Musikszene

Unsere Spuren auf der Erde und im Leben

Clemens Bittlinger hat mit seiner Band ein neues Album aufgenommen. Über diverse musikalische Stile hinweg beherrscht die Suche nach kleinen und großen Fußabdrücken die Texte. Der Release findet in Weinheim statt.

Auf Spurensuche: Der Rimbacher Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger hat mit seiner Band ein neues Album aufgenommen. Foto: Sanna Sound
Auf Spurensuche: Der Rimbacher Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger hat mit seiner Band ein neues Album aufgenommen.

Rimbach. Das Bild ist stark – obwohl sein Motiv fragil ist: die Erde von den Ringen des Saturn aus gesehen, ein winziger Punkt in den Weiten des Universums. Der Rimbacher Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger hat sich davon inspirieren lassen: "Kleine blaue Murmel" heißt ein wunderbares Lied auf seinem neuen Album "Spuren", das Anfang Juni erscheinen wird. "Kleine blaue Murmel" – ein leiser, nachdenklicher Song. Fast so zerbrechlich wie der Planet, der darin besungen wird. "Wenn wir uns von der Erde lösen, sie als kleines Wunder im endlosen All begreifen, dann zeigt sich, was für ein Wahnsinn es ist, dass wir hier so viel Energie darauf verwenden, uns gegenseitig zu bekriegen", sagt der 63-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Der Krieg mitten in Europa, die drohende Klimakatastrophe, die nachwirkende Pandemie: Das Album ist im Schatten multipler Krisen entstanden. Bittlinger kann und will sich in seinen Texten davon nicht freimachen und legt dennoch Wert darauf, eine positive Botschaft zu transportieren und Mut zu machen: "Wir sollen nicht in Angst oder Schockstarre verfallen, sondern die Phantasie und die Möglichkeiten, die wir haben, nutzen." Wir können etwas tun, um die Dinge zu verbessern – das ist der Grundtenor der 14 Songs, die es auf das Album geschafft haben. "Liebevolle Achtsamkeit" (Bittlinger) gegenüber den Mitmenschen, der Umwelt und der Erde wird vermittelt. Dabei gehen die Musiker mit gutem Beispiel voran: Die CD wird klimaneutral aus Recyclingmaterial produziert.

Spuren – der Albumtitel wird auf unterschiedliche Weise verhandelt: Welche Spuren hinterlasse ich selbst als ich Mensch? Aber auch: Welche Spuren suche und finde ich? Welchen Spuren kann ich folgen? Die Palette ist groß: vom ökologischen Fußabdruck, den jeder einzelne auf der Erde hinterlässt, bis zum zarten Duft, den Blumen ausströmen. "Eine Spur, der ich mit der Nase folge, und die mich ins Grübeln bringt: Wie macht die Blume das?" "Staunen und verstehen", heißt das Lied dazu, das den christlichen Schöpfergedanken aufgreift.

So divers der musikalische Ansatz auf "Spuren" ist – von rockigen Elementen, über Einflüsse aus dem Folk bis zu typischen Balladen – so breit ist auch die inhaltliche Herangehensweise. Nachdenkliche Passagen, philosophische Exkurse und mutmachende Zeilen schließen auch Humor nicht aus. Dieser schlägt insbesondere in dem Stück "Der inn‘re Schweinehund" durch. Bittlinger thematisiert dabei seine "Selbstverpflichtung", jeden Tag eine Stunde zu Walken: "Dabei sehe ich viele Menschen, die mit ihrem Hund Gassi gehen – und spüre, dass ich selbst einen solchen dabei habe, wenngleich nicht materiell", sagt er lachend.

Neben Eigenkompositionen hat es auch ein Cover auf das Album geschafft: "The Dutchman", von Michael Peter Smith 1968 geschrieben und in der Version von Liam Clancy 1980 bekannt geworden. "Ich habe den Song vor 40 Jahren das erste Mal gehört und seitdem begleitet er mich", sagt der Rimbacher Liedermacher. Behandelt wird die liebevolle und fürsorgliche Beziehung eines alten Ehepaars vor dem Hintergrund der Demenz eines der Partner.

Nicht nur bei diesem Stück hat Bittlinger weitere musikalische Unterstützung aus dem Weschnitztal: vom Saitenvirtuosen Adax Dörsam. Auch dessen Bruder Matthias hat bei den Aufnahmen mitgewirkt, von ihm stammt unter anderem ein großartiger Saxophon-Part auf "Kleine blaue Murmel". Arrangiert und produziert hat das Album Bittlingers langjähriger Begleiter und Mitmusiker David Plüss, vertrieben wird es über Sanna Sounds. Nach der einjährigen Arbeit an diesem neuen Material widmet sich der Rimbacher Liedermacher mit seiner Band nun wieder verstärkt den Live-Auftritten. 100 Konzerte pro Jahr sind das selbstgewählte Pensum. Das ist für 2023 bereits ausgebucht, für 2024 gibt es noch zehn freie Termine. In diese Region kommen die Musiker im Dezember für das Programm "Bilder der Weihnacht" in Rimbach.

Auf Tour ist Clemens Bittlinger auch weiterhin mit dem Astrophysiker Dr. Andreas Burkert. „Wir sind nicht allein – Leben im Weltall“ heißt das neue gemeinsame Programm. Es ist inspiriert davon, dass in Alpha Centauri, das Sonnensystem, das unserm eigenen am nächsten liegt, zwei Planeten in der sogenannten habitablen Zone entdeckt worden sind – also dort, wo theoretisch Leben möglich ist. "Das scheint zum Greifen nah, wir bräuchten aber 2000 Generationen, um dorthin zu gelangen", erklärt der evangelischen Pfarrer. Daraus reift die Erkenntnis: "Wir sind zwar Kinder des Weltalls, aber nicht gemacht, um darin zu leben."

Womit die "Kleine blaue Murmel" wieder in den Fokus rückt und die Notwendigkeit, sie zu bewahren. Mut und Zuversicht für diese komplexe Aufgabe schafft das "Hirtenwort", mit dem das Album abschließt. Darin heißt es: "Ihr braucht euch nicht zu fürchten, ihr, die ihr diesen Ort, die Welt, so wohl verwaltet, behütet, hegt und pflegt, die Erde so gestaltet, dass sie auch künftig trägt."

Die Premiere des neuen Albums „Spuren“ von Clemens Bittlinger ist am Sonntag, 4. Juni, im Modernen Theater in Weinheim. Ab 11.30 Uhr wird ein Brunch angeboten, um 13 Uhr spielt die vierköpfige Band dann die 14 Songs. Karten gibt es entweder direkt an der Kinokasse in Weinheim oder online im Shop unter www.shop.brennessel-kino.de