Fürth

Standing Ovations krönen den Abend

Katholische Kirchenmusik Fürth begeistert das Publikum in der voll besetzten HBS-Halle und schafft den würdigen Rahmen für das Dirigentenjubiläum von Wilco Grootenboer.

Die ganze Bandbreite ihres Könnens zelebriert die Katholische Kirchenmusik Fürth beim Jubiläumskonzert in der HSB-Halle in Fürth.     Bilder: Thomas Gierth Foto: Thomas Gierth
Die ganze Bandbreite ihres Könnens zelebriert die Katholische Kirchenmusik Fürth beim Jubiläumskonzert in der HSB-Halle in Fürth. Bilder: Thomas Gierth

Es war ein außergewöhnlicher Konzertabend, den die Katholische Kirchenmusik Fürth (KKM) ihrem begeisterten Publikum in der voll besetzten Halle der Heinrich-Böll-Schule (HBS) präsentierte. Am Ende wurde das Orchester mit Standing Ovations gefeiert – und der donnernde Applaus galt besonders auch dem Mann, der diese musikalische Qualität überhaupt erst ermöglicht hat: Dirigent Wilco Grootenboer. So war das Konzert der würdige Rahmen für dessen Jubiläum, denn der Dirigent leitet die KKM nun seit 10 + 2 Jahren.

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Glücksfall für die KKM

Dass es den 55-jährigen Niederländer der Liebe wegen nach Deutschland und hier dann auch in den Odenwald verschlug, sollte sich als Glücksfall für die KKM erweisen, wie Vorsitzender Berthold Lannert, der charmant und humorvoll durch das Programm führte, in seiner Laudatio hervorhob. Angesteckt von der musikalischen Leidenschaft des Vaters, übernahm Wilco Grootenboer schon mit 20 Jahren sein erstes Orchester.

Nach dem Studium und Engagements bei mehreren Formationen zog es ihn im Jahr 2000 ins Nachbarland, wo er über den Raum Unter-franken an die Bergstraße kam. 2007 übernahm er die Stadtkapelle Heppenheim, seit 2011 ist er Dirigent der KKM. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Fürther Kapelle zu einem konzertanten Orchester, wie die Besucher dann auch am Samstagabend feststellen konnten. So hätte schon 2021 das Jubiläumskonzert stattfinden sollen, doch da kam der KKM die Corona-Pandemie dazwischen. Umso mehr freute sich Lannert, dass nun das erste Konzert seit vier Jahren auf solch einen großen Zuspruch stieß. Dankesworte zollte er hier auch den vielen Helfern sowie vor allem dem TV Fürth für die große Unterstützung.

Der Vorsitzende gab auch einmal einen Einblick in die anspruchsvolle, monatelange Probenarbeit. Mit Schmunzeln merkte er dabei an, dass die Niederlande nicht gerade für Vulkane bekannt seien, man in den Proben der KKM aber ab und an auch mal den Ausbruch eines solchen in Person des Dirigenten erleben könne.

Bei einem Orchester komme es auf die Harmonie an, und das meinte Bernhard Frey, im Vorstand des Diözesanverbands der Bläserchöre des Bistums Mainz für Hessen zuständig, im doppeldeutigen Sinne, denn zum einen betreffe dies die musikalische Seite, zum anderen die Zusammenarbeit von Dirigent und Aktiven. „Beides stimmt bei der KKM“, stellte er angesichts der hohen Qualität des Orchesters fest. Er gratulierte Wilco Grootenboer zu seinem Dirigentenjubiläum und zeichnete ihn mit Urkunde und auch der Ehrennadel des Bundes deutscher Musikverbände aus. Von der KKM gab es eine weitere Urkunde und ein Weinpräsent dazu.

Viele Freunde gewonnen

Eigentlich wollte er gar nicht das Mikrofon ergreifen, aber nach so vielen Würdigungen richtete der Geehrte auch das Wort ans Publikum – und an seine Musiker. Als er zum ersten Gespräch vor über zwölf Jahren mit Berthold Lannert zusammengesessen hatte, habe er sofort gemerkt, dass er und die KKM zusammenpassen würden. Die vergangenen zwölf Jahre hätten diese erste Einschätzung bestätigt, und er habe hier auch viele Freunde gewonnen, erklärte der sichtlich gerührte Wilco Grootenboer – um dann gleich wieder den Taktstock für seine Musiker zu schwingen. Was für ein musikalisches Niveau die KKM unter seiner Leitung inzwischen zu bieten hat, bewiesen die Musiker auf eindrucksvolle Weise. Da gab es reihenweise Gänsehaut-Momente, beispielsweise bei dem Arrangement aus dem mit dem Oscar prämierten Soundtrack des Films „König der Löwen“. Ihre ganze Klasse zeigte das Orchester gerade auch beim zwölfminütigen und sehr anspruchsvollen Stück „Utopia“, vor allem bei den ruhigen und getragenen Passagen saß jeder Ton – und man fragte sich unweigerlich, ob da tatsächlich „nur“ Freizeitmusiker am Werk waren.

Im übertragenen Sinne war dann auch die Komposition „Friends For Life“ zu sehen, merkte Lannert mit Blick auf das Verhältnis mit dem Dirigenten an. Dass die KKM auch Big-Band-Sound kann, demonstrierte sie mit dem Swing-Klassiker „Sing, Sing, Sing“.

Laute Zugabe-Rufe

Auch im zweiten Programmteil riss das Orchester das Publikum mit, ob beim beschwingten „A Hunting Celebration“ oder der „Heublumen-Polka“, einem eher traditionellen Blasmusik-Werk. Als nach dem „Bohemian Galopp“ und dem Stück „Sympatria“ der offizielle Teil zu Ende war, hielt es das Publikum nicht mehr auf den Sitzen. Begeisterter Applaus und vehemente Zugabe-Rufe sorgten dafür, dass die Musiker gerne noch einmal ihre Instrumente in die Hand nahmen. Beim Volkslied „Kein schöner Land“, intoniert von der Vize-Dirigentin und Konzertsängerin Sabrina Keller, waren die Besucher zum Mitsingen eingeladen – und als dann zum endgültigen Abschluss „Get Up And Go“ erklungen war, verweilten viele Besucher dennoch in der HSB-Halle und feierten mit der KKM.

Inklusive Wilco Grootenboer standen 54 Musiker auf der Bühne. „Das ist eine stolze Zahl“, hob Lannert hervor. Besonders freute es ihn, dass einige von ihnen ihren ersten öffentlichen Auftritt hatten, darunter Nachwuchstalente, aber auch Quereinsteiger. So wies er auch in seinen Schlussworten darauf hin, dass die KKM für jegliche Verstärkung offen sei. „Uns war es wichtig, die Stücke, die sich unser Dirigent gewünscht hatte, gut vorbereitet zu haben, um in ganzer Breite und mit Gehalt orchestrale Blasmusik präsentieren zu können“, sagte er. Dass der KKM das gelungen war, zeigte der anhaltende Applaus am Ende eines bemerkenswerten Abends.