Bassauer: Bei meinem Dorfrundgang am Samstag hatte ich die Gelegenheit, mit einigen Bürgerinnen und Bürgern aus Mackenheim über ihre Anliegen zu sprechen. Viele vermissen einen zentralen Treffpunkt im Ort, da es keine ausgeprägte Dorfmitte gibt. Zudem wurde oft der Wunsch nach einer besseren Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr geäußert, um leichter mit den umliegenden Gemeinden verbunden zu sein.
Als neuer Bürgermeister ist es mir ein Anliegen, das Gemeinschaftsleben in Mackenheim wiederzubeleben. Es wäre schön, wenn regelmäßige Aktivitäten, wie ein Stammtisch oder eine organisierte Nachbarschaftshilfe, ins Leben gerufen werden könnten. Diese könnten sich von Einkaufshilfen und Mitfahrgelegenheiten bis hin zu Dorffesten, Grillabenden oder gemeinsamen Projekten erstrecken. Auch ohne formelle Vereine könnten sich kleinere, informelle Gruppen zusammenfinden, die sich für gemeinsame Interessen engagieren. Dazu fallen mir z. B. eine Wandergruppe, ein gemeinschaftlicher Garten oder eine Kulturgruppe für Musik oder Kunst ein.
Um Mackenheim auch für jüngere Menschen attraktiver zu gestalten, ist der Ausbau der digitalen Infrastruktur entscheidend. Eine weitere Idee ist die Förderung von „sanftem Tourismus“ und die Vermarktung regionaler Produkte, um das Potenzial der Region besser zu nutzen. Damit solche Vorhaben erfolgreich umgesetzt werden können, ist es jedoch wichtig, dass sich die Bürgerinnen und Bürger aktiv einbringen und ehrenamtlich unterstützen. Ich stehe als neuer Bürgermeister gerne zur Verfügung und werde stets ein offenes Ohr für die Anliegen der Mackenheimerinnen und Mackenheimer haben. Nur gemeinsam können wir es schaffen, den kleinsten Ortsteil wiederzubeleben.
Die politische Gemeinde hat den ehemaligen katholischen Kindergarten von der Pfarrgemeinde übernommen, doch die Räumlichkeiten dort reichen inzwischen längst nicht mehr aus. Nun wird geprüft, ob ein Neubau oder eine Sanierung und Erweiterung erfolgen sollen. Welche Variante würden Sie bevorzugen?
Karin Klemmer: Die Gemeinde Abtsteinach hat das Gebäude des ehemaligen katholischen Kindergartens angemietet und ist erst seit kurzem Betreiber des Kindergartens „Stoanischer Abenteuerland“. Durch den Bau des Waldkindergartens und weitere Außengruppen wurde erfreulicherweise für alle Kinder einen Betreuungsplatz geschaffen. Die Unterbringung an mehreren Standorten hat sich meines Erachtens bewährt. In Gesprächen mit den Eltern und Mitarbeiterinnen wurde dies auch positiv bestätigt. Ich gehe davon aus, dass der Erhalt des vorhanden Kindergartengebäudes wesentlich kostengünstiger ist als der projektierte Neubau, der mit Kosten von sieben bis acht Millionen Euro veranschlagt wurde. Ich unterstütze die Bemühungen, den Kindergarten in der Dorfmitte zu erhalten.
Sven Bassauer: Bei der Entscheidung, ob ein Neubau oder eine Sanierung und Erweiterung des ehemaligen katholischen Kindergartens erfolgen soll, geht es nicht darum, welche Variante ich als neuer Bürgermeister bevorzugen würde. Wir sollten nicht nur die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde im Blick haben, sondern auch sicherstellen, dass die Belange der Kinder und des Personals an erster Stelle stehen. Eine Sanierung mit Erweiterung erscheint zunächst als die kostengünstigere Variante. Wir könnten das Bestehende erhalten und gleichzeitig an die wachsenden Anforderungen anpassen. Zudem könnte durch die Sanierung ein Stück Geschichte und Identität der Gemeinde erhalten bleiben, was für viele Bürger von emotionalem Wert ist.
Jedoch sollten wir bedenken, dass Sanierungen auf lange Sicht höhere Instandhaltungskosten mit sich bringen können. Wenn das bestehende Gebäude nicht den modernen pädagogischen Anforderungen genügt oder eine Erweiterung zu viele Kompromisse erfordert, wäre ein Neubau eine Überlegung wert. Dieser könnte nicht nur langfristig kosteneffizienter sein, sondern auch eine Umgebung schaffen, die optimal auf die Entwicklung und das Wohlbefinden unserer Kinder ausgerichtet ist. Am Ende sollten wir gemeinsam mit den Gremien abwägen, welche Lösung für unsere Gemeinde finanziell tragbar ist und den zukünftigen Anforderungen gerecht wird. Wichtig ist mir, dass wir eine Entscheidung treffen, die nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig Sinn macht. In jedem Fall sollte die Entscheidung auf einer gründlichen Analyse der Kosten sowie der langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen basieren, ohne dabei die Zukunft unserer Kinder aus den Augen zu verlieren.
Der Streit um die Alla-hopp-Anlage in Unter-Abtsteinach beschäftigt nun schon seit Jahren die Gemeindeverwaltung, die gemeindlichen Gremien und die Gerichte – und natürlich auch die Bürger. Was werden Sie im Falle Ihrer Wahl unternehmen, um hier zu einer langfristigen Lösung kommen zu können?
Karin Klemmer: Da der Streit um die Alla-hopp-Anlage immer noch Gegenstand einer gerichtlichen Auseinandersetzung ist, wären Lösungsvorschläge für die künftige Nutzung spekulativ und nicht zielführend. Für mich wünschenswert wäre in der Zukunft eine konsensfähige Nutzungsmöglichkeit der Alla-hopp-Anlage.
Sven Bassauer: Der Konflikt um die Alla-hopp-Anlage in Unter-Abtsteinach spaltet seit Jahren die Gemeinde. Während viele Bürger die Anlage als wertvollen Freizeitort nutzen, gibt es Anwohner, die über die Lärmbelästigung klagen. Die Frage, wie dieser Streit beigelegt werden kann, wird die Gemeinde, die Verwaltung, aber vor allem die Gerichte auch in Zukunft beschäftigen. Die Gemeindevertretung hat sich bereits mit einem Vergleichsvorschlag beschäftigt. Die Gemeinde sollte alles daran setzen, mit den Klägern einen guten Kompromiss für alle zu finden. Doch eines muss allen klar sein: Eine gütliche Einigung ist ohne die Mitwirkung der Kläger nicht möglich.
Als neuer Bürgermeister wäre es mein Wunsch, diesen Streit zeitnah und für alle Beteiligten beilegen zu können. Selbstverständlich stehe ich für persönliche Gespräche immer zur Verfügung. Als jemand, der aus Walldorf stammt und Herrn Hopp sowie seine zahlreichen Wohltätigkeitsprojekte in der Region Rhein-Neckar gut kennt, würde ich es besonders bedauern, wenn die Anlage geschlossen werden müsste. Dies wäre vor allem ein großer Verlust für unsere Kinder, die die Alla-hopp-Anlage als wertvollen Ort der Bewegung, des Spiels und der Begegnung nutzen. Sollte kein Kompromiss erreicht werden, müssen am Ende die Gerichte entscheiden – was eine Schließung der Anlage zur Folge haben könnte. Mein Ziel bleibt es, eine Lösung zu finden, die den Bedürfnissen der Anwohner und der gesamten Gemeinde gerecht wird.