Historisches

Ein Stück fast vergessene Dorfgeschichte: Das Schwimmbad in Gadern

Wald-Michelbach: Heute ist von ihm nichts mehr zu sehen, doch einst war es eine Attraktion für die ganze Umgebung: das Gaderner Schwimmbad.

Die Geschichte dieser besonderen Badeanstalt verdient es, erzählt zu werden – von ihren mutigen Anfängen über ihre Blütezeit bis hin zu ihrem unvermeidlichen Ende. Foto: Sammlung Morr
Die Geschichte dieser besonderen Badeanstalt verdient es, erzählt zu werden – von ihren mutigen Anfängen über ihre Blütezeit bis hin zu ihrem unvermeidlichen Ende.

Gadern. Ein kleines Schwimmbad mitten im beschaulichen Gadern – kaum jemand würde heute vermuten, dass es hier einst einen Ort für Sommerfreuden gab. Doch dank des visionären Unternehmers Franz Emig entstand Anfang der 1930er Jahre eine Badeanstalt, die für viele Dorfbewohner zur beliebten Freizeitattraktion wurde. In einer Zeit wirtschaftlicher Unsicherheit setzte er mit viel Eigeninitiative ein Projekt um, das Generationen von Jugendlichen das Schwimmen beibrachte.

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Heute erinnert nichts mehr an das einstige Bad, das den Gadernern in heißen Sommern Abkühlung verschaffte. Doch die Geschichte dieser besonderen Badeanstalt verdient es, erzählt zu werden – von ihren mutigen Anfängen über ihre Blütezeit bis hin zu ihrem unvermeidlichen Ende.

Der Wald-Michelbacher Ortsteil Gadern liegt am Südhang des Berges Tromm und hat heute etwa 600 Einwohner. Entlang der von Süd nach Nord ziehenden Dorfstraße ist die Besiedlung entstanden. Die urkundliche Ersterwähnung fand im Jahre 1568 als Waldgeidenheim statt. Sehr wahrscheinlich geht der Name Gadern auf das althochdeutsche Wort „Gadero“, das Gatter – vermutlich ein umzäunter Bereich zur Nutzviehhaltung – zurück. Dass in der relativ kleinen Gemeinde einst eine Badeanstalt existierte, ist der Privatinitiative des Gastwirts Franz Emig zu verdanken.

Ein Schwimmbad für die Bürger

Emig war als Unternehmer sowohl als Gastwirt als auch als Schmiedemeister aktiv. Er hatte zur Zeit der Weltwirtschaftskrise den Mut, ein Schwimmbad für die Bürger zu bauen. Das dazu benötigte Grundstück lag unterhalb der Gaststätte im Wiesental und war im Besitz des Erbauers. Begonnen wurde mit den Erdarbeiten für das geplante Badebecken im Jahre 1930. In mühevoller Handarbeit wurden die Erdarbeiten ausgeführt. Der Erdaushub wurde als Liegefläche neben dem Bad ausgebreitet. Die Beckenumrandungsmauern und der Boden mit den Abmessungen 10 mal 10 mal 1,50 Meter wurden mit Steinen aus den nahen Sandsteinbrüchen aufgemauert. Das benötigte Badewasser wurde über ein Röhrensystem aus dem nahen Dorfbach zugeführt. Alle überirdischen Aufbauten wie Umkleidekabinen, Duschhäuschen und Umfriedung waren aus geschnittenem Holz. Das neue Bad hatte sogar als Kinderbelustigung eine Baderutsche und zwei kleine Sprungbretter.

Im Sommer 1932 fand die feierliche Einweihung mit Übergabe zum öffentlichen Badebetrieb statt. Da der Eintrittspreis zum Badespaß relativ gering war, nutzten die jugendlichen Dorfbewohner – nicht nur aus Gadern – das neue Freizeitvergnügen. Viele junge Überwälder erlernten hier das Schwimmen.

In den Kriegsjahren von 1939 bis 1945 musste aber mangels männlicher Badeaufsicht der Badebetrieb eingestellt werden. Während des Zweiten Weltkrieges blieb das Becken mit Wasser gefüllt und sollte im Notfall als Feuerlöschbecken dienen.

An Hygieneauflagen gescheitert

Als sich die Umstände nach dem Krieg um 1950 normalisierten, wurde auch das Gaderner Schwimmbad wieder eröffnet. Allerdings wurden in den 1960er Jahren die staatlichen Auflagen zur Hygiene verschärft. Diese Forderungen konnte ein in Privathand befindliches Schwimmbad jedoch nicht erfüllen.

Das endgültige Aus war besiegelt. Und damit endete die Gaderner Schwimmbadepoche abrupt. Heute stehen auf dem einstigen Gelände Wohnhäuser.

Von Hans-Günther Morr