Fürth

In Fürth machen Parasiten gesund

Blutegeltherapie: Der Speichel der Blutsauger besteht aus entzündungshemmenden und schmerzlindernden Substanzen. Aber wie läuft eine Behandlung ab? Und wie kommt Elsbeth Schäufele an die Blutsauger?

In einem Wasserglas warten die Parasiten auf ihren nächsten Wirt. Schon im alten Ägypten nutzte man die entzündungshemmenden Säfte. Foto: Fritz Kopetzky
In einem Wasserglas warten die Parasiten auf ihren nächsten Wirt. Schon im alten Ägypten nutzte man die entzündungshemmenden Säfte.

Die drei Chitinkiefer bohren sich mit seinen insgesamt 180 Zähnchen tief in die Haut ein. Antikoagulanzien im Speichel halten das Blut flüssig, lassen es nicht gerinnen. Dennoch, der Biss ist kaum zu spüren. „Es bizzelt und juckt nur ein wenig – vergleichbar mit einem Mückenstich“, sagt Margret Gräsing aus Fürth. Sie ist zum dritten Mal bei einer Blutegel-Behandlung.

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Die beiden Parasiten, die im Bereich ihres linken Daumens platziert wurden, leisten schon nach wenigen Minuten ganze Arbeit und saugen Blut. Es ist gut zu beobachten, wie die Peristaltik das Blut in den hinteren Körperbereich pumpt. „Seit mehr als zwei Jahren haben sie nichts gefressen“, sagt Heilpraktikerin und Blutegel-Expertin Elsbeth Schäufele, die seit 2019 Therapien mit Blutegeln in ihrer Fürther Praxis anbietet. Dementsprechend freuen sie sich regelrecht auf das Blut der Patientin.

Erste Behandlung erfolgreich

Kurz vor einer Operation sei sie gestanden, erzählt die Patientin, die so große Probleme mit Arthrose in ihrem Daumengelenk hatte, dass sie zeitweise schon gar nicht mehr richtig greifen konnte und weitere erhebliche Einschränkungen befürchten musste. Doch schon nach der ersten Behandlung mit den Blutsaugern habe sie deutlich weniger Schmerzen verspürt. „Das war für mich sehr überraschend. Dass es so schnell geht, damit habe ich wirklich nicht gerechnet.“

Bereits im alten Ägypten wurde der medizinische Blutegel eingesetzt. Der Parasit saugt sich an einem warmblütigen Wirt fest, schneidet eine Wunde in die Haut und saugt Blut. Dabei gibt er die Inhaltsstoffe seiner Speicheldrüsenzellen in die Wunde ab. Diesem Vorgang wird beim Menschen therapeutische Bedeutung zugemessen.

Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn sich die Blutsauger in der Hand festbeißen. Patientin Margret Gräsing schwört auf die Therapie mit den Blutegeln. Ihre Arthrose-Probleme sind schon nach einer Behandlung besser geworden. Foto: Michael Callies
Es ist schon etwas gewöhnungsbedürftig, wenn sich die Blutsauger in der Hand festbeißen. Patientin Margret Gräsing schwört auf die Therapie mit den Blutegeln. Ihre Arthrose-Probleme sind schon nach einer Behandlung besser geworden.

Hilfe bei Thrombosen

Heute wird die Blutegeltherapie von Ärzten und Heilpraktikern bei verschiedensten Befindlichkeitsstörungen, bei Thrombosen zur Vermeidung der Bildung oder gar zur Auflösung von Blutgerinnseln, bei Erkrankungen des entzündlich-rheumatischen Formenkreises zur Entzündungshemmung und zur Schmerzstillung sowie postoperativ nach Replantation abgetrennter Haut- und Körperteile zur Verbesserung der venösen Zirkulation eingesetzt.

„Der Blutegel injiziert während des Saugaktes zahlreiche Speicheldrüsenproteine in die Wunde des Wirts. Möglicherweise sind einige Proteine für positive Effekte verantwortlich“, sagt Elsbeth Schäufele. Die meisten der Proteine seien laut Wissenschaftlern bisher unbekannt, nur von wenigen kenne man mögliche Wirkungen im Patienten. Bekannt sei aber der Thrombin-Inhibitor Hirudin, der bereits in der Medizin als Blutgerinnungshemmer eingesetzt wird.

Gut eine halbe Stunde dauert es, bis der Egel gut gesättigt ist und mittlerweile das Fünffache seiner Ausgangsgröße erreicht hat. Der Blutegel lässt jetzt von selbst los. Rund 15 bis 25 Milliliter Blut hat er dann aufgenommen. Um Infektionen vorzubeugen, sollten die Krusten an den Bissstellen belassen und nicht abgekratzt werden. Das Leben der medizinischen Blutegel hat dann ein unmittelbares Ende. Zum einen würde es erst wieder bis zu zwei Jahre dauern, bis ein Blutegel wieder Hunger hat, zum anderen darf ein Egel nur einmal medizinisch angewendet werden. Auch eine Wiederverwendung am selben Patienten ist wegen einer nicht auszuschließenden Infektion und aus Gründen der Hygiene nicht erlaubt.

Heilpraktikerin Elsbeth Schäufele verbindet ihre Patientin fachgerecht nach einer Blutegelbehandlung. Foto: Fritz Kopetzky
Heilpraktikerin Elsbeth Schäufele verbindet ihre Patientin fachgerecht nach einer Blutegelbehandlung.

Blutegel als Arzneimittel

Blutegel werden in speziellen Farmen gezüchtet und gelten seit 2005 als zulassungspflichtiges Fertigarzneimittel. Sie unterliegen den gleichen hohen Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit, wie sie auch an alle anderen zulassungspflichtigen Arzneimittel gestellt werden. Elsbeth Schäufele bestellt ihre „Helfer“ immer bei der Biebertaler Blutegelzucht. Die kommen dann per Kurierexpress in einem leicht feuchten Tuch an. Möglichst schnell müssen die Egel dann ins klare Wasser, um fit für die Patienten zu sein.

Jede Menge Informationen zur medizinischen Blutegeltherapie gibt es bei der Naturheilpraxis von Elsbeth Schäufele in der Hauptstraße 25 in Fürth, unter der Nummer 06253/9888535 oder im Internet.

Hinweis: Der Artikel wurde korrigiert. In einer früheren Version lautete die Zwischenüberschrift "Blutegel als Medizinprodukt", wir haben sie nun geändert in "Blutegel als Arzneimittel".