Im Alter sicher leben – Experte gibt Tipps in Wald-Michelbach
Wie sich Senioren vor Betrug schützen können, macht Hauptkommissar Michael Fix bei einem Vortrag deutlich. Eine Betroffene aus Wald-Michelbach berichtet über ein dreistes Gaunerpärchen.
Immer wieder geraten Senioren in das Visier von Kriminellen. Daher wurde unter dem Titel „Im Alter sicher leben“ zu einem Vortrag von Hauptkommissar Michael Fix von der polizeilichen Beratungsstelle in Darmstadt in der Wohnanlage „Wohnen in der Gass“ in Wald-Michelbach eingeladen. An dem Beratungsnachmittag nahmen alle 20 Bewohner und die Wald-Michelbacher Sicherheitsbeauftragte für Senioren, Christina Schmitt, teil.
Hilfe für Senioren
- Kontaktdaten für weitere Hilfe: Polizeiliche Beratungsstelle, Orangerieallee 12, 64285 Darmstadt, Telefon: 06151/969-40444.
- Sicherheitsberaterinnen für den Bereich Abtsteinach und Wald-Michelbach: Christina Schmitt, Telefon: 06207/82165. Für Grasellenbach: Francine Antoni-Hein, Telefon: 06253/9483946.
- Umfangreiches Informationsangebot auch unter: www.polizei-beratung.de
Fall aus Wald-Michelbach
Im Wald-Michelbacher Wohnheim gab es in der Vergangenheit einen konkreten Fall, der detailliert besprochen wurde. Die Geschädigte schilderte den Vorfall: Es klingelte und vor der Tür stand eine junge Frau, die vorgab, ein Praktikum zu machen. Sie fragte die Bewohnerin, ob sie ihr einige Fragen beantworten könnte. Die junge Frau war gut informiert, denn sie wusste beispielsweise, dass die Seniorin eine Knieoperation hatte. Sie ging mit ihr auf den Balkon und auf einmal hörte die Seniorin Geräusche in der Wohnung. Kurz darauf sah sie einen Mann, ganz in schwarz gekleidet und verhüllt, und wunderte sich, wie dieser es geschafft hat, in die Wohnung zu gelangen. Sie hatte diese ja verschlossen – so meinte sie.
Durch einen Trick war es der jungen Frau zuvor gelungen, die Tür wieder zu öffnen. Sie gab damit dem Mann alle Möglichkeiten, in die Wohnung zu gelangen. Nach dem Kennwort „Hallo“ verließ das Gaunerpärchen fluchtartig die Wohnung. Der Täter hatte mit einem Schlüssel die Schränke geöffnet und die Geldkassette und Kontoauszüge entwendet. Dies sei ein typischer Wohnungszugangstrick, so der Hauptkommissar.
Mehrere Facetten des Betrugs
Dieser konkrete und bedauerliche Fall im Wohnheim war der Aufhänger für Fix, die verschiedensten Betrugsarten auch mit Filmmaterial darzustellen. Er hatte die Themen Trickbetrügereien, dubiose Geschäfte, Diebstähle, Gewinnmitteilungen per Post und betrügerische Anrufe im Gepäck und wollte die Bewohner sensibilisieren. Er rief besonders auf, sich bei jedem mysteriösen Fall an die Polizei, die polizeiliche Beratungsstelle in Darmstadt oder an eine der Sicherheitsbeauftragten zu wenden.
Im Detail erläuterte Fix die neuesten Varianten des Enkeltricks. In einem Film wurde der Anruf eines angeblichen Enkels gezeigt, der nach einen Autounfall 12 000 Euro benötige – und dies innerhalb einer Stunde. In einem Anruf teilt der Enkel mit, dass er nicht selbst kommen kann. Die Seniorin übergibt das Geld ahnungslos an den vermeintlichen Freund – und das Geld war weg. Die Täter sind sehr gut geschult, mit dem Aufruf nach Hilfe üben sie Druck aus. Sie schaffen es in den meisten Fällen, an Geld zu gelangen. Aber woher wissen Täter, dass es sich bei den angerufenen um Senioren handelt? Sie suchen die Opfer nach altklingenden Vornamen oder kurzen Telefonnummern aus. Fix riet entweder zu keinem Eintrag im Telefonbuch, oder den Vornamen abzukürzen – die Verwandten kennen die Nummer ohnehin. Die vorgespielte dringende Notlage führe fast immer zum Erfolg. Die Betrüger telefonieren mit über ein Computerprogramm, das auch falsche Rufnummern simulieren kann. Fix rät, nie über Finanzen oder private Verhältnisse am Telefon zu sprechen. „Legen Sie auf und versuchen, ihren Enkel über die bekannte Nummer anzurufen“, so Fix. Darüber hinaus sollen niemals Geld oder Wertgegenstände an Fremde übergeben werden.
Vorsicht bei Schockanrufen
Besonders zu beachten sind die sogenannten Schockanrufe. Ein Staatsanwalt berichtet zum Beispiel von einem Tötungsdelikt und im Hintergrund hört man die vermeintliche Verwandte weinen. Fix betonte, dass in Deutschland keine Freilassung auf Kaution gibt. Verdächtige werden aufgrund von Verdunklungs- oder Fluchtgefahr in Untersuchungshaft genommen.
Viele Täter senden Mails oder WhatsApp-Nachrichten mit dem Aufruf, die neue Nummer eines angeblichen Verwandten zu speichern. Dann bitten sie um einen kleineren Geldbetrag. Meist bleibt es aber nicht bei einem Mal. Fix rief dazu auf, eine neue Nummer erst nach Rückruf unter der bekannten Nummer zu speichern. Vorsicht ist auch geboten, falls kein Profilbild vorhanden ist.
Geschäfte an der Haustür
Bei Haustürgeschäften werde oftmals mit der Masche der geläuterten Straftäter oder der Drogenabhängigen sowie Mitgliedern von Hilfsorganisationen viel Geld ergaunert. Geschädigte sollten dabei dringend vom Widerrufsrecht gebrauch machen und bei der Unterzeichnung eines Vertrages auf das Datum und die Gegenunterschrift achten. Auch sogenannte Handwerker oder Mitarbeiter von Behörden können sich als Betrüger entpuppen und die Hauseigentümer schädigen.
Hierbei sei wichtig, dass man niemand in seine Wohnung reinlassen muss – auch die Polizei nicht, so beteuert Fix. Auch eine zweite Person zur Hilfe zu rufen, ist sinnvoll. Fix stellte abschließend eine Broschüre der Polizei mit dem Titel „Im Alter sicher leben“ vor. In dieser werden die Themen Gefahren an der Haustür, am Telefon, im Internet und unterwegs behandelt.
Hilfe vor Ort
Auch die Sicherheitsberaterinnen als Verbindung zwischen Polizei und den Senioren leisten hier sehr gute Arbeit. In Wald-Michelbach und Abtsteinach ist dies Christina Schmitt, in Grasellenbach Francine Antoni-Hein.
Schmitt rief zusammen mit Fix, aber auch den Verantwortlichen von Wohnheimen dazu auf, alles zu tun, um die Wohnungen sicherer zu machen. Viele Sicherheitsmaßnahmen seien kostengünstig, aber sehr wirksam.