Fürth

Das hat Fürth mit Wein aus Frankreich zu tun

Die Ausmaße und die Bedeutung der Metropolregion Rhein-Neckar sind vielen nicht bewusst. Eine Ausstellung in Fürth klärt auf.

Fürths Bürgermeister Volker Oehlenschläger sorgt schon mal für eine ausgewogenere Verteilung der grünen Punkte auf der Karte der Metropolregion Rhein-Neckar. Foto: Marco Schilling
Fürths Bürgermeister Volker Oehlenschläger sorgt schon mal für eine ausgewogenere Verteilung der grünen Punkte auf der Karte der Metropolregion Rhein-Neckar.

Sie beherbergt ein Viertel der Weinlagen der ganzen Bundesrepublik, die sich teilweise bis über die Grenze zu Frankreich hinaus erstrecken, und in ihren Städten und Gemeinden sind im Schnitt doppelt so viele Menschen ehrenamtlich engagiert als im Rest von Deutschland. Die Rede ist von der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN), zu der auch das Weschnitztal und der Überwald zählen. Und das sind nur zwei Beispiele für die räumliche Ausdehnung und inhaltliche Stärke dieser "Allianz starker Partner", wie es auf deren Homepage heißt. Dennoch: Für viele Menschen ist das Konstrukt Metropolregion etwas Abstraktes, mit dem sie keine konkreten Bezüge verbinden. Die Ausstellung "Stadt, Land, Heimat" der MRN soll das ändern. Sie ist bis Ende Oktober in den Fürther Räumen der Sparkasse Starkenburg zu sehen. Eine Premiere für den hessischen Teil der Metropolregion.

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Wie groß ist die Metropolregion Rhein-Neckar?

Auf ihrer Homepage gibt die MRN Auskunft: "Die Metropolregion Rhein-Neckar liegt im Schnittpunkt der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz und erstreckt sich vom Pfälzerwald im Westen bis zum Odenwald und dem Kraichgau im Osten sowie von der französischen Grenze im Südwesten bis ins hessischen Ried im Norden. Mit sieben Landkreisen und acht kreisfreien Städten zählen insgesamt 290 Kommunen zur Region. Die größten Städte sind Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg. Neben diesen drei Oberzentren liegen über die Region verteilt 30 Mittelzentren. Auf einer Fläche von rund 5600 Quadratkilometern leben circa 2,4 Millionen Menschen." Interessant aus regionaler Sicht ist, dass der Odenwaldkreis nicht zur Metropolregion gehört. MRN-Geschäftsführer Ralph Schlusche erklärt dies mit historischen Entwicklungen. Das Gebiet der MRN ist weitgehend identisch mit dem Kernbereich der historischen Kurpfalz. Das auf dem Staatsvertrag von 1969 basierende Konstrukt MRN firmiert seit 2005 als eine von elf Europäischen Metropolregionen in der Bundesrepublik.

Was ist in der Ausstellung zu sehen?

Die Ausstellung „Stand, Land, Heimat – unsere Metropolregion Rhein-Neckar“ umfasst drei Themenbereiche: fortschrittlich, engagiert und lebenswert. Zu den Punkten "engagiert" und "lebenswert" zählen die eingangs genannten Beispiele. "Fortschrittlich" beschreibt die Innovationen, die von dieser Region ausgehen. Und zwar aktuell und in der Vergangenheit. Bei der Eröffnung der Ausstellung in Fürth zählte Schlusche einige Beispiele dafür auf, was die Welt dem Rhein-Neckar-Gebiet verdankt: das Auto, den Traktor, das Fahrrad – aber auch das Spaghetti-Eis. Abgebildet werden zudem die kulturelle und landschaftliche Vielfalt der Metropolregion. "Jedes einzelne Gebiet trägt einen Teil dazu bei", sagte der Fürther Bürgermeister Volker Oehlenschläger dazu. Der Odenwald steche etwa als "Aktivregion" hervor. Beispielhaft nannte er die Wanderstrecken und Mountainbikerouten.

Die Ausstellung beinhaltet mehrere Bereiche und auch interaktive Sektionen. Foto: Marco Schilling
Die Ausstellung beinhaltet mehrere Bereiche und auch interaktive Sektionen.

Gibt es interaktive Bestandteile?

Ja. Auf einer großen Karte der Metropolregion können die Betrachter der Ausstellung mit grünen Punkten ihren Lieblingsplatz markieren. Noch dominieren dabei die Ballungszentren. Das mag damit zusammenhängen, dass die 2020 konzipierte – und dann erst einmal von Corona gestoppte – Wanderausstellung bislang vorwiegend dort zu sehen war. Fürths Bürgermeister Volker Oehlenschläger startete mit seinem "grünen Punkt" die "Aufholjagd" des Odenwaldes. Ein zweiter interaktiver Bereich befindet sich im Themenfeld "Ehrenamt". Dort können die Besucher durch die Zuordnung von Tischtennisbällen zum Ausdruck bringen, welche Art des Engagements sie für sich persönlich bevorzugen.

Welche Intention steckt hinter "Stadt, Land, Heimat"?

"Der Gedanke Metropolregion soll in die Fläche getragen werden", erklärte Oehlenschläger und erntete dafür Zustimmung von Ralph Schlusche. Will heißen: Aus dem abstrakten Konstrukt soll für die Menschen etwas Greifbares werden, mit dem sie sich auch ein Stück weit identifizieren können. Deshalb wurde als Ausstellungsort auch die Sparkassenfiliale mit ihrem regen Publikumsverkehr gewählt. Auf Anfrage der Gemeinde habe man gerne zugesagt, erklärte die Leiterin der Fürther Filiale der Sparkasse Starkenburg, Monika Nicklas: "Es gibt in der Ausstellung sehr viele interessante Dinge zu sehen und zu erfahren, die nicht jeder weiß." Die organisatorischen Fäden im Rathaus liefen bei Miriam Unger zusammen.

MRN-Geschäftsführer Ralph Schlusche (rechts) war zur Eröffnung nach Fürth gekommen. Foto: Marco Schilling
MRN-Geschäftsführer Ralph Schlusche (rechts) war zur Eröffnung nach Fürth gekommen.

Welchen praktischen Nutzen haben die Kommunen von der MRN?

Der Fürther Bürgermeister kann ein konkretes Beispiel nennen: Im Rahmen des Programm "Raum+" der Metropolregion, das auf Innenentwicklungs- und Reaktivierungspotenziale in den Gemeinden zielt, ist die Neustrukturierung des Bereiches Bahnhofstraße/In den Betten erfolgt. Eine innerörtliche Nachverdichtung mit klar definierten Bereichen für Wohnen, Gesundheit und Handel. Übergeordnet geht es auch um die Schaffung von Synergien – jeder Teil der Metropolregion soll von den Erfahrungen und Innovationen der anderen profitieren. "Jeder macht mit seinen Stärken die Region noch besser", formulierte es Schlusche.

Wie ist die MRN organisiert?

Die MRN fußt auf drei Säulen: Der Verband ist demokratisch legitimiert und ist Ort der politischen Willensbildung in der Metropolregion. Der Verein Zukunft Metropolregion Rhein-Neckar wurde 1989 als Rhein-Neckar-Dreieck gegründet, um der Region beim Aufbau einer eigenen Identität und beim Nutzen ihrer Potenziale zu helfen. Beide sind Gründer und Hauptgesellschaft der MRN GmbH, durch die der „Schulterschluss“ mit regionalen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung geschaffen wurde.

Wie lange und wann kann die Ausstellung besichtigt werden?

Die Ausstellung ist bis zum 26. Oktober während der Öffnungszeiten der Sparkasse Starkenburg in Fürth zu sehen.