Fürth: Beim Neujahrsempfang ist die Location das Highlight
Bei der Veranstaltung der Gemeinde Fürth ist der Schauplatz in Linnenbach die eigentliche Attraktion. Themen waren unter anderem Ehrenamt, Respekt und die AfD.
Fürth/Linnenbach. Der Veranstaltungsort war die eigentliche Attraktion beim Neujahrsempfang der Gemeinde Fürth am Sonntag. Nicht wenige der rund 450 Gäste staunten nicht schlecht, als sie das Aktivitäts- und Kulturzentrum Lindenhof betraten. Der neu gebaute Sitz der Christlichen Gemeinde (DCG) Linnenbach beeindruckt nicht nur durch seine Größe. Auch die technische Ausstattung im großen Versammlungssaal stellt manche andere Veranstaltungsstätte weit in den Schatten.
Die Original Odenwälder Trachtenkapelle Linnenbach – in diesem Jahr für den musikalischen Teil des Neujahrsempfangs verantwortlich – wirkte auf der großen Bühne, trotz vielköpfiger Besetzung, fast schon winzig. Während sie unter der Leitung von Martina Heimes mit den ersten flotten Klängen die Gäste aus dem großen Foyer in den Saal lockte, liefen über die eine Bühnenfront füllende LED-Leinwand Aufnahmen vom Bau der beeindruckenden Anlage.
„Vielfältiger und stabiler Gemeindewald“
Später waren dort Panoramabilder der Gemeinde Fürth aus der Vogelperspektive zu sehen, die vor allem zeigten, wie grün und waldreich die Großgemeinde daherkommt. Ein Aspekt, den auch Bürgermeister Volker Oehlenschläger in seiner Ansprache aufgriff. „Wir leben hier nachhaltige Nutzung par excellence“, sagte er in Bezug auf die Forstwirtschaft in Fürth und wertete dies als Verdienst von Försterin Anabel Hess und deren Vorgänger Jens-Uwe Eder. Während der „vielfältige und stabile Gemeindewald“ (Oehlenschläger) eine „tolle Kulisse“ nicht nur auf der Leinwand abgibt, boten die Räume der DCG eine solche für den Neujahrsempfang, wie der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rainer Gemmel, eingangs bemerkte. Der Vorsteher der Christlichen Gemeinde Linnenbach, Oliver Schmidt, würdigte im Gegenzug den Anteil der gemeindlichen Gremien von Fürth an der Realisierung des neuen Gemeindezentrums. Die evangelische Freikirche ist seit rund 60 Jahren im Weschnitztal ansässig, 1992 hat sie ihren ersten Sitz in Linnenbach eingeweiht. In dem Fürther Ortsteil ist die DCG integriert, Schmidt sprach von einem „guten Miteinander und Wohlwollen“.
Nach Angaben auf ihrer Internetseite zählt die DCG Linnenbach rund 350 Mitglieder, die sich regelmäßig zu Gottesdiensten und anderen Aktivitäten treffen. Die Inhalte umriss Oliver Schmidt unter anderem mit der Förderung des aktiven Glaubens und dem Bemühen, Kindern und Jugendlichen ein positives Umfeld zu bieten. Die Linnenbacher ist eine von zehn Ortsgemeinden in Deutschland, bundesweit hat die DCG rund 2700 Mitglieder.
Ehrenamtspreis für Feuerwehrmann
Rund 230 Einsatzkräfte sorgen in den Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr Fürth rund um die Uhr für die Sicherheit ihrer Mitmenschen. Eine „schlagkräftige Truppe“, die auch das gesellschaftliche Leben in der Gemeinde mitprägt. So formulierte es Bürgermeister Volker Oehlenschläger am Sonntag beim Fürther Neujahrsempfang im Aktivitäts- und Kulturzentrum Lindenhof in Linnenbach.
Für einen dieser Feuerwehrleute gab es im Rahmen der Veranstaltung eine Überraschung: Markus Meißner wurde mit dem Ehrenamtspreis der Gemeinde Fürth ausgezeichnet. Die Jury würdigte damit „ein Lebenswerk“, wie es der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Rainer Gemmel, ausdrückte. Meißner ist nicht nur seit 30 Jahren in der Einsatzabteilung aktiv, sondern hat als Wehrführer und aktuell als stellvertretender Gemeindebrandinspektor auch immer Verantwortung übernommen und getragen.
Aber im Feuerwehrdienst erschöpft sich sein ehrenamtliches Wirken nicht. So hat Markus Meißner auch viele Jahre bei der KJG Fürth zum Gelingen von Fastnachtsveranstaltungen und Zeltlagern beigetragen. Die Gemeinde Fürth und deren Gewerbeverein vertritt er im Beirat der Wirtschaftsförderung Bergstraße. Am Sonntag fehlten ihm – spürbar überrascht von der Ehrung – die Worte. Dass er den Einsatz bei der Feuerwehr als Teamarbeit versteht, wollte er aber dennoch loswerden: „Der Preis geht auch an euch“, rief er den zahlreich vertretenen Männern und Frauen der Fürther Feuerwehren zu. Ebenfalls im Rahmen des Neujahrsempfangs gewürdigt wurde das Fürther Unternehmen DMS Technologie, das für die Entwicklung einer speziellen Baggerschildsteuerung 2024 mit dem „Innovation Award“ auf der internationalen Fachmesse Intermat in Paris ausgezeichnet wurde.
Einen Blick auf die aktuelle Situation und die Zukunft der Gemeinde warfen beim Neujahrsempfang sowohl Oehlenschläger als auch Gemmel. Dabei warben sie beide dafür, nicht in Pessimismus zu verfallen, sondern die Zukunft in der Gemeinschaft mit positiven Gefühlen anzugehen. „Das Glas ist halb voll, wir haben die Chance, es weiter zu füllen“, so Gemmel.
Gegenseitiger Respekt
Der Vorsitzende der Gemeindevertretung machte diese Zuversicht in Bezug auf Fürth unter anderem am Engagement der Menschen, insbesondere in den Vereinen, fest – aber auch an der sachorientierten und von gegenseitigem Respekt geprägten Arbeit in den gemeindlichen Gremien. Konkret Optimismus verbreiten konnte Gemmel in Bezug auf das zuletzt etwas ins Stocken geratene Baugebiet auf dem ehemaligen FC-Sportplatz. Nach „viel Arbeit und vielen Sitzungen“ könne wohl in der Februar-Sitzung der Gemeindevertretung eine Änderung des Bebauungsplans beschlossen werden, damit dort „Mehrfamilienhäuser, sozialer Wohnungsbau und Einfamilienhäuser entstehen können“.
Nur ein Grund von vielen, in Fürth positiv nach vorne zu blicken. Bürgermeister Oehlenschläger zählte eine Reihe davon auf, beginnend mit den stabilen Finanzen der Gemeinde. Als eine Säule davon identifizierte er die Unternehmen der Weschnitztalgemeinde – die „Motoren der Wertschöpfung“. Beleg sind die Einnahmen aus der Gewerbesteuer, welche auch im Vorjahr die Prognosen übertrafen. Bemerkenswert dabei ist aus Sicht Oehlenschlägers, dass dabei kein einziges Unternehmen mehr als zehn Prozent der Steuereinnahmen ausmacht. Ein Indiz für die Breite, in der die Gemeinde wirtschaftlich aufgestellt ist.
Grundgesetz aktiv verteidigen
Wie auch Gemmel ging Oehlenschläger auf die bevorstehende Bundestagswahl ein. Ausgerechnet im Jubiläumsjahr (75) des Grundgesetzes hätten die Ereignisse rund um die konstituierende Sitzung des thüringischen Landtags, mit einem Alterspräsidenten aus den Reihen der AfD, gezeigt, dass die Vielfalt und die Freiheit in der Bundesrepublik nicht nur gefeiert, sondern aktiv verteidigt werden müssen.
„Die sogenannten Altparteien haben uns über Jahrzehnte Wohlstand und Sicherheit beschert“, warnte er vor Experimenten an den politischen Rändern. Die AfD agiere – in trauter Einheit mit Elon Musk und Donald Trump – gezielt gegen ein starkes Europa „und damit auch gegen ein starkes Deutschland“. Auch Gemmel zog die USA als Negativbeispiel für einen von Beleidigungen und Beschimpfungen geprägten Wahlkampf heran. Sorgen macht es ihm, dass ein respektloser Umgang miteinander auch in der Bundespolitik Einzug gehalten hat.
Dagegen ist Fürth ein Ort, „der Zusammenhalt und Tatkraft lebt“, wie Oehlenschläger abschließend sagte. Basierend auf einem starken Gemeinschaftssinn gehe Fürth mit stabilen Finanzen und einer vorbildlichen Energieversorgung in die Zukunft. Der Appell des Bürgermeisters: nicht auf hohem Niveau jammern, sondern dieses hohe Niveau mit Willen, Einsatz und positiver Herangehensweise erhalten.