Konzert

In der Kirche von Fürth wird gesungen und getanzt

„The Original Golden Voices of Gospel“ verwandeln die katholische Kirche in Fürth für zwei Stunden in eine Baptistengemeinde.

Mit Lebensfreude, Energie und Dynamik füllten die „Original Golden Voices of Gospel“ am Donnerstag die katholische Kirche in Fürth. Foto: Fritz Kopetzky
Mit Lebensfreude, Energie und Dynamik füllten die „Original Golden Voices of Gospel“ am Donnerstag die katholische Kirche in Fürth.

„Ihr habt schöne Gotteshäuser in Deutschland“, sagte Reverend Dwight Robson aus St. Louis am Donnerstagabend in der ausverkauften Kirche St. Johannes der Täufer in Fürth, „aber in unseren Gottesdiensten ist mehr los“. Zu diesem Zeitpunkt hatte der kleine Mann mit dem großen Charisma zusammen mit seinen „Original Golden Voices of Gospel“ den sakralen Raum bereits in eine Baptistenkirche in Harlem verwandelt, in der das Evangelium groovend, singend und tanzend verkündet wurde und die Gemeinde jedes „Praise the Lord“ (Lobet den Herrn) mit einem zustimmenden „Hallelujah“ beantwortete.

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Reverend Dwight Robson, der mit dem großen Edwin Hawkins befreundet war, ist sozusagen ein Fachmann in Sachen Glauben, denn er leitet nicht nur die fernsehbekannten „Golden Voices of Gospel“, die schon für Stars wie Howard Carpendale, Helene Fischer und den legendären Michael Jackson den Background bildeten, er ist auch promovierter Theologe.

Zu Beginn hatte Jürgen Schüdde, Vorstandsvorsitzender der veranstaltenden Sparkassenstiftung Starkenburg, erfreut das große Auditorium begrüßt und von einem schönen, warmen Gefühl gesprochen, mit dem dieses großartige Gospel-Ensemble die etwas kalten Kirchenmauern anheizen werde. Damit versprach er nicht zu viel, denn kaum ein Konzertbesucher konnte bei mitreißenden Gospels wie „When The Saints Go Marching In“ oder „Go Tell It On The Mountain“ still auf seinem Platz verharren.

Wer sich also noch nicht mit einem Glühwein, den die katholische Jugend (KJG) Fürth vor der Kirche anbot, aufgeheizt hatte, den ließen die heißen Rhythmen der dreiköpfigen Liveband und die Tanzanimationen der Gospelsolisten jedes Kältegefühl vergessen.

Was die „Original Golden Voices of Gospel“ so besonders macht, sind ihre grandiosen Solisten. Gleich zu Beginn sorgte der junge Doug Carpenter mit seiner oktavenreichen Stimme, die vom glockenklaren Falsett bis zum warmen Bariton reicht, für die ersten Begeisterungsschreie. „I Will Sing Hallelujah“ tönte es vom Altar. „Yeah“ antwortete die Gemeinde.

Ja, es ging am Donnerstagabend recht emotional in der Fürther Pfarrkirche zu: Da fasste sich bei „Amazing Grace“ das Publikum an den Händen und stimmte als großer Chor sanft in den Song mit ein, was so harmonisch klang, dass dem Reverend die Tränen kamen. „Erhebe Deine Hände und Deinen Geist, higher and higher“, forderte Sänger Garrick mit eindringlicher Stimme und animierenden Tanzschritten auf, als der mitreißende Song „Shackles“ angestimmt wurde.

Da Weihnachten in der katholischen Kirche noch lange nicht vorbei ist, hieß es bei den „Golden Voices“, passend zur weihnachtlich geschmückten Kirche, „Christmas Carols of the World“, wobei das international gesungene „Silent Night“ nicht fehlen durfte. Für das gut gelaunte „Jingle Bells“ hatten die Veranstalter an den Plätzen kleine Silberglöckchen hinterlegt. Auch ohne Schnee entstand so das romantische Bild einer nächtlichen Schlittenfahrt.

„The Original Golden Voices of Gospel“ läuteten das letzte Wochenende des alten Jahres mit purer Lebensfreude, Energie und Dynamik ein. Es war Gospel fernab von Showelementen, dafür als Botschaft, die aus vollem Herzen und mit grandiosen Stimmen im Auftrag des Herrn zelebriert wurde. Kein anderer Schluss-Song als Edwin Hawkins berühmtes „Oh Happy Day“ hätte diese stimmungsvolle Feier des Souls, bei der man in einer katholischen Kirche schreien, klatschen und tanzen durfte, besser beschließen können.