Überwältigende Hilfsbereitschaft

Nach Bagger-Attacke in Mörlenbach: Freunde starten Online-Spendenaktion

Mit einem Aufruf kurz nach Mitternacht beginnt eine Spendenaktion für die betroffene Familie in Bonsweiher und nimmt schnell Fahrt auf. Schon am nächsten Morgen ist die erste Resonanz riesig, doch es zählt weiter jede Spende.

Nach der Bagger-Attacke in Bonsweiher ist das Haus einer fünfköpfigen Familie unbewohnbar. Nun haben Freunde eine Spendenaktion gestartet. Foto: Melissa Richter
Nach der Bagger-Attacke in Bonsweiher ist das Haus einer fünfköpfigen Familie unbewohnbar. Nun haben Freunde eine Spendenaktion gestartet.

Mörlenbach. Am Sonntagmorgen malträtierte ein Tatverdächtiger mit einem Bagger die Hauswand im Mörlenbacher Ortsteil Bonsweiher. Bereits kurz danach zeigt sich eine Welle der Solidarität und Unterstützung in der Odenwaldgemeinde. Fünf Freunde aus Bonsweiher haben vor wenigen Stunden eine Spendenaktion auf der Onlineplattform GoFundMe gestartet. „Wir sind Freunde der betroffenen Familie, und für uns war schnell klar, dass wir helfen wollen“, erklärt Melanie Zeller im Gespräch mit unserer Redaktion stellvertretend für die Gruppe. „Wir freuen uns sehr, dass sich so viele Menschen bereits in kürzester Zeit an der Spendenaktion beteiligt haben“, sagt sie. Und es wird weitergesammelt, denn „jeder Euro hilft“.

„Eine fünfköpfige Familie steht vor dem Nichts“

Am Sonntagmorgen zeigt sich ein Bild der Verwüstung im Mörlenbacher Ortsteil. Ein großes Loch klafft in der Hauswand. Auf dem Boden blitzen zwischen Dämmung, Möbeln und Holzleisten Brettspiele hervor. Gegenstände, die in Zimmer gehören, die es so derzeit nicht mehr gibt. „Von einem Moment auf den anderen steht eine fünfköpfige Familie vor dem Nichts“, schreibt die Freundesgruppe auf der Internetseite der Spendenaktion. Das, was am Sonntag geschehen ist, bleibt das vorherrschende Thema im Mörlenbacher Ortsteil.

Bereits kurz nach der Bagger-Attacke stand fest, dass das Haus schwer beschädigt und derzeit nicht bewohnbar ist. Erst wenn Statiker und Bauamt die Schäden weiter beurteilt haben, könne geklärt werden, ob die Familie zumindest persönliche Gegenstände aus dem Haus herausholen darf, erklärte das Polizeipräsidium Südhessen bereits am Montag.

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Die Folgen der Bagger-Attacke sind verheerend: Eine Familie aus Mörlenbach hat ihr Zuhause vorerst verloren. Doch die Hilfsbereitschaft ist groß. Foto: Melissa Richter
Die Folgen der Bagger-Attacke sind verheerend: Eine Familie aus Mörlenbach hat ihr Zuhause vorerst verloren. Doch die Hilfsbereitschaft ist groß.

„Was sie erlebt haben, hinterlässt tiefe Spuren“

Die Familie ist vorerst bei Angehörigen untergekommen, und der Alltag geht so gut wie irgendwie möglich weiter. Freunde leihen der Familie Kleidung, denn die eigene ist genauso wie persönliche Gegenstände und wertvolle Erinnerungsstücke derzeit unerreichbar. „Besonders schwer trifft es die drei Kinder. Ihr vertrautes Zuhause, ihr sicherer Rückzugsort, ihre Kuscheltiere und die Dinge, die ihnen Geborgenheit schenkten, sind plötzlich weg.“ Und: „Die fünf sind körperlich unversehrt – aber was sie erlebt haben, hinterlässt tiefe Spuren“, schreiben die Initiatoren der Spendenaktion. Diese soll nicht nur das benötigte Geld sammeln, sondern noch viel mehr bewirken.

Link zur Spendenaktion

Zur Spendenaktion geht es hier lang.

„Der Schock war natürlich groß“

„Als wir davon gehört haben, was passiert ist, war der Schock natürlich groß“, erzählt Melanie Zeller. Schnell haben sich die Freunde gefragt, wie sie helfen könnten. Die Familie konnte nur das retten, was sie gerade am Körper trug: ihre Schlafanzüge. Alles andere ist zurückgeblieben. Mit ersten Sachspenden half die Freundesgruppe aus Bonsweiher schnell aus. Aber es stand die Frage im Raum, wie sie schnell Geld sammeln könnten, um der Familie zu helfen.

„Mit dieser Sammelaktion möchten wir sie dabei unterstützen, die dringendsten Dinge neu anzuschaffen: Kleidung und Schuhe für alle fünf Familienmitglieder, Schulutensilien für die Kinder, Spielzeug, Kuscheltiere und kleine Dinge, die den Kindern wieder ein Stück Sicherheit schenken, sowie alltägliche Dinge, die man zum Leben braucht“, heißt es in dem Spendenaufruf.

Nach dem Bagger-Angriff in Bonsweiher haben Freunde eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Jede weitere Spende kann helfen. Foto: Melissa Richter
Nach dem Bagger-Angriff in Bonsweiher haben Freunde eine Hilfsaktion ins Leben gerufen. Jede weitere Spende kann helfen.

Spendenaufruf verbreitet sich über Nacht

Es war kurz nach Mitternacht in der Nacht zum Dienstag, als die Freunde schließlich die Onlinespendenaktion starteten. „Wir wussten nicht, was passiert und wie es angenommen wird“, erklärt Melanie Zeller. Der Spendenaufruf der Freunde, der unter anderem über WhatsApp geteilt wurde, hat sich über Nacht rasant verbreitet. Bereits wenige Stunden später waren sie von der Spendenhöhe überrascht, die am Dienstagmorgen bereits auf über 2.000 Euro angestiegen war. Beim Blick auf die gesammelten Spenden reihen sich zahlreiche zwei- bis dreistellige Spendenbeträge aneinander. Am Dienstmittag war die erreichte Spendenhöhe nach nur 16 Stunden seit der Veröffentlichtung bereits auf knapp über 7.000 Euro gestiegen – Tendenz steigend. Mindestens 7.000 Euro sollen laut Organisatoren gesammelt werden, das erste Ziel wurde also nach wenigen Stunden erreicht. Aber es zählt weiter jede Spende, ob groß oder klein.

„Es ist überwältigend, dass sich so viele Menschen an der Spendenaktion beteiligen. So kann es weitergehen“, sagt Melanie Zeller stellvertretend für die Gruppe und voller Dankbarkeit gegenüber den Spendern. „Man kann mit Geld nicht alles machen, aber es hilft in diesem Fall sehr.“ Die Gruppe freut sich über weitere Spender.

Ein Zeichen des Zusammenhalts

Mit der Spendenaktion geht es der Freundesgruppe „nicht nur um die finanzielle Unterstützung, es geht darum, ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind“, betont sie in dem Spendenaufruf. Jeder Euro helfe. Und wer selbst nicht spenden könne, könne helfen, indem er den Spendenaufruf teile. „Lasst uns gemeinsam zeigen, dass diese Familie in ihrer Situation nicht alleine ist. Lasst uns helfen, ihnen wieder ein kleines Stück Sicherheit zu schenken und ihnen den Rücken freizuhalten, um das Erlebte gemeinsam als Familie bewältigen zu können“, schreiben die Freunde abschließend.