Fürth

Mit dem Krönchen in Fürth erfüllt sich ein Lebenstraum

Die Schwestern Lena Arnold und Lisa Zeiss haben einen traditionsreichen Gastronomiestandort in Fürth mit viel Mut und Enthusiasmus wieder belebt. Das ist die Geschichte ihres Projektes.

Zwei in der Backstube: Lena Arnold und Lisa Zeiss haben sich einen Lebenstraum erfüllt. Die Scheibe zum Nebenraum ist ein besonderer Clou des „Krönchens“. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Zwei in der Backstube: Lena Arnold und Lisa Zeiss haben sich einen Lebenstraum erfüllt. Die Scheibe zum Nebenraum ist ein besonderer Clou des „Krönchens“.

Lena Arnold und Lisa Zeiss haben ein Lachen im Gesicht: Eine Woche ist seit der Eröffnung ihres „Krönchens“ vergangen – und der Traum der Schwestern fühlt sich immer noch wie ein Traum an. Einer, der in Erfüllung gegangen ist. Mit viel Mut und Enthusiasmus haben die beiden jungen Frauen das historische Gaststättengebäude am Marktplatz von Fürth saniert und umgebaut. Sie haben damit die Gemeinde vor einem schmerzlichen Leerstand mitten in ihrem Zentrum bewahrt. Und ihr Tatendrang ist längst noch nicht erschöpft.

Das Gasthaus „Zur Krone“ ist eine Institution in Fürth. Früher war es die „Zeiße Oanna“, bei der es ein Mittagessen zum erschwinglichen Preis gab. In den vergangenen Jahrzehnten hatte der gastronomische Betrieb mehrere Pächter, war ein beliebtes Speiselokal. Vor vier Jahren erlangte die Krone sogar bundesweite Bekanntheit, als ein neuer Pächter begleitet von einem Fernsehsender dort einzog. Er blieb nicht lange. Mit Beginn dieses Jahres drohte dann der Leerstand, als die vorherige Inhaberin aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste.

Das historische Gebäude im Herzen von Fürth ist ein traditionsreicher Gastronomiestandort und hat auch bei Festen und Veranstaltungen in Fürth eine exponierte Rolle. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Das historische Gebäude im Herzen von Fürth ist ein traditionsreicher Gastronomiestandort und hat auch bei Festen und Veranstaltungen in Fürth eine exponierte Rolle.

Ein Team von Jugend an

Es schlug die Stunde von Lena und Lisa. Eine Gelegenheit, auf welche die heute 23 und 27 Jahre alten Schwestern lange gewartet hatten. Doch der Reihe nach: „Ich habe schon immer gerne gebacken“, erzählt Lena Arnold aus ihrer Kindheit. Eine Leidenschaft, bei der sie ihre ältere Schwester von Beginn an unterstützte. Wenn die beiden von ihrer Jugend sprechen, dann schimmert bereits durch, dass sie sich immer irgendwie als Team verstanden haben. Fast zwangsläufig schien alles in ein gemeinsames Lebensprojekt zu münden. Aber der Weg dorthin war weit und nicht gerade.

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„Ich habe viel Gegenwind bekommen, als ich nach dem Abitur eine Konditor-Lehre begonnen habe“, berichtet Lena Arnold. Aber sie wollte ihre Leidenschaft zum Beruf machen. „In einem Büro hätte ich nicht sitzen können.“ Im Gegensatz zu ihrer Schwester: Lisa Zeiss hat eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert und neun Jahre in der Kundenbetreuung gearbeitet. Sie bringt das kaufmännische Know-how in das Schwestern-Team ein.

Der Traum vom eigenen Café, den beide hegten, er bahnte sich zu Jahresbeginn urplötzlich seinen Weg in die Realität. „Auf einmal war die Krone frei“, erinnert sich Lisa Zeiss. Aber wie das so ist, wenn Lebenswünsche plötzlich vor der Erfüllung stehen: Zunächst beginnt das Grübeln. Die Schwestern sind nicht blauäugig in dieses Abenteuer gerannt, haben sich Zeit zum Nachdenken und Abwägen genommen, die Familie mit ins Boot geholt. „Die Reaktion war durchwachsen“, umschreiben sie es heute mit einem Lachen.

Der Respekt vor der Aufgabe war groß, „aber irgendwie wussten wir instinktiv: Das passt alles“, sagt Lisa Zeiss. „Irgendwann war uns klar: Wir würden es bereuen, wenn wir es nicht tun würden.“ Entscheidend waren vor allem zwei Dinge: Die Schwestern hatten sich einen klaren Plan zurechtgelegt und die Eltern sagten ihnen volle Unterstützung zu. Spätestens als sich dann auch der Vermieter sehr angetan von dem Konzept der beiden jungen Frauen zeigte, war die Entscheidung gefallen.

Wenn der Ofen nicht ins Haus will

Es begann eine Zeit, in der Lena Arnold und Lisa Zeiss mehr über den Innenausbau und die Sanierung von Gebäuden lernten, als sie sich je hätten träumen lassen. „Wir könnten heute alternativ zum Café auch einen Handwerker-Service anbieten“, sagen sie lachend. Das historische Gebäude hatte manche „Überraschung“ zu bieten, auf die flexibel reagiert werden musste. Zwar waren auch Fachfirmen am Werk, „aber ohne die Hilfe von Familie und Freunden wäre es nicht gegangen“, wissen sie. Eine besondere Rolle nahm ihr Vater Dieter Arnold ein: „Er war immer zur Stelle, hat uns vieles gezeigt und uns immer wieder motiviert“, klingt eine große Dankbarkeit durch. Besonders in Erinnerung geblieben ist den Schwestern der Umbau der Gastroküche in eine Backstube – und speziell der Einbau des Backofens. Der passte nämlich zunächst einmal weder durch eine Tür noch durch ein Fenster. Da es keine Chance gab, das Gerät ins Haus zu bringen, wurde es in eine kleinere Version getauscht. Allerdings stimmten auch bei dem neuen Ofen die Maßangaben nicht, so dass ein Türrahmen ausgebaut werden musste, um ihn mühsam nach drinnen zu bugsieren. „Das war ein Projekt über mehrere Tage“, erinnert Lena Arnold sich.

Das Ziel immer fest vor Augen

Nur eine von vielen Geschichten, welche die Schwestern aus der Umbauzeit zu erzählen haben. Manches war frustrierend, geben sie heute zu. Aber: „Es gab keinen Punkt, an dem wir resigniert hätten. Das Ziel hatten wir immer fest vor Augen“, sagen sie wie aus einem Mund.

Die Räumlichkeiten sind innerhalb von rund neun Monaten mit einiger Eigenleistung komplett saniert und umgebaut worden. Foto: Philipp Reimer Fotografie
Die Räumlichkeiten sind innerhalb von rund neun Monaten mit einiger Eigenleistung komplett saniert und umgebaut worden.

Wer heute das „Krönchen“ betritt und die „Krone“ noch vor Augen hat, der kann erahnen, wie viel Arbeit, Kreativität und Ideen in den Umbau eingeflossen sind. Aus der Gastwirtschaft ist ein geschmackvoll eingerichtetes Café geworden. Ein Clou: Im Nebenraum wurde eine Wand mit einer großen Scheibe eingezogen, durch die das Geschehen in der Backstube beobachtet werden kann.

Lena Arnold und Lisa Zeiss haben viel Zuspruch erfahren und dabei auch gespürt, wie wichtig den Fürthern der Fortbestand des eingesessenen Gastronomiestandortes direkt neben dem Rathaus ist – manchmal auch auf skurrile Art und Weise: „Als wir mit den Umbauarbeiten begonnen hatten, das Licht im Haus an war und die Tür offen stand, da kamen schon die ersten Leute rein und fragten, ob wieder offen ist“, erzählt Lisa Zeiss.

Ein zentraler Treffpunkt

Jetzt stellt sich nach und nach der Alltag bei den Schwestern und ihrem achtköpfigen Team aus Minijobbern ein. Der Start ist gut gelaufen, berichten sie. Das Angebot wird angenommen. In dieses lassen die jungen Frauen neben den klassischen Frühstücks- und Café-Spezialitäten auch einige selbst kreierte „Farbtupfer“ einfließen. Neues mit Traditionellem verbinden, das ist ihre Devise.

Und sie bekräftigen: „Wir ruhen uns auf dem Erreichten nicht aus.“ Wenn sich die täglichen Abläufe im Café-Betrieb eingespielt haben, dann wollen sie ihren Traum weiterdenken. Schließlich war die Krone immer fest in die großen Veranstaltungen Fürths mit eingebunden: Johannismarkt, Kerwe, Fürther Nacht und einiges mehr. Das soll auch für das Krönchen gelten. „Die Menschen sind das so gewohnt und freuen sich, hierher kommen zu können“, haben Lena Arnold und Lisa Zeiss erfahren. Mit ihrem unternehmerischen Mut haben sie den Fürthern diesen traditionellen Treffpunkt erhalten.