Vereinsleben zum Erliegen gekommen
Nach 49 Jahren beschließt die Mitgliederversammlung die Auflösung des MSCC Wahlen. Nach Corona gab es keine Aktivitäten mehr.
Der Überwald hat einen Verein weniger: Am Freitagabend löste sich der Motorsport- und Campingclub Wahlen und Umgebung e.V. im ADAC (MSCC) nach einstimmigem Beschluss bei der letzten Mitgliederversammlung auf. In den vergangenen Jahren und besonders durch die Corona-Pandemie wurden die Aktivitäten aufgrund der immer geringer werdenden Zahl von Mitgliedern und des steigenden Altersdurchschnitts immer weniger, sodass sich der Vorstand schweren Herzens zu diesem Schritt entschloss, wie ein merklich enttäuschter Vorsitzender Günter Eisenhauer im Gespräch mit unserer Redaktion schildert. Im nächsten Jahr hätte der MSCC sein 50-jähriges Bestehen feiern können.
So war es dann auch nur eine kleine Gruppe an Mitgliedern, die sich zu der Auflösungsversammlung im Clubheim einfand. Der Vorsitzende nahm seinen Rechenschaftsbericht zum Anlass, noch einmal die Entwicklung darzustellen, die schließlich zu dem Aus des Vereins führte.
Schwere Zeit
„Hinter uns liegt eine schwere Zeit für unseren Verein. Besonders getroffen hat uns in den vergangenen Jahren die Corona-Pandemie. In dieser Zeit kam unser gesamtes Vereinsleben zum Erliegen. Wir hatten nicht die Möglichkeit, unser gewohntes Vereinsleben mit dem üblichen und traditionellen Veranstaltungsprogramm durchzuführen“, erinnerte Eisenhauer an Vereinsausflüge oder die Fahrradturniere bei den Ferienspielen der Gemeinde Grasellenbach, aber auch an schöne Zusammenkünfte und die Clubabende. „Das alles war nicht mehr möglich beziehungsweise nur stark begrenzt machbar.“
Dazu komme die Überalterung der Mitglieder. „Viele sind in den vergangenen Jahren gestorben und andere nicht mehr in der Lage, sich aktiv in den Verein einzubringen. Unser Verein lebt jedoch nicht nur durch Zusammenkünfte, sondern es ist auch erforderlich, dass regelmäßig anfallende Veranstaltungen, Arbeiten in und um unsere Vereinsunterkunft zu organisieren und durchzuführen sind.“ Dazu sei auch er selbst aus gesundheitlichen und altersbedingten Gründen nicht mehr in der Lage.
Die letztlich logische Konsequenz dieser Entwicklung: „Daher sehe ich mit schwerem Herzen, dass sich mit der heutigen Mitgliederentscheidung unser Verein in die vielen Vereinsauflösungen einreiht – und das mit dem Wissen, dass ein gutes Zusammenleben in einem Ort ohne die Möglichkeit, sich in einem Verein zu treffen, sozial verarmt.“ Trotz des allgemeinen Bedauerns über die aktuelle Entwicklung wurden anschließend die erforderlichen Beschlüsse einstimmig gefasst. Dabei ging es nicht um die Entscheidung, den Verein aufzulösen, sondern er muss auch rechtlich abgewickelt werden.
Liquidatoren gewählt
Dafür mussten sogenannte Liquidatoren gewählt werden, die das Auflösungsverfahren ordnungsgemäß über die Bühne bringen sollen. Dafür stellten sich der Vorsitzende, Schatzmeisterin Veronika Keil und Bernd Daub zur Verfügung.
Sie müssen sich beispielsweise um die Verwendung des Vereinsguthabens kümmern. „Wir haben kein großes Barvermögen“, erklärte Eisenhauer dazu, „das soll nun einem gemeinnützigen Zweck zugeführt werden.“ Aber es sind auch noch weitere Schritte erforderlich wie die Abwicklung mit dem Finanzamt oder die Austragung aus dem Vereinsregister.
Dank des Einsatzes von Bernd Daub und Veronika Keil sowie der Beisitzer Franz Gölz und Hans Kreidemacher ist es dem MSCC gelungen, für das Clubheim einen ortsansässigen und aktiven Verein zu finden, der das Gebäude übernimmt. Der Wahlener Kerweverein „Die Bohnestegge“ wird das Gebäude künftig nutzen, was für ihn einen großen Vorteil angesichts der Lage im Ort bedeutet, hob der Vorsitzende hervor und betonte, dass das „uns allen und auch mir persönlich sehr wichtig war“.
Hier muss zuvor aber noch der Gemeindevorstand zustimmen, denn der MSCC hat einen Erbbaupachtvertrag mit der Gemeinde abgeschlossen, in dem festgelegt worden war, dass nach einer Auflösung des Vereins das auf dem gemeindeeigenen Grundstück errichtete Gebäude in das Eigentum der Gemeinde übergeht.
Auch Bürgermeister Markus Röth bedauerte die Auflösung des Vereins und sprach von einem Verlust für die Gemeinde Grasellenbach. Die vielen Aktivitäten des MSCC würden im Ortsleben fehlen, wobei er besonders die Fahrradturniere bei den Ferienspielen erwähnte, bei denen die Gemeinde immer mit dem Verein rechnen konnte. Aber auch die jährliche Übergabe von Warnwesten, die vom ADAC zur Verfügung gestellt wurden, an die Kinder der Ulfenbachtal-Grundschule erwähnte der Rathauschef.
Viel Lebenszeit reingesteckt
„Nach 37 Jahren im Vorstand geht einem dieser Schritt schon an die Nieren, in dem Verein steckt viel Lebenszeit drin“, bekannte der Vorsitzende am Ende. Doch es fehlte schlicht der Nachwuchs. Der Mitgliederschnitt liegt fast bei 60 Jahren. „Das ist allgemein ein Riesenproblem. Die heutige junge Generation lebt fast nur noch aus der digitalen Dose. Wenn sie sich in einem Verein – wenn es nicht gerade ein Sportverein ist – engagieren und einbringen sollen, winken die meisten nur ab“, sagte er.
Am Ende blieb es ihm nur noch, sich bei allen Mitgliedern und hier besonders bei denen, die die Vereinsarbeit in den fast 50 Jahren aktiv unterstützt haben, zu bedanken. Stellvertretend nannte er hier seinen Vorgänger, den unvergessenen langjährigen Vorsitzenden Richard Fuchs. Eisenhauer: „Es war eine schöne Zeit mit euch.“ jün