Unter-Schönmattenwag

Die historischen Fresken von Unter-Schönmattenwag

In der katholischen Kirche "Johannes der Täufer" lohnt sich der Blick nach oben. Denn in der Sakristei zieren Malereien die Gewölbedecke. Von Heimatforscher Hans-Günther Morr.

Gotische Fresken zieren bis heute die Decke der Sakristei in der Kirche in Unter-Schönmattenwag. Foto: Fritz Kopetzky
Gotische Fresken zieren bis heute die Decke der Sakristei in der Kirche in Unter-Schönmattenwag.

Unter-Schönmattenwag. Wer die katholische Kirche „Johannes der Täufer“ in Unter-Schönmattenwag besucht, für den lohnt es sich, einmal nach oben zu schauen. Denn an der Decke der historischen Sakristei befinden sich kunstvolle spätgotische Fresken.

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Anfang der 1990er-Jahre kamen diese bei Reparaturarbeiten in der historischen Sakristei unter dem Putz in den Gewölbekappen des gotischen Kreuzgewölbes zum Vorschein. Es handelte sich um Darstellungen der vier lateinischen Kirchenväter und der vier Evangelistensymbole sowie um eine Verkündigung Mariens an der Wand über der Kirchentür.

Der unerwartete Fund war in zweierlei Hinsicht bedeutsam. Zum einen ist der Erhaltungszustand der über 500 Jahre alten Fresken als relativ gut zu bezeichnen. Zum anderen sind Gewölbemalereien in dieser ikonografischen Form sehr selten.

Auf alten Grundmauern errichtent

Die katholische Pfarrkirche „St. Johannes der Täufer“ in Unter-Schönmattenwag wurde in ihrer barocken Form bereits zwischen 1775 und 1780 errichtet. Sie wurde auf den Grundmauern eines früheren Gotteshauses, der sogenannten Liebfrauenkapelle, gebaut.

Diese Kapelle mit Wehrturm entstand in den Jahren 1406 bis 1434. Ihre Erbauer waren die Karmelitermönche, die von Hirschhorn aus das Kirchspiel Schönmattenwag mitverwalteten und auch für die Gottesdienste zuständig waren. Der gotische Unterbau des Kapellenturms blieb bei der barocken Umgestaltung erhalten und wurde als Sakristeianbau in das neue Kirchenschiff integriert.

Manche Heimatforscher halten den Turm wegen seiner starken Grundmauern für einen mittelalterlichen Wehrbau. Dies erscheint jedoch unwahrscheinlich, da die Lage an einem Berghang fortifikatorisch, also wehrtechnisch, ungünstig ist. Der Turmaufbau mit dem markanten Zwiebelturm stammt aus der Barockzeit und wurde vermutlich im Zuge des Kirchenumbaus um 1770 errichtet.

Bei Sanierung wiederentdeckt

Die Fresken in den gotischen Gewölbezwickeln können aus stilistischen Gründen nicht wie der Chorturm aus dem frühen 15. Jahrhundert stammen. Sie sind vielmehr dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts, dem Spätbarock, zuzuordnen.

Nachdem die Malereien in den 1990er-Jahren wiederentdeckt wurden, mussten im Rahmen der Sanierungsarbeiten zunächst die im Laufe der Jahrhunderte aufgebrachten Übertünchungen und unsachgemäßen Verputzarbeiten sorgfältig entfernt werden.

Schäden an den Malereien, die durch Elektro- und Wasserleitungen entstanden sind, können nicht behoben werden und müssen als Fehlstellen akzeptiert werden. Diese Fehlstellen wurden mit Kalkmörtel randgenau verputzt. Auch der Anstrich der Wände wurde mit reversiblen Schlämmen und Farben erneuert.

Kirchenväter und Evangelisten

Die vier Gewölbekappen im Inneren der Sakristei zeigen nach der Restaurierung die vier lateinischen Kirchenväter in Ganzfigur. Jeder von ihnen sitzt auf einem mit Arkaden geschmückten Thron und liest in einem Buch, das auf einem Pult vor ihm liegt. Jedem Kirchenvater ist als Gegenüber eines der vier Evangelistensymbole zugeordnet.

Hieronymus, erkennbar an seinem runden Kardinalshut, erscheint zusammen mit dem geflügelten Löwen, der auf den Evangelisten Markus verweist. Der Löwe ist zugleich auch das Tier, dem der Heilige der Legende nach einen Dorn aus der Pfote gezogen hat.

Ein weiteres Bild zeigt den heiligen Augustinus, Bischof von Hippo in Nordafrika. Vor seinem niedrigen Lesepult sieht man den Adler, das Symbol des Evangelisten Johannes. In seinen Fängen hält er ein Spruchband mit verblasster Inschrift.

Unten ist der heilige Gregor der Große zu sehen, der durch die Tiara auf seinem Kopf als einer der vier Kirchenväter zu erkennen ist. Trotz einer großen Fehlstelle ist im unteren Teil des Feldes noch der Sockel eines Lesepultes zu erkennen. Auf dem Bild ist ein Stier mit Flügeln zu sehen, das Symbol des Evangelisten Lukas, und das vierte Fresko zeigt den heiligen Ambrosius als Bischof von Mailand. Hier ist das Lesepult mit dem aufgeschlagenen Buch vollständig zu sehen. Es wird von einem Engel, dem Symbol des Evangelisten Matthäus, gestützt.

Verkündigung abgebildet

Das Fresko über der Tür zum Kirchenschiff zeigt Maria in der rechten Bildhälfte kniend vor einem Lesepult, auf dem ein aufgeschlagenes Buch liegt. Sie wendet sich frontal dem von links kommenden Erzengel Gabriel zu, der ihr beide Hände entgegenstreckt.

Der Schlussstein im Kreuzrippengewölbe der Sakristei zeigt ein Hirschgeweih in Form eines Wappens. Dieses Symbol wurde später als Wappen von Unter-Schönmattenwag übernommen.

Von Hans-Günther Morr