Sero's Praliné KeKs - Vom Dönermann zum Kioskbesitzer
Der Kiosk „Sero's Praliné KeKs“ dürfte vor allem der jüngeren Bevölkerung im Odenwald und Weinheim ein Begriff sein. Knapp anderthalb Jahre verkauft Sero schon exotische Snacks und Getränke an der Rimbacher Staatsstraße. Seit Neuestem findet sich auch ein Snackautomat nicht weit vom Kiosk.
Seit November 2022 betreibt Serxebun Saci (23) seinen Kiosk „Sero's Praliné KeKs“ in der Staatsstraße 8 in Rimbach. Zuvor arbeitete er im familieneigenen Kebabimbiss „Rimbacher Döner & Pizza“. Im Gespräch mit WNOZ verrät er, warum er seinen Betrieb im Weschnitztal eröffnet hat und warum er gerade bei der jüngeren Generation Wellen schlägt. Außerdem hat „Sero“ - so sein Spitzname - vor gut drei Wochen mit einem Snackautomaten einen „Außenposten“ für seinen Kiosk geschaffen.
„Ab 21 Uhr tote Hose“
Im Weschnitztal kennt man Seros Gesicht. Er ist nämlich Sohn und ehemaliger Mitarbeiter von Osman Saci, dem Eigentümer der Imbissbude „Rimbacher Döner & Pizza“. Mittlerweile hat Seros Bruder Baris den Imbiss übernommen und somit den Vater in den Ruhestand geschickt. „Er hat genug gearbeitet“, sagt Sero.
Wie kam es aber zum Kiosk? „Mein Bruder und ich saßen eines Abends zusammen und haben philosophiert, was in Rimbach fehlen würde. Dann kamen wir darauf, dass hier auf dem Dorf ab 21 Uhr eigentlich immer tote Hose herrscht. Wie wäre es also mit einem Späti?“ Die Brüder fanden die Idee gut und mit nur 21 Jahren machte sich Sero selbstständig - seit etwa anderthalb Jahren läuft der Laden schon. Zu haben sind hier deftige Kleinigkeiten wie belegte Brötchen und türkische Baklava, Süßigkeiten und Limonaden aus den USA wie „Dr. Pepper“, sehr scharf gewürzte „Takis“, Tabakwaren, „Vapes“ sowie extrem salzige Chips. „Mein Bruder hat zwar den Döner übernommen, aber der Kiosk ist ein Werk von uns beiden“, fügt Sero hinzu.
Eine kräftezehrende Anfangszeit
Wenn man in das Geschäft kommt, trifft man zumeist den stets gut gelaunten Chef. Nun ist es aber so, dass der Weg nicht immer so rosig verlaufen ist, gibt er zu bedenken. „Es war nicht einfach. Schlaflose Nächte und lange Arbeitstage waren nicht unüblich. Ich habe teilweise im Laden auf meinem Hocker geschlafen, weil es sich nicht gelohnt hat, nach Hause zu gehen“, sagt der 23-Jährige, „in der Anfangszeit bin ich von sechs Uhr morgens bis Mitternacht durchgehend vor Ort gewesen, weil ich schauen musste, wann die Stoßzeiten sind, damit ich meine Öffnungszeiten dementsprechend anpassen konnte.“
Mittlerweile sei das deutlich entspannter geworden. „Mein Vater hat mir immer ans Herz gelegt, geduldig zu sein. Es ist normal, dass es nicht von Anfang an reibungslos läuft. Trotzdem bin ich manchmal ins Zweifeln gekommen, wenn bei der vielen Arbeit anfangs nur so wenig bei rausspringt.“ Heute hat der Rimbacher mit seinem Kiosk 2000 Abonnenten auf Instagram und fast 60 000 auf TikTok - bezeichnend für seine Popularität. Sogar Angestellte beschäftigt sein Betrieb inzwischen, die in Teilzeit arbeiten.
Kritische Stimmen und Unterstützung
Kritische Stimmen gab es dennoch seit Beginn an. „Viele Leute haben im Vorfeld Sachen gesagt wie 'Ein Kiosk in Rimbach? Das läuft doch nicht. Das wird nichts.' Ich bin so jemand, der es genau diesen Menschen beweisen möchte - und ich habe es geschafft.“ Selbst Freunde, von denen er dachte, er könne auf sie zählen, seien bei der Eröffnung 2022 nicht erschienen.
Zumindest auf die Unterstützung seiner Familie habe er immer zählen können. Sie stand seit dem ersten Tag hinter dem Vorhaben, und bis heute werden Tipps und Ideen ausgetauscht, betont er: „Bei uns beruht alles auf Gegenseitigkeit, jeder trägt seinen Teil bei.“
Seros Erfolgsrezept
Die Bedingungen des Ladens lassen allerdings durchaus Raum für Zweifel: Der Kiosk befindet sich in einem kleineren Ort, wo es erfahrungsgemäß eher ruhig zugeht, was die Lebendigkeit auf der Straße angeht.. Außerdem gibt es in Rimbach drei Einzelhandelsketten, die Konkurrenz ist groß. Trotz allem scheint Sero eine Nische gefunden zu haben, die ihn eine Stammkundschaft aufbauen ließ. Wie kann das sein?
Der Kunde soll sich wohlfühlen
„Ich versuche, eine Bindung zu meinen Kunden aufzubauen. Auf die Menschen zugehen, sie höflich begrüßen, wenn sie mein Geschäft betreten, sich mit ihnen unterhalten – das sind sie im Einzelhandel heutzutage nicht mehr gewohnt. Die Menschen freuen sich, wenn sie zu mir kommen, weil ich mich auch freue, wenn sie kommen. Wenn sie bei dir eine gute Zeit haben, zahlen sie gerne 50 Cent mehr für ihr Getränk. Ich würde sagen, das ist eine Art Trinkgeld.“
Der Kiosk trägt Seros Namen und in gewisser Weise auch sein Gesicht. Sicherlich mitverantwortlich für den Erfolg - es kann aber auch einschränkend sein. „Die Leute kommen auf jeden Fall auch wegen mir, wegen Sero, in den Laden. Es kommt vor, dass jemand vorbeifährt und wenn er sieht, dass ich nicht persönlich da bin, er weiterfährt“, sagt der Rimbacher, „deswegen mache ich es extra so, dass ich meistens mittags und abends zu den Stoßzeiten selbst vor Ort bin und zu den anderen Zeiten ein Mitarbeiter, der zum Beispiel morgens die Schüler bedient.“ Ob es der richtige Weg war, das Geschäft um seine Person aufzubauen, wisse er nicht.
Rimbach als Standort
Bleibt immer noch der Aspekt des vielleicht ungünstigen Standorts. Durch den Döner-Imbiss kennt man Sero im Weschnitztal und mittlerweile auch darüber hinaus. So war ein gewisser Stamm an Kunden schnell gefunden. Hinzu kommt, dass sich das Geschäft in unmittelbarer Nähe zur Martin-Luther-Schule befindet. So erfreut sich vor allem die jüngere Generation an Seros Person und seinen internationalen Snacks. Der Kiosk ist zu einem regelrechten Hotspot für Jugendliche in der Region geworden.
Klebe-Invasion im Weschnitztal
Dass „Sero's Praliné KeKs“ bislang solche Wellen geschlagen hat, liegt unter anderem an seiner Medienpräsenz. „Dass TikTok und Instagram eine große Rolle für den Kiosk spielen, habe ich erstmals beim einjährigen Jubiläum richtig gemerkt. Es sind Leute nur wegen mir über zwei Stunden nach Rimbach gefahren. Ich habe mit ihnen einen Kaffee getrunken und mich lange mit ihnen unterhalten, um ihnen zu zeigen, dass der Weg nicht umsonst war.“ Des Weiteren seien die sozialen Medien praktisch, um die Leute auf dem Laufenden zu halten. Täglich werden Inhalte hochgeladen, sodass jeder weiß, was es gibt, bevor er überhaupt da ist.
Mittlerweile gibt es auch Merchandising-Produkte wie Sticker und Pullover, die sein Logo zeigen, den Stern mit dem bärtigen Gesicht. Auf der einen Seite hervorragende Werbung für ihn, auf der anderen Seite eine lustige Spielerei für die Kundschaft. „Mit den Pullovern wollte ich den Menschen ein Stück vom Kiosk mit nach Hause geben. Bei den Stickern war es ähnlich. Klar hatte ich die Intention, dass man sie ab und zu irgendwo kleben sieht. Aber dass es solche Ausmaße annimmt, hätte ich nicht gedacht.“ Die Aufkleber waren eine Zeit an jeder erdenklichen Stelle im Umkreis zu finden - an Ampeln, an Ortsschildern, überall.
Neuer Snackautomat in Rimbach
Zum Schluss hat Saci noch eine Neuigkeit: Am 23. März wurde ein „Sero's Praliné KeKs“-Snackautomat direkt neben dem Döner in der Schloßstraße 4 aufgestellt. Darin zu finden ist Ware aus dem Kiosk, aber auch einige exklusive Produkte soll es geben. Dabei handelt es sich sowohl um Snacks und Getränke, aber auch um Drogerieprodukte. Der Automat ist rund um die Uhr geöffnet und enthält eine Altersbeschränkung für entsprechende Produkte.