Gastronomie

Nicht alle Gäste finden den Weg nach Rohrbach

Gastronomen in dem Weiler bei Mörlenbach leiden unter der Vollsperrung der K 12. Sie beklagen die kurze Frist zwischen Ankündigung und Umsetzung

Vollsperrung: Auf einem rund 1,1 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Ober-Mumbach und dem Abzweig nach Geisenbach läuft aktuell die „grundhaften Erneuerung“ der K 12. Foto: Fritz Kopetzky
Vollsperrung: Auf einem rund 1,1 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Ober-Mumbach und dem Abzweig nach Geisenbach läuft aktuell die „grundhaften Erneuerung“ der K 12.

Von Wolfgang Arnold

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Es hätten geschäftige Wochen werden können für das Team des Lindenhofes in Rohrbach: Der Sommer war da, die Lust der Menschen auf Ausflüge und gastronomische Genüsse groß. Überall im Land waren die Außenanlagen der Gaststätten und Restaurants gefüllt. Nur im Lindenhof blieben ungewohnt viele Tische und Stühle leer. Der Grund: die Bauarbeiten an der K 12 in Ober-Mumbach. Durch die damit verbundene Vollsperrung ist die Verbindung zu den Mörlenbacher Weilern Geisenbach und Rohrbach aus dieser Richtung gekappt.

„Die Leute wissen schlicht und ergreifend nicht, wie sie zu uns kommen sollen“, beklagen die Betreiber des Lindenhofes. Denn es gibt zwar eine Umleitung über Weiher und Vöckelsbach, aber die ist insbesondere für Ortsunkundige diffizil. Die vielen auswärtigen Gäste des Rohrbacher Gastronomiebetriebs „kapitulieren“ oft bereits, wenn sie aus Richtung Weinheim kommend auf der B 38 in Reisen sehen, dass die direkte Zufahrt nicht möglich ist. „Selbst wer es bis zu uns schafft, ist viel länger als geplant unterwegs gewesen. Ob er das dann ein zweites Mal auf sich nimmt, ist fraglich“, erklären die Pächter im Gespräch mit dieser Redaktion.

Zeitgleiche Baustellen

Erschwert haben die Situation zusätzlich die zeitgleichen Arbeiten am Bahnübergang in Reisen. Auf Nachfrage der OZ-Redaktion erklärt die Straßen- und Verkehrsbehörde Hessen Mobil, die für die Sanierung der K 12 zuständig ist, dass es vonseiten die Beteiligten keine Bedenken wegen dieser Terminüberschneidung gegeben hätte. Tatsächlich wären Rohrbach und Geisenbach sowieso aus dieser Richtung nicht erreichbar gewesen. Nun kommt in der kommenden Woche noch die Sperrung der L 3120 von Heppenheim zur Juhöhe hinzu. Ein weiteres Hindernis auf dem Weg von der Bergstraße in den Odenwald.

Den Betreibern des Lindenhofes geht es nicht darum, die Sinnhaftigkeit dieser Straßenbaumaßnahmen in Zweifel zu ziehen. Was bei ihnen für Ärger sorgt, ist die Informationspolitik von Hessen Mobil. Erst wenige Tage vor Beginn der Sperrung seien sie darüber in Kenntnis gesetzt worden. Da waren die Planungen für die Sommersaison längst abgeschlossen, das Personal rekrutiert, die Absprachen mit den Lieferanten getroffen. Mit etwas mehr Vorlauf, erklären die Gastronomen, hätte man sich einen Plan B zurechtlegen können – beispielsweise ein paar Tage zumachen oder mit reduziertem Personal arbeiten.

Klage in Erwägung gezogen

Hessen Mobil bestätigt, dass nur wenige Tage zwischen der Information und dem Beginn der Bauarbeiten lagen. Diese waren zwar bereits seit längerer Zeit angekündigt, der genau Zeitraum aber nicht. Die Baustelle wurde am 12. Juni eingerichtet, nach Darstellung der Behörde erging durch die beauftragte Baufirma Ende Mai, Anfang Juni eine Anwohnerinformation. Die Pressestelle von Hessen Mobil informierte am 5. Juni über die anstehende Vollsperrung der K 12, die OZ hat am 6. Juni darüber berichtet.

Viel zu kurzfristig, sagen die Lindenhof-Pächter. Sie hatten sich zwischenzeitlich deswegen sogar juristischen Rat eingeholt und eine Klage wegen der Nichteinhaltung von Fristen in Erwägung gezogen. Dabei nehmen sie die Gemeinde Mörlenbach ausdrücklich von jeder Kritik aus. „Die hatten die entsprechenden Information auch nicht bekommen“, sagen sie. Die Kommunikation mit dem Rathaus funktioniere, merken sie an.

Schwierige Zeiten

Das gilt auch Sicht des Lindenhof-Teams nicht für Hessen Mobil. Auch bei der Beschilderung der Umleitung gehen da die Meinungen auseinander. Während die Behörde auf die Ausschilderung mit den bekannten gelben Umleitungsschildern und weißen Zusatztafeln mit den Ortsnamen verweist, die auch in Geisenbach, Reisen und Weiher stünden, ist aus Sicht der Gastronomen insbesondere die Verbindung nach Rohrbach für ortsfremde Autofahrer kaum zu erkennen. Diese bekämen auf dem schmalen Verbindungsweg das Gefühl, sich verfahren zu haben.

In „normalen Zeiten“ merken sie an, sei es für den Betrieb zwar nicht schön, aber durchaus zu bewältigen, die rund zehnwöchigen Einschränkungen zu überbrücken: „Aber wir haben zwei Jahre Covid hinter uns, müssen mit deutlich erhöhten Energiepreisen und auch an anderer Stelle steigenden Kosten leben und hatten noch dazu im Frühjahr mit schlechtem Wetter zu kämpfen, was das Aufkommen an Ausflüglern reduziert hat.“ Umstände, die einen Gastrobetrieb wie den Lindenhof an seine Grenzen führen können. Denn aufgrund seiner Lage hat er keine „Laufkundschaft“. Die Gäste fällen die Entscheidung, dort einzukehren – oder eben auch nicht – bewusst.

Hoffnungsschimmer

Es mag ein (schwacher) Trost sein, dass ein Ende dieser Situation absehbar ist: Nach Auskunft von Hessen Mobil befinden sich Arbeiten an der K 12 seit dieser Woche im dritten Bauabschnitt. Dessen Abschluss ist für den 11. August vorgesehen. Dann ist zumindest Rohrbach wieder über Ober-Mumbach zu erreichen. Die Geisenbacher müssen sich allerdings bis zum Abschluss der Gesamtmaßnahme gedulden: Voraussichtlich ab dem 18. August ist die Durchfahrt auch in diesen Weiler wieder über die K 12 aus Ober-Mumbach möglich.