Mörlenbacher Familie trauert um vergifteten Hund
Die Redaktion spricht mit Christiane Gemeinhardt, der Halterin des kleinen Hundes, der nach einem Spaziergang durch Gift starb.
Shari war sieben Jahre alt, hatte weiches, geflecktes Fell und eine runde Schnauze – ein gutmütiger, anhänglicher, kleiner Hund. Ihre Besitzerin sagt, Shari sei „eine treue Seele“ gewesen. Am vergangenen Donnerstag fraß das Tier Gift, zwei Tage später starb es qualvoll, und Halterin Christiane Gemeinhardt fragt sich: „Wer tut so etwas?“
Die OZ stattet der Mörlenbacherin einen Besuch ab; die Stimmung ist gedrückt, in der kleinen Familie wird viel geweint seit dem Vorfall. Der spielte sich in den frühen Abendstunden des vergangenen Donnerstags ab; Gemeinhardt kam von ihrer Arbeit in einer Physiotherapie-Praxis zurück und brach zu einem kurzen Hundespaziergang auf. Sie hat zwei Tiere, doch die jüngere Amy war nicht zum Hinausgehen zu bewegen und blieb im Auto.
Tierschutzhund aus Rumänien
Also parkte sie den Wagen vor dem Kindergarten „Traumschloss“ und folgte der Schmittgasse, die an dieser Stelle in die Verbindung Richtung Kapellen- und Uferweg übergeht. Sie sei nicht lange mit dem Hund unterwegs gewesen, sagt die 38-Jährige: „Nur etwa zehn Minuten. Mir ist in dieser Zeit nichts aufgefallen, auch nicht, dass sie etwas gefressen hätte.“ Shari trug eine Flexileine und ging ein Stück vorneweg; der Hund sei sehr vorsichtig gewesen, habe sich immer vor Autos in Acht genommen und habe viele Gefahren einschätzen können: „Nur diese nicht.“
Das Tier muss das Gift in dieser Zeit aufgenommen haben, entweder ausgelegt für Ratten oder, und das erscheint Gemeinhardt wahrscheinlicher, verpackt in Hackfleisch, Wurst oder Schokolade und an der Straße oder im Grünstreifen platziert als Köder für vorbeikommende Hunde. „Shari war immer eine gute Esserin“, erklärt ihre Besitzerin. Die Hündin stammte aus Rumänien, kam mit etwa einem Jahr durch eine Tierschutzorganisation nach Deutschland. „Eigentlich wollte meine Mutter damals einen Hund, und wir haben sie nur begleitet“, erinnert sich die Tierhalterin an das Kennenlernen im Oktober 2018. In der Einrichtung legte ihr jemand Shari in den Arm, wo sie sich wie ein Baby ausstreckte, sich auf den Rücken legte und vertrauensvoll verharrte – es war sofort um die junge Frau geschehen, und Shari kam in die Familie.
„Mein Sohn war aber auch die treibende Kraft“, betont Gemeinhardt. Denn auch für Finnegan, der heute 13 ist, war es Liebe auf den ersten Blick. Der Junge, der sich schwertut mit menschlicher Nähe, verstand sich bestens mit dem Hündchen, es durfte auf der Couch im Kinderzimmer schlafen, wo es zwischen den versammelten Kuscheltieren oft kaum zu sehen war. Damals besuchte Finnegan noch die Seebergschule, die Freundschaft und der Bezug zu Shari halfen dem Jungen sehr: „Sie tat einfach gut.“
Stundenlanges Erbrechen
Bald stellte sich heraus, dass es dem neuen Familienmitglied nicht so gut ging, wie behauptet worden war. Sie brauchte einige Operationen, erholte sich aber gut und war für ihre Halter bald nicht mehr wegzudenken; sie war im Urlaub dabei, im Restaurant, wagte sich sogar mit Frauchen auf ein Standup-Paddelbrett und besuchte sogar mit „ihren“ Menschen ein Fürther Altersheim, in dem die Uroma des Jungen lebte; auf die Bewohner hatte Shari eine beinahe therapeutische Wirkung.
Weil sie Probleme mit dem Alleinsein hatte, adoptierten Gemeinhardts vor zwei Jahren noch Rattlerhündin Amy, an der Shari bald Mutterstelle vertrat. Die beiden wurden unzertrennlich. Nun ist die Jüngere allein, sucht mal die Nähe der Erwachsenen und stromert mal ziellos in der Wohnung umher, sichtlich verwirrt.
Zurück zum vergangenen Donnerstag: Wieder daheim, begann Shari etwa drei Stunden später zu erbrechen; immer wieder übergab sie sich, und als die Tierarztpraxis wieder geöffnet hatte, wurde sie sofort untersucht, bekam Spritzen, Tabletten und sollte die kommende Nacht beobachtet werden.
Irgendwann in den frühen Morgenstunden hörte Gemeinhardt einen Schlag, machte Licht und sah, dass Shari in einer Blutlache vor dem Körbchen lag. Voller Panik rief sie die Tierärztin an, die den Hund, der aus allen Körperöffnungen blutete, in Obhut nahm und versorgte. Da war die Patientin schon apathisch und schwach; kurz vor acht Uhr am Morgen kam der Anruf, dass Shari es nicht geschafft hatte.
„Passt auf eure Hunde auf!“
Ihre Halter sind noch immer fassungslos. Zwei Tage nach Sharis Tod zeigte Gemeinhardt den Fall bei der Polizei an. Und wo immer sie Hundespaziergänger sieht, hält sie sie an und warnt sie: „Passt auf eure Hunde auf, meiner ist gerade gestorben.“ Worte wie diese lösen Bestürzung aus, und die Berichte häufen sich, dass im Bereich Kindergarten und Bürgerhaus bereits früher Giftköder ausgelegt worden seien.
Hier gehen viele Menschen mit ihren Hunden Gassi, weiß Gemeinhardt. Eltern mit Kindern sind unterwegs zum „Traumschloss“, Senioren gehen zum „SenVital“, Familien zur Alla-Hopp-Anlage. Auch für Kinder sei ausgelegtes Rattengift gefährlich, sagt sie. Und hofft, dass der Täter gefasst wird: „Es wäre für uns eine Erleichterung, wenn er geschnappt würde und seine Strafe bekäme.“ Aber: „Es bringt uns Shari auch nicht wieder zurück.“
- Wer verdächtige Beobachtungen gemacht hat, wird gebeten, sich mit dem Kommissariat 41 in Heppenheim unter 06252/706-0 zu melden.