Was verbirgt sich hinter dem Mysterybox-Automaten in Fürth?
In Fürth an der Esso-Tankstelle steht seit einigen Wochen ein Mystery-Automat für Paket-Retouren. Lohnt sich ein Besuch?
An der Esso-Tankstelle in Fürth Hessen sorgt ein neuer Automat für Aufsehen: Mystery Boxen in Form von nie abgeholten Paketen. Doch lohnt sich der Kauf wirklich – oder ist es nur ein teurer Spaß? WNOZ hat den Automaten getestet.
Mystery-Automat: Überraschung auf Knopfdruck?
Stellen Sie sich vor, Sie werfen zehn Euro in einen Automaten und wissen nicht, was Sie dafür bekommen. Genau das macht den Reiz des Mystery-Automaten aus. Ein solcher steht nun auch vor dem Eingang der Fürther Esso-Tankstelle. Ein BVB-Trikot und ein Handy wurden dort angeblich schon per Zufall gekauft, doch man kann auch mit etwas weniger Spannendem nach Hause gehen, wie etwa mit Luftballons. Der erste Käufer habe ein originales Dior-Shirt gezogen.
Wo die Mystery-Automaten ihren Ursprung haben, lässt sich nur schwer ausmachen – vermutlich im Allgäu. Fest steht nur, dass sie in diesem Jahr auf Social Media einen regelrechten Hype ausgelöst haben und mittlerweile deutschlandweit zu finden sind.
Aber woher kommen die Pakete? Aufgefüllt werden die Automaten mit Päckchen, die als Retoure zurückkehren oder deren Käufer nicht ermittelt werden konnte. Der Betreiber kauft diese bei Zwischenhändlern, die wiederum die unzustellbaren Retouren in großen Mengen von Logistikunternehmen beziehen. Dabei wird lediglich die Lieferadresse unkenntlich gemacht, der Inhalt bleibt ein Geheimnis – bis der Käufer es öffnet.
Costa quanta?
Für zehn Euro kann man eine Mystery-Box aus dem Automaten ziehen – mit Bargeld oder Karte. Zudem gibt es seit wenigen Tagen in der Tankstelle eine Wühlkiste, in der man größere Retouren findet, die nicht in den Automaten gepasst haben. Diese kosten 20 Euro das Stück.
Wer profitiert?
Der Mystery-Automat hat sogar einen nachhaltigen Aspekt: Ohne ihn würden die Retouren oft entsorgt und verbrannt, was CO₂-Emissionen verursacht. Ein Kauf tut also der Umwelt gut.
Und wenn sich der Käufer über den Inhalt der Pakete freut, profitieren alle Beteiligten von der Aktion. Dieser bekommt nämlich ein schönes Produkt, die Tankstelle zieht das Standgeld ein und der Automaten-Betreiber – in diesem Fall ECE Nutzfahrzeuge GmbH – bekommt 9 Euro pro Päckchen zurück. Und der letzte Euro?
Der geht an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS). Mit jedem gekauften Paket spendet man automatisch einen Euro gegen den Blutkrebs.
WNOZ-Unboxing
Wer unser Instagram-Reel gesehen hat, der weiß bereits, was uns der Mystery-Automat beschert hat – einen Selfie-Stick samt Stativ-Funktion. Hat es sich also gelohnt? Was den reinen Warenwert angeht: Auf Amazon kostet das Produkt 10,99 Euro (exklusive Versand). Da auf der Verpackung chinesische Schriftzeichen zu lesen waren, ist jedoch davon auszugehen, dass das Paket auf einer chinesischen Plattform bestellt wurde – hier kostet der Stick keine fünf Euro. Unser Fazit? Ein Minusgeschäft.
Gibt es Schattenseiten? Ja!
Anders als beim Online-Shopping kann man nicht auswählen, was sich im Paket befindet. Was passiert mit ungeliebten Artikeln? Am Ende landen sie vielleicht im Müll und verursachen doch wieder Emissionen. Auch bleibt fraglich, ob das Automatenkonzept angesichts der hohen Rücksendequote überhaupt einen nennenswerten Unterschied machen kann. Schätzungen zufolge wird in Deutschland etwa jedes vierte Paket retourniert – eine Menge, die die Mystery-Automaten kaum bewältigen können.
Ebenfalls problematisch: Die Automaten haben keine Altersbeschränkung. Besonders für Kinder und Jugendliche birgt das Glücksspiel-Element ein erhebliches Suchtpotenzial. Per definitionem gilt es übrigens nicht als Glücksspiel, da man auf jeden Fall ein Produkt, somit einen Gewinn, erhält. Außerdem könnten in den Paketen spitze Gegenstände oder andere potenziell gefährliche Inhalte enthalten sein – ein Risiko, das nicht außer Acht gelassen werden sollte.