In Zotzenbach fiebern die Kinder mit den Stromern
Bei der Aufführung von „Der Waschlappendieb“ sind die kleinen Zuschauer voll mit eingebunden. Kita „Am Thasberg“ stemmt die Organisation.
Kinder früh an Kultur heranzubringen ist ein Ziel, dass sich das Team der Evangelischen Kindertagesstätte „Am Thasberg“ in Zotzenbach seit vielen Jahren gesetzt hat. Daher wird jährlich ein Kindertheater oder Mitmachkonzert vor Ort in den Kindergartenalltag integriert – manchmal im kleinen Kreis oder, wie in diesem Jahr, mit der Theaterinszenierung „Der Waschlappendieb“ auch mal für die breite Öffentlichkeit. Diese Veranstaltung wurde durch das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert.
Die Resonanz war groß und so tummelten sich fast 300 Gäste bei der Aufführung der Darmstädter Theatergruppe „Die Stromer“ in der Trommhalle in Zotzenbach. Von Anfang an hatte das Schauspieler-Duo Thomas Best als Victorius und Birgit Nonn als Maus Lizzy das Publikum auf seiner Seite und zeigte auf, was man aus einem vermeintlich einfachen Bühnenbild – wie einer Wäscheleine mit Handtüchern und Waschlappen – so alles herausholen kann. Ganz nah dran auf Turnmatten sitzend, waren die Kinder viel mehr als nur Zuschauer, sondern mittendrin im Geschehen.
Lange Finger an Wäscheleine
Als Victorius die Bühne betrat, machte er seiner Empörung direkt Luft. Seit Tagen verschwinden auf seltsame Weise Waschlappen von seiner Wäscheleine. Dem geheimnisvollen Dieb das Handwerk zu legen, dieses Ziel hatte er sich gesetzt und dabei auch gleich die Jungen und Mädchen auf seiner Seite. Diese kicherten und lachten laut hinaus, als er mit seinen „AndieWäscheleinesuperdrankomm-Aufhängschuhen“ seine unterschiedlichen Waschlappen vorstellte und an der Wäscheleine befestigte: Einer, für hinter die Ohren, die Zwillings-Waschlappen „Pünktchen und Anton“ oder sein Lieblingswaschlappen mit dem Herz.
Um hierbei nicht den Überblick zu verlieren, fotografierte Victorius jedes einzelne Exemplar und machte sich sogleich auf, die Bilder auszudrucken. Kaum verschwunden, schlug auch schon der Waschlappendieb wieder zu und ließ sich nicht einmal von den lauten Rufen der jungen Zuschauern davon abhalten. „Schwups“, war der Herzwaschlappen weg, was den zurückgekehrten Victorius erboste, der sich nun mit einem Fernglas bewaffnet und als Waschlappen verkleidet in einem Versteck auf die Lauer legte, dabei allerdings einschlief.
Kaum verschwunden, erschien die pummelige Maus Lizzy mit ihrem Köfferchen auf der Bühne und klagte dem Publikum ihr Leid. „Als Maus hat man es ganz schön schwer“, erzählte sie, wie Victorius sie vor einiger Zeit herausgeworfen hatte. Ihren Vorratsbeutel an der Wäscheleine platziert, suchte sie das Weite. Eben dieser Vorratsbeutel lies den wieder erwachten Victorius stutzig werden. Nach einer Befragung der Kinder war schnell klar, eine Mausefalle für eine Monstermaus musste her. Doch die Falle mit einem „sprechenden“ Keks verfehlte ihre Wirkung.
Bei der Verfolgung der Monstermaus hängte Victorius alle Wäschestücke ab – ein großer Spaß für die Jungen und Mädchen, die aufgeregt mitfieberten. Dabei entdeckte er, trotz aller Tarnungsversuche, am Ende die Maus Lizzy. Als er einen Blick in ihr Köfferchen warf, fand er dort neben einem Keks auch einen zerfetzten Lappen. Für einige Kinder war der Fall damit gelöst: Lizzy war der Dieb, was sie auch lauthals kundtaten.
Doch da es sich hierbei um keinen Waschlappen aus Victorius’ Sammlung handelte, schenkte er der Maus sein Vertrauen und machte mit ihr gemeinsam Jagd auf den Waschlappen- und inzwischen auch Handtuchdieb. Kein leichtes Unterfangen.
Abschiedstournee
Beim Funktionstest der Keks-Köder-Falle fraß Lizzy leider die Kekse selbst auf. Der Versuch, den Diebstahl zu simulieren und so dem Dieb auf die Schliche zu kommen, sorgte für großes Gelächter. In Zeitlupe agierte die Maus hierbei und bestach dabei mit einer urkomischen Mimik, die noch getoppt wurde, als auch Victorius dabei mit zu Werke ging. So spitzte sich das Spektakel zu, bis sich Lizzy plötzlich selbst als Diebin enttarnte. Versteckt, aber laut an einem Haufen aus Stoffresten knuspernd, erkannte Victorius Teile seiner verschwundenen Waschlappen und Handtücher wieder.
Die Erschütterung war groß. Doch die sichtlich geknickte und reumütige Lizzy machte den Schaden wieder wett. Aus allen Stoffresten schneiderte sie ihrem Freund einen ganz neuen großen Waschlappen, „den allerschönsten“, und rettete so nicht nur ihre Freundschaft, sondern verhalf dieser zu einer ganz besonderen Tiefe.
Mit großem Applaus dankte das Publikum den beiden „Stromern“ für einen spannenden und unterhaltsamen Nachmittag in der Trommhalle. Bei all der Freude und dem Spaß, gab es doch einen Wermutstropfen. Denn die beiden Schauspieler sind 2024 auf ihrer Abschiedstournee.
Thomas Best möchte vorerst seinen Ruhestand antreten und auch Birgit Nonn freut sich auf mehr Freizeit, wenn auch bei ihr die Idee des „Stromerchens“ im Hinterkopf reift. Was dies ganz genau bedeutet, wird noch nicht verraten. Seit 1994 arbeiten die beiden schon zusammen. Im Dezember 2020 durften sie ihre 3000. Aufführung feiern. Bis zum Jahresende sind noch zahlreiche Auftritte geplant. Dann übernimmt das Theater Lakritz die Stromer-Stücke und führt diese fort.
Eltern helfen mit dazu
Petra Nieder, Leiterin der Evangelischen Kindertagesstätte „Am Thasberg“ in Zotzenbach, nutzte die Gunst der Stunde, um sich bei der Theatergruppe „Die Stromer“, für viele wunderbare Auftritte zu bedanken. Vor über 20 Jahren war sie bei den Gassensensationen in Heppenheim auf das Ensemble aufmerksam geworden und konnte sie vier Mal nach Zotzenbach holen.
Weitere Dankesworte gingen an ihr Team, den Elternbeirat und alle Eltern, ohne die dieses Großprojekt nicht umsetzbar gewesen wäre. Der Auf- und Abbau sowie die Einlasskontrolle, der Getränke- und Muffinverkauf wurden durch die Helfer abgedeckt. Vom Erlös werden für die Kinder Spielsachen oder Spielgeräte angeschafft, die sonst über den normalen Etat nicht finanzierbar wären. Ung