Wald-Michelbach

Sieben Bewerber wollen nach Wiesbaden

Für die Landtagswahl müssen sich die Bürger in der Gemeinde Wald-Michelbach am 8. Oktober erstmals für Direktkandidaten aus dem Odenwaldkreis entscheiden.

Probesitzen in der Solardraisine: Die beiden Landtagsabgeordneten und -kandidaten Sandra Funken (CDU) und Rüdiger Holschuh (SPD/Mitte) waren beim Gassenmarkt am Sonntag in Wald-Michelbach dabei. Foto: Katrin Oeldorf
Probesitzen in der Solardraisine: Die beiden Landtagsabgeordneten und -kandidaten Sandra Funken (CDU) und Rüdiger Holschuh (SPD/Mitte) waren beim Gassenmarkt am Sonntag in Wald-Michelbach dabei.

Es war eine Entscheidung der Landesregierung, die vor Ort auf viel Kritik stieß, aber letztlich muss sie nun ganz einfach umgesetzt werden: Zum ersten Mal seit der Kommunalen Gebietsreform wird die Gemeinde Wald-Michelbach bei einer Landtagswahl dem Odenwaldkreis zugeordnet. Dementsprechend werden die Direktstimmen in der Überwälder Kommune beim Urnengang am Sonntag, 8. Oktober, nicht an die Landtagskandidaten des Wahlkreises Bergstraße Ost vergeben, sondern an die Bewerber aus dem Odenwaldkreis. Neben Wald-Michelbach sind auch die dem Kreis Bergstraße zugehörigen Städte Hirschhorn und Neckarsteinach davon betroffen.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Sieben Kandidaten treten im Odenwaldkreis an.

Sandra Funken (CDU)

Wieder in den Landtag einziehen will Sandra Funken für die CDU. Die 42-Jährige wurde in Erbach geboren und lebt mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Michelstadt. Die Verwaltungsfachwirtin sammelte viel politische Erfahrung als persönliche Referentin des damals noch als Innenminister fungierenden, heutigen Ministerpräsidenten Boris Rhein und anschließend als Büroleiterin ihrer Vorgängerin Judith Lannert. Als sie 2018 dann selbst kandidierte, konnte sie sich mit hauchdünnem Vorsprung von 0,2 Prozentpunkten (28,4 Prozent) vor ihrem SPD-Konkurrenten Rüdiger Holschuh (28,2) durchsetzen und auf Anhieb den Einzug in den Landtag schaffen. Hier hat sie in diesem Jahr den Vorsitz im Ausschuss für Digitales und Datenschutz übernommen.

Im Falle ihrer Wiederwahl will sie sich vor allem für die Stärkung des ländlichen Raums einsetzen, der durch gute Perspektiven für die Zukunft lebenswert und attraktiv bleiben soll. Dafür brauche es eine starke Infrastruktur, weshalb sie sich für die schnelle Umsetzung der Ausbauvorhaben auf der B 38 und der B 45, eine zeitnahe Modernisierung der Odenwaldbahn sowie für ein flächendeckendes schnelles Internet starkmachen will.

Rüdiger Holschuh (SPD)

Der Sozialdemokrat Rüdiger Holschuh wurde 1967 in Beerfelden-Gammelsbach geboren. Er lebt mit seiner Ehefrau in Beerfelden, wo er als Verwaltungsfachwirt in der Stadtverwaltung tätig war. Im Alter von 28 Jahren wurde er für die SPD in den Kreistag gewählt, wo er 2003 das Amt des Kreistagsvorsitzenden übernahm. Seit 2021 ist er Vizepräsident des Hessischen Landkreistages. „Dadurch bin bestens anerkannt und vernetzt“, erklärt er auf seiner Homepage. Bei seiner ersten Landtagskandidatur 2013 unterlag er zwar der CDU-Bewerberin Judith Lannert, zog aber dank eines guten Platzes auf der Liste der hessischen SPD in das Parlament in Wiesbaden ein. 2018 fehlten ihm 99 Stimmen für das Direktmandat, im Dezember 2021 rückte er dann für Nancy Faeser, die als Bundesinnenministerin nach Berlin umzog, nach.

Holschuh stehe für Kompetenz und Tatkraft sowie Wertschätzung für die Region. „Ich bin einer, der die Region im Herzen trägt und sich dafür engagiert“, erklärt er auf seiner Homepage. Mit seiner fundierten Ausbildung und den langjährigen Erfahrungen in politischen Führungsämtern sieht er sich den anstehenden Herausforderungen gewachsen. Der Landesregierung aus CDU und Grünen wirft er vor, dass es ihr an Investitions- und Gestaltungswillen fehle, deshalb sei es Zeit für eine Veränderung, sieht er die Zeit für eine Ministerpräsidentin Nancy Faeser gekommen.

Frank Diefenbach (Grüne)

Für die Grünen will Frank Diefenbach (Bild: Grüne) wieder in den Landtag einziehen. Er wurde 1969 in Jugendheim geboren und lebt heute in Michelstadt, wo 2016 auch seine politische Laufbahn als Stadtverordneter begann. Bis 2018 war er als Lehrer am Gymnasium in Michelstadt tätig, dann schaffte er über die Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen den Einzug in den Landtag, wo er Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie im Kulturpolitischen Ausschuss ist.

Diefenbach will sich in der kommenden Wahlperiode für den sozial-ökologischen Umbau Hessens einsetzen und der Region Odenwald in Wiesbaden eine starke Stimme geben. „Den ländlichen Raum weiter zu stärken und hier ein verlässliches Angebot in allen Bereichen der Daseinsvorsorge zu sichern, ist mir eine Herzensangelegenheit“, führt er auf seiner Homepage aus.

Moritz Promny (FDP)

Einen prominenten Kandidaten schickt die FDP mit Moritz Promny ins Rennen, schließlich hat er als Geschäftsführer der hessischen Liberalen eine führende Rolle im Landesverband der Liberalen inne. 1980 in Friedrichshafen geboren, wuchs er in Michelstadt auf und war als Rechtsanwalt und als Jurist in einem mittelständischen Unternehmen in der Baubranche tätig. Er ist mit einer Britin verheiratet und Vater von drei Kindern. Neben seinen Tätigkeiten als Stadtverordneter in Michelstadt und Kreistagsabgeordneter kandidierte er 2018 erstmals für den Landtag. Das Direktmandat verpasste er zwar mit 8,5 Prozent Stimmenanteil, schaffte aber über seinen guten Listenplatz den Sprung ins Parlament. Dort ist er bildungspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion.

Promny steht für einen freiheitlichen und aufklärerischen Gesellschaftsentwurf: ein Bildungssystem, das von Beginn an Chancengerechtigkeit garantiert, ohne Ergebnisgleichheit am Ende bewirken zu wollen. Die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft und der demokratische Rechtsstaat sind dafür wesentliche Eckpfeiler, heißt es auf seiner Homepage. Weitere Schwerpunkte sind für ihn die Infrastruktur und die Wirtschaft in Hessen.

Dr. Bernd Engemann (AfD)

Für die AfD tritt Dr. Bernd Engemann an. Er ist Jahrgang 1949 und wohnt in Michelstadt. Der Diplom-Ingenieur ist bei der vergangenen Kommunalwahl für die AfD in den Kreistag des Odenwaldkreises eingezogen und kandidiert nun für ein Mandat im Landtag.

Anton Stortchilov (Die Linke)

Der Landtagskandidat für die Linke heißt erneut Anton Stortchilov. Der Vorsitzende des Kreisverbands hatte schon vor fünf Jahren kandidiert, war aber mit einem Stimmenanteil von 6,2 Prozent gescheitert. Der 36-jährige Historiker wohnte bis 2022 in Michelstadt, zog dann aber nach Offenbach, führt aber weiterhin den Odenwälder Kreisverband an. „Ich will in erster Linie der Linken im Odenwaldkreis ein Gesicht geben“, schreibt Stortchilov auf der Homepage des Kreisverbands. Als wichtigstes Anliegen, das er im Landtag anstoßen würde, nennt er den Ausbau zweigleisiger Abschnitte auf der Odenwaldbahn. Auch bei der Wohnraumproblematik sieht er demnach Handlungsbedarf.

Gina Tomada (FW)

Für die Freien Wähler hat die 33-jährige Gina Tomada aus Höchst-Hetschbach (Bild: FW) ihren Hut in den Ring geworfen. Die zahnmedizinische Fachangestellte ist im Vorstand des Kreisverbands als Kreisschatzmeisterin tätig.