Theater an der MLS Rimbach: Wenn die Mafia zum Kaffeekränzchen kommt
Mit einem idyllischen Kaffeenachmittag begann „Lottes lästige Leichen“, die neueste Produktion des Oberstufentheaters „DieVerses“ an der Martin-Luther-Schule in Rimbach und beweist, was Schülertheater alles leisten kann.
Rimbach. Ein zartes Klirren von Kaffeetassen, ein leises Rascheln von Karten, dazu ein verschmitztes Lachen: So beginnt „Lottes lästige Leichen“, die neueste Produktion des Oberstufentheaters „DieVerses“ an der Martin-Luther-Schule in Rimbach. Mit Schwung und großer Lust am Spiel präsentierte das Oberstufentheater an gleich drei Abenden in der kleinen Aula die deutsch-italienische Krimikomödie von Christine Steinwasser.
Drei ältere Damen (Sophia Tobias, Nina Axt und Lena Frank), allesamt noch erstaunlich vital, genießen ihr wöchentliches Kaffeekränzchen im ehrwürdigen Haus von Charlotte Liebermann – und pflegen nebenbei ihre Pokerleidenschaft.
Voller Familientrubel
Was zunächst als gemütliches Damenkränzchen beginnt, eskaliert binnen Minuten zum grotesken Familienaufmarsch: Giacomo „Black Jack“ Nero, Charlottes italienischer Neffe, stolziert mit seiner exzentrischen Familie in den Salon und wirbelt die gemächliche Ordnung der Damen durcheinander.
Plötzlich wird aus der Kaffeerunde eine turbulente Mischung aus Mafiosi, Geliebten, eifrigen Dienstmädchen und einer übereifrigen Kommissarin – und die Bühne wird Schauplatz für ein Feuerwerk aus Verwechslungen, Intrigen und schrägem Humor. Immer neue Pläne, die ungebetenen Gäste loszuwerden, scheitern an skurrilen Wendungen und der Kommissarin Berta Frauentöter, die wie ein überdimensionierter Stolperstein immer wieder in die Handlung platzt.
Dass dabei nicht nur die Vorlage, sondern auch selbst entwickelte Szenen ihren Platz fanden, machte die Aufführung frisch, frech und unverwechselbar. Das Ensemble bewies bemerkenswerte Spielfreude. Sophia Tobias verlieh Fräulein Lotte jene Mischung aus resoluter Würde und verschmitztem Witz, die das Stück trägt. Nina Axt und Lena Frank standen ihr als Freundinnen Amalie Fischer und Beate Nachtmeister pointensicher zur Seite, während Franka Füchter als korrekt-schnippische Haushälterin Dominique glänzte.
Felice Elsner, Mareike Klaucke und Katharina Sürie brachten als Dienstmädchen zusätzlichen Schwung auf die Bühne. Den mafiosen Clan führten Joschua d’Idler als imposanter Giacomo Nero und Elena Ackermann Ferrari als seine Frau Valentina an, flankiert von Mathilda Hoppe, Lilli Frank und Lea Marie König als temperamentvolle Nachkommen und Geliebte. Jonah und Liliana Teichert setzten als Leibwächter Marco und Nico physische Akzente, während Nina Axt in einer Doppelrolle zusätzlich als Kommissarin brillierte.
Auch hinter den Kulissen zeigte sich, wie viel Engagement in der Produktion steckte: Soufflage übernahmen alle gemeinsam, Maske und Schminke lagen bei Nina Axt, das Plakat entwarf Felice Elsner. Stefanie Englert zeichnete verantwortlich für Liedtexte, Choreografien, Audiozusammenstellung und die Gesamtleitung – unterstützt von Jonah und Liliana Teichert bei den Tanzeinlagen. Für Licht und Ton sorgte das Technikteam der Schule.
Inszenierung voller Energie
So entstand eine detailverliebte Inszenierung, die mit präzise gesetzten Pointen den Abend zu einem Erlebnis machte: Mal leise ironisch, mal überdreht und slapstickhaft, immer aber voller Energie, nahm das Stück die Zuschauer mit auf eine wilde Fahrt zwischen Kaffeekränzchen, Krimi und Komödie.
Am Ende dankte das Publikum mit herzlichem Applaus für eine Vorstellung, die zeigte, was Theater in Schülerhand leisten kann. „Lottes lästige Leichen“ war nicht nur ein vergnüglicher Krimiabend, sondern ein Manifest jugendlicher Spielfreude und Kreativität. (mpa)