Bürgerstiftung Birkenau: QR-Codes, Leseprogramm und vieles mehr
Seit 2018 fördert die Bürgerstiftung Birkenau bürgerliches Engagement und ist in vielen Birkenauer Projekten involviert. Wie sie funktioniert und wie man sich beteiligen kann.
Ob Theaterworkshop, Vortragsabende oder Jugendcamp – all diese Angebote sind fester Bestandteil im Jahreskalender der Gemeinde Birkenau. Und in jedem von diesen Programmpunkten – und in noch vielen weiteren – ist die Bürgerstiftung Birkenau involviert. Diese hat es sich zum Ziel gesetzt, bürgerliches Engagement zu stärken und Projekte direkt vor Ort zu fördern.
Doch in wie vielen Projekten steckt die Bürgerstiftung eigentlich mit drin? In mehr als man denkt. Und wenn es nach den Aktiven im Stiftungsrat geht, dann kann sich die Anzahl der Stifter gerne vergrößern, denn: „Ohne sie geht es nicht“, sagt Franz Stevens, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrats. Seit dem Gründungsjahr 2018 ist viel passiert. Grund genug, um zurückzublicken auf bereits verwirklichte Projekte, und voraus auf das, was noch vertieft werden soll.
Was ist eine Bürgerstiftung?
Es handelt sich um eine Stiftung von Bürgern für Bürger. Sie wirkt vor Ort und möchte mit ihrem breiten Satzungszweck als unabhängige Organisation das bürgerschaftliche Engagement stärken.
Ziel ist es, aus kleinen Beträgen der Bürger ein Stiftungskapital zu generieren. Aus den Erträgen der Einlage werden Projekte für Birkenau finanziert.
Der Ordner, der eine Übersicht über die Projekte der Bürgerstiftung zeigt, ist gut gefüllt. „Es konnte seit dem Gründungsjahr schon viel realisiert werden“, sagt Dr. Bernhard Föllmer, Vorsitzender des Stiftungsrats, an diesem Augustmorgen im Alten Rathaus. Er und Stevens sprechen mit der Redaktion über die vergangenen Jahre. Doch die Überlegungen in Richtung Projektförderung reichen noch viel weiter zurück, wie Stevens erklärt.
Ruhebänke und QR-Code-Tafeln
Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Erarbeitung des Integrierten kommunalen Entwicklungskonzepts (IKEK) sei unter anderem der Wunsch geäußert worden, dass man eine konstante Förderungsmöglichkeit brauche, erinnert sich Stevens. Stefan Potsch und der inzwischen verstorbene Hans-Dieter Scheuermann hatten sich seinerzeit dem Thema schließlich angenommen und viel über Verwaltung und Organisation recherchiert bis die Bürgerstiftung Birkenau im März 2018 schließlich gegründet wurde.
Und auch bei dem ersten Projekt, das die Stiftung realisierte, wurde eine Anregung aus IKEK berücksichtigt: Das Aufstellen von Ruhebänken wurde gefördert – mittlerweile gibt es neun dieser Bänke, wie Stevens erklärt. Auch Tafeln mit QR-Codes an bedeutenden Häusern und Objekten in Birkenau, die mehr über die Historie an ebendiesen Stellen erzählen, wurden als Initiative der Stiftung realisiert. Mittlerweile gibt es 20 dieser Schilder. An QR-Code-Tafeln für die Ortsteile Hornbach und Löhrbach wird derzeit gearbeitet.
Bildung und Erziehung
„Bei all den geförderten Projekten geht es vor allem auch um die Zukunft“, sagt Stevens und verweist auf das Logo der Bürgerstiftung, das drei verschieden große Hände zeigt: Die große Hand stehe für die Kapitalgeber und Stifter, die mittlere symbolisiere die Gruppe, die aktiv anpackt und engagiert ist, und die kleine Hand steht für die Kinder der Gemeinde, die auch in Zukunft von den Projekten profitieren sollen.
Die Bürgerstiftung Birkenau
Die Bürgerstiftung Birkenau wurde im Jahr 2018 gegründet. Sie dient dem Gemeinwohl und fördert bürgerschaftliches Engagement in Birkenau und seinen Ortsteilen.
Die Bürgerstiftung zählt 43 Stifter, die gleichzeitig Mitglieder des Stifterforums sind, das einmal im Jahr tagt. Das Forum wählt unter anderem die Mitglieder des Stiftungsrats.
Der Stiftungsrat besteht aus Dr. Bernhard Föllmer, Vorsitzender, Franz Stevens, stellvertretender Vorsitzender, Friedrich Wilhelm Brendel, Astrid Damer, Lars Bakker und Beatrice Berbner. Die treuhänderische Verwaltung obliegt Stefan Potsch.
Zu den Gründungsmitgliedern zählt auch der ehemalige Stiftungsratsvorsitzende Hans-Dieter Scheuermann, der im Jahr 2022 gestorben ist.
Kontakt: Telefon 06201/33497, E-Mail-Adresse info@buergerstiftung-birkenau.de
Mehr Informationen gibt es unter www.buergerstiftung-birkenau.de
Und gerade für letztere Gruppe hat die Stiftung schon viel verwirklicht, denn „Bildung und Erziehung sind zentrale Themen“, erklärt Föllmer. Es sei wie in dem Sprichwort: „Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf.“ Mit diesem Gedanken im Blick werden seit 2019 „Die Leselernhelfer“, ein Projekt des Vereins Mentor Hessen, gefördert. Dabei begleiten 20 Mentoren einmal wöchentlich mit 1:1-Förderung Kinder in der örtlichen Grundschule beim Lesen. Wer Interesse hat, nach den Sommerferien als Leselernhelfer einzusteigen, wird gebeten, sich bis Ende des Monats mit der Bürgerstiftung in Verbindung zu setzen.
"Interesse an Geschichten bereits im Vorschulalter wecken"
„Genauso wichtig ist es aber auch, das Interesse an Geschichten bereits im Vorschulalter zu wecken“, betont Föllmer. Daher richtet sich ein weiteres Förderprogramm an Kinder in Kindertagesstätten. Bereits in sechs Birkenauer Kitas ist „Lilo Lausch“ im Einsatz, eine Handpuppe, die auf Initiative der Stiftung Zuhören Geschichten erzählt und das Motto befolgt „Zuhören verbindet“.
„Bereits in diesem Alter geht es um Gemeinschaft und das Miteinander, wenn es beispielsweise um unterschiedliche Sprachen geht, die der Lebensrealität der Kinder entsprechen“, erklärt Föllmer. So steckt in den geförderten Projekten auch immer das Ziel der Integration und des Zusammenwachsens, und es geht letztendlich darum, das Wir-Gefühl nachhaltig zu stärken.
Zeltlager gefördert
Außerdem wurde das Zeltlager der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) gefördert, sodass ukrainische Kinder daran teilnehmen konnten und Freundschaften geschlossen wurden. Auch bei der Ukraine-Hilfe selbst half die Stiftung mit, dass Stromgeneratoren für soziale Einrichtungen in der Ukraine beschafft werden konnten. Und auch bei den Ferienspielen war die Stiftung einmal mehr am Werk, als sie den Theaterworkshop, den der Kulturverein angeboten hatte, förderte.
Vortragsreihe wird fortgesetzt
Im Sinne der Gemeinschaft ist die Stiftung weiter aktiv: „Das ganze Dorf muss auch dabei mithelfen, dass Senioren im Alter im Ort bleiben können“, sagt Stevens und verweist auf die Ratgeber-Vortragsreihe, die im Oktober 2023 startete und sehr gut angenommen wird. Zweimal wurde zum Thema Testament referiert, einmal zur Vorsorge für den Notfall. Und ein weiterer Termin steht bereits fest: Am 14. Oktober, 19 Uhr, evangelisches Gemeindezentrum, referieren Dr. Andreas Marg und Marlies Brinkmann vom Förderverein Leben mit Demenz Weinheim darüber, wie man Demenz erkennen kann und Betroffene entsprechend betreut. Der Eintritt ist frei.
Finanzierung der Projekte
Wie werden die Projekte durch die Bürgerstiftung Birkenau finanziert? Das langfristig primäre Ziel ist es, dass die Projekte aus den Erträgen des Grundstocks finanziert werden, erklärt Stevens. Auch Spenden spielen eine Rolle, die Projektgebunden oder frei deklariert werden können. Nicht zu vergessen sind Drittmittel: „Hier nutzt die Bürgerstiftung das Netzwerk der Stiftungen und ihnen nahe stehenden Institutionen“, erklärt Stevens.
Was wird gefördert?
Gefördert werden lokale Vorhaben in den Bereichen Bildung und Erziehung, Kunst, Kultur- und Denkmalpflege, Brauchtums- und Heimatpflege, Umwelt- und Naturschutz, Wissenschaft und Forschung, Jugend- und Altenhilfe, Sport und Gesundheitsfürsorge sowie internationaler Gesinnung und Völkerverständigung. „Es geht auch um kleine Anfänge, jede Idee ist willkommen“, sagt Stevens. Die Bürgerstiftung fördert jedoch keine Pflichtaufgaben der Kommune.
Wie kann man sich beteiligen?
Wer sich als Stifter beteiligen möchte oder Projektvorschläge hat, kann sich über die Homepage der Stiftung mit den Verantwortlichen in Verbindung setzen. Und in der Zwischenzeit ist man alles andere als untätig, denn die Projekte gehen weiter und Pläne gibt es viele: Unter anderem ist im Jahr 2025 ein Neujahrsempfang für die Stifter geplant. Zuvor möchte man wieder auf dem Weihnachtsmarkt auf sich aufmerksam machen. Und ein Ziel bis Ende 2025 steht bereits fest: Gerne möchte man die Anzahl der Stifter verdoppeln, denn: „Ohne sie geht es nicht.“