Oberzent/Odenwald

Die Wildkatze ist zurück im Odenwald

Nach über 100 Jahren leben wieder Europäische Wildkatzen im hessischen Odenwald. Dem BUND gelingt erstmaliger Nachweis im Süden Hessens.

Wildkatze am Lockstock . Foto: Helmut Weller
Wildkatze am Lockstock .

Nach über 100 Jahren leben wieder Europäische Wildkatzen im hessischen Odenwald. Dies zeigen genetische Nachweise der streng geschützten Art, die der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Zusammenarbeit mit der Hegegemeinschaft Oberzent-Beerfelder Land und dem HessenForst Forstamt Beerfelden sammeln konnte. „Der Wildkatze auf die Spur gekommen sind wir mithilfe von Lockstöcken, die rund um Oberzent und Sensbachtal aufgestellt waren. Die genetische Untersuchung der Haare ergab eindeutig, dass sich mindestens fünf verschiedene Wildkatzen, alles Männchen, in der Region aufhalten“, freut sich Harald Hoppe, Sprecher des BUND Kreisverband Odenwald. Die Untersuchung wurde im Rahmen des BUND-Projekts „Wildkatzenwälder von morgen“ durchgeführt, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt gefördert wird.

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„Wir hatten sehr gehofft, dass die Wildkatze wieder in den hessischen Odenwald zurückgekehrt ist, nachdem es bereits Nachweise auf baden-württembergischer Seite gab. Es zeigt uns, dass die Schutzbemühungen für die Art Früchte tragen und der positive Bestandstrend in Hessen anhält“, erklärt Susanne Steib, Koordinatorin des Wildkatzenprojekts beim BUND Hessen. „Wir werden weiterhin gespannt beobachten, wie sich die Population im Odenwald entwickeln wird.“

"Das ist etwas sehr Besonderes"

Auch Tobias Kuhlmann von der Hegegemeinschaft freut sich über die Anwesenheit der scheuen Samtpfote: „Nach einigen Sichtungsmeldungen und Videoaufnahmen in den letzten paar Jahren, die vermutlich Wildkatzen zeigten, haben wir nun die Bestätigung über das Vorkommen der Art in unseren Revieren. Das ist etwas sehr Besonderes, steht die Art mit ihren hohen Lebensraumansprüchen doch stellvertretend für eine Vielzahl anderer Tierarten und zeigt uns, dass der Lebensraum intakt ist.“

Über die Wiederkehr der Wildkatze in den Odenwald freut sich auch Gudrun Kranhold vom Landesbetrieb HessenForst Forstamt Beerfelden: „Die Anwesenheit der Wildkatze ist ein Indikator dafür, dass die seit Jahrzehnten von HessenForst praktizierte naturnahe Waldbewirtschaftung und der behutsame Waldumbau zur Erhöhung der Habitatstrukturen und Biodiversität beiträgt.“

Der letzte Nachweis der Wildkatze im hessischen Odenwald geht auf das Jahr 1900 zurück. Eine intensive Bejagung und der Lebensraumschwund machten ihr das Leben schwer. Seit 1952 ist sie deutschlandweit gesetzlich geschützt und breitet sich seitdem auch in Hessen langsam wieder aus. Alle bisherigen Versuche, die Wildkatze im Odenwald nachzuweisen, schlugen fehl. Der aktuelle Nachweis kann daher eine große Wissenslücke hinsichtlich des Vorkommens der Wildkatze in Hessen schließen.