Wald-Michelbach

Sucht - es kann jeden treffen

Der Vorstand des Caritasverbands Darmstadt, Winfried Hoffmann, informierte im Wald-Michelbacher Haupt- und Finanzausschuss über ein Problem, das viele betrifft.

In Wald-Michelbach fanden im vergangenen Jahr 120 Gespräche mit Betroffenen und auch mit Angehörigen statt. Hauptsächlich nutzten Betroffene mit Alkoholproblemen das Beratungsangebot der Caritas. Foto: Fritz Kopetzky
In Wald-Michelbach fanden im vergangenen Jahr 120 Gespräche mit Betroffenen und auch mit Angehörigen statt. Hauptsächlich nutzten Betroffene mit Alkoholproblemen das Beratungsangebot der Caritas.

4000 Euro bekommt die Suchthilfe im Kreis Bergstraße jedes Jahr auf freiwilliger Basis von der Gemeinde. In der vergangenen Gemeindevertretersitzung wurde die seit 30 Jahren bestehende Zusammenarbeit fortgesetzt. Gleichzeitig gab es den Wunsch, dass sich die bedachten Organisationen im Haupt- und Finanzausschuss mit ihren Aktivitäten vorstellen. Für den Caritasverband Darmstadt tat das nun Winfried Hoffmann.

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40 Suchteinrichtungen

Etwa 40 Einrichtungen gibt es im Verband, dem auch der Landkreis Darmstadt-Dieburg, Bergstraße und der Odenwaldkreis angehören, informierte er. Sie sind in den Bereichen Suchtberatung und -therapie tätig. Der Vorstand dankte für die „sehr wertvollen“ freiwilligen Leistungen. Dadurch sei es möglich, in Wald-Michelbach eigene Beratungsmöglichkeiten anzubieten. Davon profitieren können Menschen, die von einer Suchterkrankung betroffen sind, informierte Hoffmann. Oder solche, die denken, dass es ein Problem geben könnte.

Auch für Angehörige ist die Caritas ein Ansprechpartner. Bei einer Sucht vermittelt man weiter in stationäre oder ambulante Therapieangebote, erläuterte er. Dazu gibt es spezielle, fachlich orientierte Programme, in die man die Betroffenen schicken könne.

Ziel: Alkoholkonsum reduzieren

Beim Thema Alkohol nennt sich das etwa „kontrolliertes Trinken“. Hier soll ein bewusster Umgang mit dem Ziel vermittelt werden, den Konsum zu reduzieren.

Auch unterstützt die Caritas beim sogenannten MPU-Verfahren, wenn jemand wegen Alkoholkonsums den Führerschein verloren hat. Sie ist vernetzt mit Ärzten und Jobcentern. In Wald-Michelbach hatte man im vergangenen Jahr 30 Klienten, erläuterte Hoffmann. Es fanden 120 Gespräche vor allem mit Betroffenen statt, manche auch mit Angehörigen.

Der Schwerpunkt lag auf Alkohol, was sich mit dem bundesweiten Aufkommen deckt. Man habe die Menschen in stationäre und ambulante Reha-Einrichtungen vermittelt, sagte der Caritas-Vorstand. Zehn Prozent der Betroffenen im Kreis Bergstraße, die bei der Caritas Hilfe suchen, sind unter 25 Jahren alt, erklärte er. 37 Prozent sind zwischen 25 und 45 sowie 47 Prozent 45 bis 65 und sechs Prozent über 66 Jahre alt.

Die Sucht zieht sich „durch alle Bevölkerungsschichten und -gruppen“, betonte er, somit quer durch die Gesellschaft. Im Kreis Bergstraße ist seinen Worten zufolge fachkundiges Personal im Einsatz. Therapeutisch lässt sich laut Hoffmann viel machen, aber auch vorbeugend durch Prävention. Die Gemeinde leiste einen kleinen, aber wichtigen Teil zur Finanzierung. Auch der Kreis steuert Gelder bei, dazu kommen Eigenmittel der Caritas. In der Statistik werden alle Hilfesuchenden erfasst, meinte er auf Frage von Hans Trumpfheller (FWG) – also auch solche, die nur einmal vorbeikommen.

Stabiles Umfeld wichtig

Stefan Doetsch (CDU) wollte wissen, wie eine Behandlung abläuft. Wenn jemand selbst erkennt, dass eine Abhängigkeit vorliegt, fängt diese mit der Entgiftung in einer Klinik an, skizzierte der Caritas-Vorstand. Es folgen zwölf bis 14 Wochen als stationäre oder ambulante Reha-Maßnahme. Dem schließt sich eventuell die Nachsorge an. Wenn das soziale Umfeld stabil ist, könnte der Betroffene zurück in die Arbeit. Wenn es nicht passt, gibt es sogenannte Adaptionseinrichtungen. Dort werden die Klienten über mehrere Wochen begleitet. Es wird ein neues soziales Umfeld aufgebaut, vielleicht in einen neuen Job vermittelt. Auch gibt es die Möglichkeit, über betreutes Wohnen zu unterstützen.

Das kostet zwar einiges, „aber es gibt viele gute Behandlungserfolge“, betonte Hoffmann. Allerdings kann dies alles nur auf freiwilliger Basis geschehen.