Warum demnächst ein „Seismiktruck“ auf der Tromm seine Runden dreht
Mitte September fällt der Startschuss für die ersten geologischen Untersuchungen. Exkursion für Bürger geplant. Die Afrikanische Schweinepest spielt nur bedingt eine Rolle.
Rund neun Monate sind seit der ersten Informationsveranstaltung zum Geothermielabor „GeoLaB“ vergangen. Nun beginnen die ersten Messungen, mit denen die Verantwortlichen des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und dessen Partner bei den Helmholtz-Zentren herausfinden wollen, ob sich die Tromm – oder vor allem der dortige Granitboden – als Standort eignet. Ab der Woche vom 16. September soll deshalb zwei Wochen lang ein Seismiktruck seine Bahnen ziehen – erst von Westen nach Osten und dann von Norden nach Süden. Das Messgebiet erstreckt sich zwischen dem östlichen Rand von Zotzenbach im Westen und Scharbach und Kocherbach im Osten. Die Aktion übernimmt die Firma DMT Group aus Essen.
Das „GeoLaB“ ist ein Projekt des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Deutschen GeoforschungsZentrums (GFZ) und des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist ebenfalls Partner.
Ziel ist es, die tiefe Geothermie in kristallinem Gestein zu erforschen. Diese Technologie könnte unter anderem zum Heizen verwendet werden. Dafür soll ein Untertage-Labor wie ein Bergwerk errichtet werden.
Ein möglicher Standort ist die Tromm. Denn dort liegt das kristalline Gestein besonders nah an der Oberfläche und ist leichter zu erreichen.
Deswegen soll in den nächsten Wochen und Monaten untersucht werden, ob der Boden die Anforderungen für die Forschung erfüllt.
Die Standortentscheidung steht noch aus. Erst wenn sich die Tromm als ungeeignet herausstellt, werden Alternativen untersucht.
Vibrationen in den Boden
Katharina Schätzler vom KIT erklärt: Das Fahrzeug ist mit einer Bodenplatte ausgestattet, die an festgelegten Messpunkten ein Signal im Frequenzbereich von 10 bis 150 Hertz in den Boden schickt. Diese Vibrationen werden dann von sogenannten Geophonen, die zuvor entlang der Strecke in den Boden gesteckt und anschließend wieder entfernt werden, aufgefangen.
Pro Messpunkt dauert das lediglich ein paar Minuten. Die Ergebnisse geben den Forschern dann Aufschluss über die Beschaffenheit des Bodens und des darin liegenden Gesteins. Diese Vibrationen seien etwa in einem Radius von 50 Metern um den Truck spürbar, bei weiterer Entfernung ist dann nur noch ein Brummen zu hören, wie Schätzler erklärt. Für Menschen, Gebäude und die Umwelt ist dieses Verfahren ungefährlich, heißt es seitens der Verantwortlichen.
Diese Technik kommt seit über 30 Jahren auch in sensiblen Umgebungen, wie in Innenstädten, Weinbergen oder zwischen Gewächshäusern, zum Einsatz, wie auf einem Informationsflyer erklärt wird. Von den Auflagen aufgrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sind diese Maßnahmen nach aktuellem Stand noch nicht betroffen: „Selbstverständlich müssen auch wir die Regeln beachten und sind mit dem Veterinäramt im Austausch“, sagt Schätzler.
Die Forscher müssen genau vorlegen, was sie vorhaben, und dies jeweils genehmigen lassen. Der Seismiktruck fährt jedoch nur auf den Wegen, bewegt sich also im Rahmen der derzeitigen Auflagen, die in der Sperrzone II gelten. Die Geophone wollten die Forscher ursprünglich etwas weiter im Wald aufstellen, beschränken sich jedoch nun auf Standorte unmittelbar neben den Wegen.
Messungen verzögern sich
Etwas schwieriger gestalten sich die geophysikalischen Messungen, der zweite Teil der Voruntersuchungen. Eigentlich sind die Forscher dabei nämlich querfeldein unterwegs. Ein neues Konzept dafür, das mit den ASP-Auflagen vereinbar ist, ist derzeit in Arbeit. Auch wenn sich der Start hier etwas verzögern kann, geht das GeoLaB-Team davon aus, dass das Konzept entsprechend angepasst werden kann. In etwa vier bis sechs Wochen sollen Gravimetrie, Magnetik und Geoelektrik gemessen werden, um so weitere Informationen über den Boden zu erlangen. Die Messgeräte sind tragbar und verursachen keine spürbaren Effekte oder Lärm. Hin und wieder könnte es durch Auf- und Abbauarbeiten oder den Transport der Geräte zu leichten Verkehrseinschränkungen kommen, wie das GeoLaB-Team betont. Hinzu kommt dann im Winter Anfang 2025 noch eine Erkundungsbohrung, mit der ganz genau untersucht werden soll, wie der Untergrund aufgebaut ist und ob er das für Geothermie notwendige Wasser führt. Die Entscheidung, ob die Tromm in Frage kommt oder nicht, soll im nächsten Jahr fallen.
Öffentliche Exkursion am Samstag
Wer das Seismikmobil einmal ganz aus der Nähe betrachten will, der hat am kommenden Samstag, 14. September, die Gelegenheit dazu. Zwischen 10 und 12 Uhr lädt das GeoLaB-Team zur Seismik-Exkursion ein. Los geht es am Parkplatz des Odenwaldinstituts (Tromm 25). An mehreren Stationen entlang der Straße Tromm nach Norden gibt es dabei Informationen rund um das Projekt GeoLaB, die Technik für die seismischen Untersuchungen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse. Zusätzlich dazu können Teilnehmer live erleben, wie die Technik eingesetzt wird, um zu erfahren, wie stark die Vibrationen des Trucks und die Lautstärke tatsächlich sind. Außerdem haben sie die Chance, Fragen an Experten zu stellen.