Weiberfastnacht

So kommt Fürth mit Frauenpower zur B38a

Bei einer rasanten Fastnachtsshow nehmen die "Feerder Weiwer" die Sache mit der Umgehungsstraße selbst in die Hand – mal voller Klamauk, mal mit verschmitztem Humor.

(K)Ein eingespieltes Team: die neuen Praktikanten und die Bauleitung. Foto: Fritz Kopetzky
(K)Ein eingespieltes Team: die neuen Praktikanten und die Bauleitung.

Fürth. Die Menschen im Weschnitztal können aufatmen: Das lange Warten auf die Umgehungsstraße hat bald ein Ende – denn nun nehmen die „Feerder Weiwer“ die Dinge selbst in die Hand. Bei den drei ausverkauften Prunksitzungen der Frauenfastnacht demonstrierten sie, wie zügig es mit der B 38a gehen könnte, wenn weibliche Spitzfindigkeit männliche Trägheit ersetzt. „Bau sucht Frau“ heißt die Devise – und wenn „Vergessen Mobil“ über den „aktuellen Stillstand“ auf dem „Schneckenabschnitt“ von A wie Altlechtern bis Z wie Zotzebescher Kreisel „podcastet“, dann bleibt vielleicht der Asphalt, aber zumindest kein Auge trocken.

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Es ist ein vierstündiges Feuerwerk an Pointen – mal herrlicher Blödsinn, mal tiefsinniger Humor –, Gesang und Tanz, das die Fürther „Weiwer“ abbrennen. Eine moderne Fastnachtsshow ohne Längen, bei der die einzelnen Programmpunkte nahtlos ineinander übergehen. Dem (bis auf ganz wenige Ausnahmen) ausschließlich weiblichen Publikum, das an drei Abenden aus der ganzen Region in die TV-Halle pilgert, bleibt kaum Zeit zum Luftholen.

Wunderbare Kostüme und aufwendige Choreografien prägten die Tanzeinlagen bei der Fürther Frauenfastnacht. Foto: Fritz Kopetzky
Wunderbare Kostüme und aufwendige Choreografien prägten die Tanzeinlagen bei der Fürther Frauenfastnacht.

Die „Närrinnen“ kommen aus dem Stand auf Touren, als sie mit dem ersten von mehreren, bemerkenswert professionellen Filmbeiträgen in die Handlung des Abends eingeführt werden: Genervte Autofahrerinnen im täglichen Weschnitztaler Stau – die mal zwischendurch am Lenkrad die Wäsche bügeln oder ihr Baby großziehen, ehe es wieder ein paar Meter weitergeht – haben die Faxen dicke und machen sich an die Arbeit: Jetzt wird die B 38a in Eigeninitiative gebaut.

Mehr Weg für die Natur

Kleine Anfangsschwierigkeiten beim Vermessen – „Waschd du, woas senkräschd iss?“ – sind bald überwunden und erste innovative Überlegungen angestellt: „Wärs nedd oafacher, Merleboch oabzureiße unn um e Schdrooß, die schunn färdisch iss, drumrumm wärre uffzubaue?“ Alles natürlich auch im Sinne der Natur, denn eine Umgehungsstraße erhöht schließlich den Wegeanteil und „mehr Weg“ gilt immerhin als ökologisch.

Kein Wunder, dass auch der Artenschutz ernst genommen und Fledermäusen Hilfestellung bei der Suche nach einer neuen Behausung gewährt wird. Mit „Hängezertifikat“ in den Tunnel Berkersklamm umsiedeln? Oder lieber gleich komplett auf eine andere Tierart umschulen? „Als Schloang kennd isch a beim Laafe laije!“

Zwischen herrischen Bauleitungen, überforderten Praktikanten, redseligen Vergessen-Mobil-Podcastern und pausenorientierten Bauarbeitern tummeln sich entlang der entstehenden B 38a an diesem Abend auch einige Sängerinnen von bemerkenswerter Qualität. Sie „drehn hier schon seit Stunden“, wie einstmals Herbert Grönemeyer, ihre Runden, träumen von „Bella Napoli“ oder der „Liebe auf der Rückbank“. Wie von der Fürther Weiwerfasnoachd gewohnt, wird „live“, ohne Gesangsplayback, gesungen – das Publikum ist begeistert und jeweils schnell von den Sitzen.

Gleiches gilt für die tollen Tanzdarbietungen, bei denen nicht nur die Choreografien für Bravo-Rufe sorgen, sondern immer wieder auch die herrlichen Kostüme: von den feurigen (Un-)Toten, die von den Arbeitern versehentlich zum Leben erweckt werden, bis zu den auf Baustellen unverzichtbaren Dixi-Toiletten, die eine flotte Sohle riskieren.

Der Saukopftunnel ist sauer

Danach ist dem Saukopftunnel eher nicht zumute, der mit seinem „saubleede Noame“ hadert und sich für diese Demütigung auf spezielle Art rächt: „Isch loss als emol enn Oabgas-Bumbes, doann binn isch wärre e paar Näschd loang gschberrd!“

Eben sowenig zufrieden sind die Mitglieder von Strickliesel e. V., deren Jahresausflug auf ein Eiland führen soll und ausgerechnet auf der Fürther Verkehrsinsel endet. Dabei sind die Urlaubskriterien doch erfüllt: „ökologisch, erschwinglich unn veel Verkehr!“ Womit das Thema (Umgehungs-)Straßenstrich auf dem Tisch wäre. Zwei gestandene Bordsteinschwalben arbeiten den Nachwuchs an der neuen Trasse schon einmal ein – und verleihen dem Ratschlag „Augen auf im Straßenverkehr“ dabei eine völlig neue Bedeutung.

Alternativen zum Autofahren

So langsam schwant es freilich dem Publikum, dass die B 38a trotz weiblicher Tatkraft eher ein längerfristiges Projekt bleibt. Da hilft auch das konsequente Gendern – „aufziegen“ statt „aufbocken“ – nichts. Die Bauarbeiter machen sich, gestresst von den vielen Pausen, schon einmal auf die Suche nach neuen Jobs und lassen als „Schibbendäils“ Frauenherzen höherschlagen.

Deshalb machen zwei Lehrerinnen das Publikum auch schon einmal mit alternativen Möglichkeiten vertraut, von Fürth nach Weinheim zu kommen. In aufwendig produzierten und herrlich komischen Filmsequenzen testen sie das futuristische Beamen ebenso wie das Durchqueren der Kanalisation, die Flussschifffahrt auf der Weschnitz oder das Fliegen, vom Trommturm als Startrampe aus – regelmäßig flankiert von Missgeschicken, Irrungen und Bruchlandungen.

Die Zuschauerinnen haben ihre helle Freude und werden mit dem Stimmungskracher „Aperol Spritz“ dann doch auf die feierliche Einweihung der neuen Umgehungsstraße vorbereitet. Dass die Euphorie über die fertige B 38a umgehend auf „Blitzer-Fotos“ verewigt wird, kann die Stimmung nicht mehr bremsen. Schließlich hat das Landratsamt 100 Tempo-30-Schilder zum Preis von einem bekommen – mutmaßen die „Weiwer“.

„Ich will Spaß“, klingt es aus den Boxen und bald gibt es wieder Stau – diesmal verursacht von der Polonaise quer durch den Saal, mit der ein fröhlicher Restabend eingeläutet wird.

Fazit: Die „Feerder Weiwerfasnoachd“ ist ihrem Ruf als eine der besten Veranstaltungen ihrer Art in der Region wieder vollauf gerecht geworden. Glücklich können sich die wenigen Männer schätzen, die alljährlich dabei sein dürfen.

Erlös für die KJG

Wie in jedem Jahr lässt der Katholische Frauenbund Fürth als Veranstalter der Weiwerfasnoachd den Erlös wieder einem sozialen Zweck zukommen. In diesem Jahr wird die KJG Fürth bedacht, die Spende dient der Finanzierung der großen Zeltlager in den Sommerferien.

Auch die Mitarbeiter des gemeindlichen Bauhofes dürfen sich freuen: Ihnen winkt ein Frühstück als Dank für die Unterstützung der Fastnachtssitzungen mit Baustellenutensilien.