Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Odenwald

Weit gereist, um anzukommen

Seit fast drei Jahren sind Melinda und Dawid Toscano mit ihrem selbst ausgebauten Van und rund 24 500 Followern auf Instagram in Europa unterwegs. Im Sommer ging es nach ihrem Zwischenstopp in der Heimat, dem Odenwald, nach Italien und dann in Richtung Griechenland. Derzeit befinden sie sich auf der Insel Kreta. Ein Videogespräch über Sehnsüchte, über das Leben zwischen Advent und Akropolis und über das Jahr 2024, das eine ganz andere Reise bringen soll.

Draußen fallen die ersten Schneeflocken über Weinheim und Melinda und Dawid Toscano klopfen sich den Sand von den Füßen. Seit fast drei Jahren nennen sie ihren selbst ausgebauten Van ihr rollendes Zuhause, das sie verlässlich kreuz und quer durch Europa begleitet. Den Winter verbringen sie in diesem Jahr in Griechenland. Derzeit haben sie einen Stopp auf der Insel Kreta eingelegt. Rund 2800 Kilometer trennen sie also gerade von ihrer Heimat, dem Odenwald, in der sie den Sommer verbrachten, bevor sie wieder loszogen – immer der Sonne entgegen.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Im Sommer haben wir sie bei einem Zwischenstopp in der Heimat besucht, als sie mehrere Wochen rund um Weinheim und Gorxheimertal verbrachten. Ihre Route führte sie von dort aus weiter in den Süden Italiens und schließlich nach Südosteuropa. Was ist seitdem passiert? „Eine Menge – online wie offline“, sagen sie lächelnd vor der Kamera sitzend, während das Meer hinter ihnen eine Welle nach der anderen schlägt.

Es liegen mitunter turbulente Wochen hinter Melinda und Dawid. Was sie nie vergessen werden, sei die Veränderung des Klimas, die sie in diesem Jahr so sehr gespürt haben wie noch nie zuvor auf ihren Reisen. „Während der vergangenen drei Jahre haben wir noch nie einen so heißen Sommer erlebt. Und das hat es so anstrengend wie noch nie gemacht, wenn draußen tagsüber 40 Grad herrschen und in der Nacht 30“, sagt Dawid und erinnert sich an die Wochen in Apulien, als sie auf dem Weg zu Melindas italienischer Familie waren. „Es hat sich teilweise so angefühlt, als würde man den Kopf nicht aus dem Fenster, sondern in den Backofen stecken.“ Ihre jüngste Route führte sie von Korfu nach Lefkada und Athen bis Kreta.

Ständig auf der Suche

Das Leben im Van, einfach einsteigen und losfahren. Die Freiheit zu besitzen, heute hier und morgen dort zu sein – das ist ein Traum von vielen, der aber auch seine Tücken hat. Die Wetterbedingungen beeinflussen eben auch das Leben auf vier Rädern – „wenn man es sich aussuchen kann, dann sollte man die Sommermonate im Van nicht südlich der Alpen verbringen“, sagt Dawid. In diese Überlegungen fließen nicht nur die Hitzewellen, sondern auch heftige Unwetter wie Starkregen und Stürme mit ein, die teilweise Straßen unter Wasser setzen oder Reparaturen am Auto notwendig machen.

Es ist also nicht immer so leicht, wie man es sich vorstellt, sagen beide. Hinzu kommt, dass im Hochsommer „eben auch viele unterwegs sind. Die Stellplätze sind voll oder ganz belegt. Privatsphäre zu wahren wird dann schwieriger. Und man befindet sich dann ständig auf der Suche nach einem Platz für die Nacht. Das kann anstrengend sein, und das ist einer der Nachteile des freien Lebens im Van, in das sich aber auch sehr viele schöne Momente einreihen, in denen man dort hinfährt, wohin einen der Wind weht“, sagt Melinda.

Melinda und Dawid Toscano reisen mit ihrem selbst ausgebauten Van von ihrer Heimat, dem Odenwald, aus durch Europa. Mehr Informationen über sie und ihren Reisealltag gibt es unter www.melindaunddawid.de Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Melinda und Dawid Toscano reisen mit ihrem selbst ausgebauten Van von ihrer Heimat, dem Odenwald, aus durch Europa. Mehr Informationen über sie und ihren Reisealltag gibt es unter www.melindaunddawid.de

Es geht ums Ankommen

Derzeit genießen sie also das mitunter raue Wetter an der Küste Kretas und die Ruhe. „Wir haben das Gefühl, gerade etwas mehr bei uns anzukommen“, erklärt Melinda – passend zum Advent, der Zeit des Ankommens. Sie lassen das Jahr Revue passieren und schmieden Pläne für das kommende. Sie unternehmen Spaziergänge mit ihrer Hündin Nusa an fast menschenleeren Stränden und Buchten vorbei an verwaisten Strandbars, von denen nur noch die Eisreklame daran erinnert, dass dort vor wenigen Wochen noch das Leben tobte. Die Nebensaison auf der griechischen Insel entschleunigt beide und macht das Vanleben derzeit etwas leichter – und auch die Suche nach einem Stellplatz, sagt Melinda. Und sie nehmen sich immer öfter eine Auszeit von den sozialen Medien. Denn seit sieben Monaten haben sie jeden Tag Inhalte für ihre Accounts auf Instagram und YouTube produziert und kommuniziert.

Bereits während ihrer Weltreise, die sie im Jahr 2018 mit Rucksäcken starteten, hielten sie Freunde und Familien über ihren Instagram-Account und YouTube-Kanal auf dem Laufenden. Ihr Account wurde schnell größer, auch weil sie Videos über ihren Vanausbau veröffentlichten, die den Zeitgeist trafen und von Bewunderern der „Generation Weltreise“ viel geklickt wurden. Denn der Wunsch nach einem Leben auf vier Rädern erlebte in den vergangenen Jahren einen echten Boom.

Foto: Melindaunddawid(Instagram)

Seitdem hat sich online für die beiden viel getan und sie können sich beispielsweise auch durch ausgewählte Kooperationen ihren Lebensstil finanzieren. Ihr Instagram-Account gehört zu den beliebtesten, die sich rund um den Alltag auf Reisen und um Kaffeezubereitung drehen, die zweite Leidenschaft von Melinda und Dawid. Eine Passion, die sie im kommenden Jahr mit Kaffeeliebhabern auf eine besondere Weise teilen werden. Und einen gemeinsamen Traum verfolgen die beiden immer noch: ein eigenes Café an einem festen Ort auf der Welt, an dem sie sich wohlfühlen – „von vier Rädern in vier Wände“, sagt Dawid mit einem Lächeln.

Auf großen Screens zu sehen

Dass sie sich selbst und Szenen aus ihrem Alltag zeigen, ist für die beiden also nichts Neues. Jedoch wenn man von einem professionellen Team gefilmt wird, ist es etwas anderes. Und genau das erlebten sie im Frühsommer dieses Jahres. Denn auf ihr Leben im Van wurde auch die deutsche Denim-Marke „Mustang“ aufmerksam. Für ihre Kampagne „True Freedom On The Road“, mit der sie auf die Herbstkollektion aufmerksam machten, suchten sie Protagonisten, die ihren eigenen Horizont erweitern – und die Wahl fiel unter anderem auch auf Melinda und Dawid, die mit ihrem Leben im Van auffielen. Sie waren Teil der Kampagne neben weiteren Protagonisten wie 68er-Ikone Uschi Obermaier. „Wir haben keine Scheu vor der Kamera, aber es war schon eine zunächst ungewohnte, dann aber sehr schöne Erfahrung“, erinnert sich Melinda. Gedreht wurde an einem langen Tag in Lissabon. Wenige Monate später waren sie dann auf großen Screens in den Geschäften oder auch an Bahnhöfen zu sehen.

Einen großen Schritt auf ihrem weiteren Weg gingen sie bereits vor wenigen Wochen: Für ihr E-Book über Kaffeezubereitung fanden sie einen Verlag, der das Buch als gedruckte Variante zu Anfang des kommenden Jahres herausbringen wird. Sie freuen sich schon auf den Tag, an dem sie es zum ersten Mal in den Händen halten werden, denn das ist derzeit gar nicht so einfach. Da sie unterwegs keine feste Adresse, geschweige denn einen Briefkasten haben, kommen Pakete für sie in unterschiedlichen Poststationen an, doch ihr Buch war bisher noch nicht dabei. Deshalb heißt es weiter gespannt warten auf ein ganz besonderes Päckchen – fast also so wie am Weihnachtsabend. Apropos Weihnachten: Schon richtig in Feststimmung sind die beiden noch nicht gekommen. „Wir sehen aber ganz viele Bilder von Freunden und unseren Familien, die die Weihnachtsmärkte der Region besuchen“, sagt Dawid ein bisschen wehmütig.

Raus aus dem Van

Die Weihnachtsabende der beiden letzten Jahre verbrachten die beiden unter Palmen auf Fuerteventura oder in Andalusien. Und in diesem Jahr? Es geht raus aus dem Van. „Für Weihnachten und Silvester haben wir uns auf Kreta eine Wohnung gemietet“, erklären sie. Sie freuen sich auf die ruhigen Tage in festen vier Wänden – ein Luxus, den sie sich ab und an gönnen, denn die geringe Quadratmeteranzahl im Van kann für zwei Erwachsene – wovon einer aufgrund seiner Größe immer den Kopf einziehen muss – und einen jungen Hund schon mal eng werden, gerade bei Regenwetter, wenn sich alles drinnen abspielt.

Veränderungen für das Jahr 2024

Für das kommende Jahr stehen für Melinda und Dawid Veränderungen an, denn sie haben viel vor im Jahr 2024, das anders werden soll als die Jahre zuvor. Bis ins Frühjahr bleiben sie in Griechenland, bevor es für sie beide dann wieder Richtung Heimat geht – dieses Mal mit einem anderen Ziel. Schon im Sommer haben sie davon gesprochen, dass sie eine feste Basis in der Heimat haben möchten. Für das Jahr 2024 konkretisieren sich diese Pläne für die beiden, die mit Weinheim eng verbunden sind. Denn schließlich haben sie sich hier vor einigen Jahren kennengelernt. Was folgte, waren eine gemeinsame Weltreise mit Rucksäcken und dann schließlich die Entscheidung, mit ihrem selbst ausgebauten Van in Europa unterwegs zu sein.

Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Melinda und Dawid Toscano reisen mit ihrem selbst ausgebauten Van von ihrer Heimat, dem Odenwald, aus durch Europa. Mehr Informationen über sie und ihren Reisealltag gibt es unter www.melindaunddawid.de
Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Foto: Melindaunddawid(Instagram)
Melinda und Dawid Toscano reisen mit ihrem selbst ausgebauten Van von ihrer Heimat, dem Odenwald, aus durch Europa. Mehr Informationen über sie und ihren Reisealltag gibt es unter www.melindaunddawid.de

„Es war uns wichtig, einmal raus dem Hamsterrad zu kommen, einfach loszuziehen und die Welt außerhalb von Deutschland zu entdecken. Wer mit diesem Gedanken spielt, den können wir nur ermutigen“, sagt Dawid und fügt hinzu: „Wir haben unsere Sehnsüchte gestillt und viel ausprobiert, haben Menschen und den Umgang mit fremden Kulturen kennengelernt. Das ist ein riesiger Schatz an Erfahrungen und Erinnerungen.“ Melinda ist sich sicher: „Dieser Perspektivenwechsel hat uns geformt – zum Guten.“

"Kaffee und Kilometer"

Ihre Erfahrungen werden sie ab Januar des kommenden Jahres schließlich mit der Welt teilen: Sie werden in regelmäßigen Abständen in ihrem eigenen Podcast „Kaffee und Kilometer“ Tipps zum Thema Weltreise geben und – teilweise auch mit eingeladenen Gästen – über den Alltag fernab von vier Wänden sprechen. „Mit diesem Format fühlen wir uns sehr wohl, da wir die Dinge neu angehen: Statt mit Kamera erschaffen wir mit Geschichten Welten in den Köpfen“, erklärt Dawid. Und ganz nebenbei schreiben sie ihre Erfahrungen über das Leben im Van für ihre zweite, bald folgende Buchveröffentlichung auf. Im kommenden Jahr erwartet sie also eine ganz andere Reise.

Eine Frage müssen sie zum Schluss des Telefonats noch stellen, die beide umtreibt. „Was kostet eigentlich in diesem Jahr ein Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt?“, wollen sie mit einem Lächeln wissen, zu lange ist der letzte Besuch her. Doch vorerst bleiben sie bei Kaffee – bis sie im nächsten Winter vielleicht wieder auf Weihnachtsmärkten unterwegs sind.