Mörlenbach

So modern plant Sabine Knapp das Jubiläum der "Einheit" Mörlenbach

Der Gesangverein „Einheit" Mörlenbach wird 100 Jahre alt und veranstaltet am Samstag, 4. November, ein Konzert mit vielen befreundeten Vereinen.

Vereinsvorsitzende Sabine Knapp spricht mit der OZ über das Jubiläum des Gesangvereins „Einheit“ Mörlenbach. Foto: Marco Schilling
Vereinsvorsitzende Sabine Knapp spricht mit der OZ über das Jubiläum des Gesangvereins „Einheit“ Mörlenbach.

„Blame It On The Boogie“ – mit diesem Hit machten 1978 die „Jackson Five“ Furore; das Gute- Laune-Stück ist nicht nur Teil des neuen Programms „Funk And Soul“, das der Mörlenbacher Pop-Chor „Canta con me“ derzeit mit seinem Dirigenten Peter Schnur einstudiert, sondern es gehört auch zum Jubiläumsprogramm. Denn die „Einheit“, zu der das Ensemble gehört, wird in diesem Jahr 100 und feiert den runden Geburtstag mit einem musikalischen Abend, der das abgelaufene Jahrhundert abbildet. „Canta con me“ singen aus der Schlaghosen-Ära auch noch „Isn’t She Lovely“, 1976 von Stevie Wonder geschrieben und wie der andere Song pures Wohlgefühl.

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Jüngstes Kind im Verein

Der Pop-Chor ist das jüngste Kind der Sängervereinigung, aus deren Reihen schon die unterschiedlichsten Formationen hervorgingen. „Wir wurden nach dem 75-jährigen Jubiläum gegründet“, erklärt Vorsitzende Sabine Knapp, die seit den Anfängen von „Canta con me“ 2002 dabei ist. Sie erinnert sich, dass die „Einheit“ beim Kerwe-Umzug mitmachte und Flugblätter verteilte.

Darauf sei für einen Jazz-/Pop-/Gospelchor geworben worden. Sie folgte der Einladung zu einem ersten Kennenlernen; etwa 15 Menschen in ihrem Alter kamen, alle junge Eltern mit kleinen Kindern, alle eine Generation und geschmacklich auf einer Wellenlänge. So sei die Einigung auf einen Stil nicht schwergefallen, sagt sie: „Jazz war raus, das hat uns nicht so begeistert, und Gospelchöre gab es schon so viele in der Umgebung.“ Also Pop.

„Damals alles purer Ernst“

Dirigent wurde Alexander Link, später folgte ihm Schnur. Schon bald trat der Pop-Chor auf, das erste große Konzert fand ein Jahr nach der Gründung im Bürgerhaus statt, und seither gehören die jährlichen Auftritte im Spätjahr zum Programm der Sänger, deren Zahl mit den Jahren auf 30 anwuchs.

Sie machen heute vieles anders als ihre Vorgänger in den vergangenen Jahrzehnten; da ist nicht nur die Literatur, die alles andere als verstaubt und altbacken ist. Immer gibt es ein Motto, mal geht es um die Beatles oder Genesis, mal um Woodstock oder eine Hommage an „Queen“. Auch das Jubiläum als solches wird heute anders aufgezogen, als das in früheren Jahren der Fall war. „Das war damals alles purer Ernst“, bemerkt Knapp, die sagt, dass man das Jubiläum auch heute noch sorgfältig plane, aber eben nicht mit einem Zeremoniell, wie es früher üblich war. Vielmehr geht es der heutigen Sängergeneration darum, zu zeigen, „dass Singen Spaß macht“ – ohne ein Korsett aus Strukturen und Regelungen. Weshalb es keinen Festkommers, keine Schirmherrschaft und kein Wertungssingen geben soll. Überhaupt die Jagd nach Pokalen: Früher habe man das gemacht, doch steht für Knapp und ihre Mitstreiter eher die Gemeinschaft im Vordergrund. Doch auch die Traditionen werden gepflegt, und Volkslieder werden noch gesungen. Und zwar im Singkreis „Stimme der Heimat“, der sich regelmäßig trifft. Auch dieses Ensemble ist der Beweis dafür, dass manches anders läuft in der „Einheit“.

„Stimme der Heimat“

Denn als der gemischte Chor wegen Todesfällen oder aus Altersgründen nicht mehr singfähig war, wurde nicht mit einer Auflösung reagiert, sondern mit der Idee, in zwangloser Form und bei Treffen alle 14 Tage weiterzumachen – die Resonanz gibt den Sängern recht, denn derzeit gibt es gut 20 Mitglieder. Unter Leitung von Franz Herb wird gesungen, und auch bei der Kerwe-Eröffnung ist die „Stimme der Heimat“ zu hören.

Sie steht für die Tradition, regelmäßig werden Mitglieder geehrt; einige gehörten zu den 39 Sängern, die beim Jubiläum vor einem halben Jahrhundert schon sangen: Wolfgang Dölp, Peter Stadtler, Helmut Bartmann und Hans Hellak sind der „Einheit“ seit vielen Jahren treu. Immer wieder gab es Veränderungen im Repertoire, von denen alte Programmzettel Zeugnis ablegen; sang der Chor am Ostermontag 1939 „In einem kühlen Grunde“ von Friedrich Silcher und „Glockennacht am Rhein“ von Carl Bartosch, bei dem es sich vermutlich um ein Soldatenlied handelte. Beim Liederabend 1951 hatten die Herren einen „Sängergruß“ von Mozart einstudiert und „Beim Kronewirt“ von K. H. Schilling, während 1969 unter anderem die „Schiwago-Melodie“ von Hellmut Jordan auf dem Programm stand, vermutlich ein Zugeständnis an den Film-Hit von 1965.

Und auch die Schwerpunkte bei den Feierlichkeiten verschoben sich: Vor 50 Jahren gab es Fahnenweihe, Festkommers, Punktwertungssingen und einen Festzug, dem die Preisverleihung an die Sieger des Wettbewerbs folgte. Abgerundet wurde das alles 1973 mit einem bunten Abend im Festzelt, bei dem sich die Besucher auf Größen wie Lotti Krekel freuen durften: „Stimmung, Fröhlichkeit und Humor aus Köln“, war unter dem Namen des Stargastes zu lesen. Nahezu vergessen sind zwei weitere Gäste dieses Abends, „Madlen & Reginald“, deren Akkordeonmusik mit den Worten „Stimmung von der Waterkant bis Windstärke zwölf“ angekündigt wurde.

Zeitgemäße Form

Knapp stellt den Ablauf des jetzigen Jubiläumsabends vor, der in zeitgemäßer Form daherkommt: Zehn Chöre, darunter die beiden „Einheit“-Ensembles, machen mit; jeder hat Musik aus einem der zehn Jahrzehnte mitgebracht, angefangen mit dem Comedian-Harmonists-Klassiker vom „Kleinen grünen Kaktus“, den der Kleine Chor Bonsweiher vorträgt. Die Moderation übernimmt Roland Junghans, besser bekannt als „Blasser Bertram“. Und damit auch alles gut zu hören ist, gönnt sich die „Einheit“ an diesem Abend eine professionelle Tontechnik.

„Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers“, zitiert die Vorsitzende einen bekannten Satz. Und denkt dabei an die Zukunft. Ob jüngere Leute zu „Canta con me“ kommen wollen? Oder ob man auch für ihre Generation einen neuen Chor gründen soll? Die Sänger können sich beides vorstellen, sind für Neues offen. Und freuen sich nun erst einmal auf ihr großes Fest.

  • Der Jubiläumsabend findet statt am Samstag, 4. November, ab 17 Uhr im Bürgerhaus Mörlenbach.