Mitstreiter gesucht

Wie Berta Kühnel den Traum vom gemeinsamen Gärtnern in Wald-Michelbach wahr machen will

Gemeinsam gärtnern - das ist der Traum der Wald-Michelbacherin Berta Kühnel. Sie will hinter dem Alten Bahnhof eine grüne Oase schaffen, doch dafür braucht sie Unterstützung.

Berta Kühnel steht vor einem Berg von Arbeit, und sie braucht dringend Unterstützung. Aber sie schaufelt schon mal drauf los, um den "Freundschaftsgarten" in Wald-Michelbach bald Wirklichkeit werden zu lassen. Foto: Thomas Rittelmann
Berta Kühnel steht vor einem Berg von Arbeit, und sie braucht dringend Unterstützung. Aber sie schaufelt schon mal drauf los, um den "Freundschaftsgarten" in Wald-Michelbach bald Wirklichkeit werden zu lassen.

Wald-Michelbach. Noch liegt ein Hauch von Wildnis über dem Areal hinter dem Alten Bahnhof in Wald-Michelbach. Weiden, Brombeerhecken und Haselnüsse wurden kürzlich von den Mitarbeitern des Bauhofs gerodet, doch die Fläche wirkt noch immer etwas unwegsam. Nur wer genauer hinsieht, bemerkt die Spuren einer Vision. Zwischen vereinzelten Beeten, einem angelegten Rankgerüst und einer mit Sandstein ausgestatteten Kräuterspirale entsteht Stück für Stück etwas Einzigartiges, wenn es nach Berta Kühnel geht. Denn sie will hier mit anderen eine grüne Oase schaffen – den „Freundschaftsgarten“.

WNOZ WhatsApp-Kanal

Die Weinheimer Nachrichten und Odenwälder Zeitung auf WhatsApp! Aktuelle Nachrichten aus deiner Region. Die Top-Themen jeden Mittag frisch auf dem WhatsApp-Kanal.

Impressum

Nun sucht die Wald-Michelbacherin noch Mitstreiter, die ihren Traum teilen und mit ihr aus der brachen Fläche hinter dem Begegnungszentrum ein lebendiges Gartenparadies zaubern. In ihrer Vorstellung sieht Kühnel schon jetzt, was bald Wirklichkeit werden könnte: Wildblumenwiesen, die herrlich blühen, Kinder, die Himbeeren direkt vom Strauch naschen, und Menschen, die frisches Gemüse ernten. Über allem liegt der Duft von selbst gebackenem Brot, das aus dem geplanten Backhaus strömt.

Die Baugrube hierfür wurde bereits ausgehoben. Eine Feuerstelle soll zum Verweilen einladen und gemeinsame Feste die Menschen zusammenbringen. „Wir stellen uns das so schön vor“, sagt Kühnel, während sie entschlossen eine Schaufel in den riesigen Haufen Rindenmulch stößt, der den Anfangspunkt ihres Projekts markiert.

Auf keinen Fall Mist

Noch gleicht das Gelände einer Baustelle, vor ihrem inneren Auge allerdings ist es bereits ein pulsierender Ort, der auf einem klaren Konzept fußt. Geprägt von den Prinzipien der Permakultur steht der „Freundschaftsgarten“ in Wald-Michelbach für naturnahes Gärtnern.

„Das ist sozusagen der rote Faden unseres Projekts. Weder Unkrautvernichter noch Pestizide oder Herbizide haben hier was zu suchen – und vor allem kein Mist“, erklärt Kühnel. Denn Permakultur bedeutet für sie, im Einklang mit der Natur zu arbeiten und langfristig eine grüne, pflegeleichte Landschaft zu schaffen, die das ganze Jahr über Früchte trägt. Mit einem essbaren Waldgarten, der die Gegend rund um den Alten Bahnhof nicht nur verschönert, sondern auch mithilft, neue Lebensräume für Tiere zu schaffen. Auch der kreativen Gestaltung der Beete seien kaum Grenzen gesetzt, wenngleich der „Freundschaftsgarten“ später noch durch einen Zaun eingefasst werden soll, ergänzt sie.

Ein Berg an Arbeit

Parallel zu den alten Bahngleisen hat Kühnel mit Mitinitiatorin Nicole Seitz die erste Tragschicht eines Hügelbeets vorbereitet. Darauf schaufeln sie demnächst noch Heu und Grasschnitt. In der Mitte des Gartens thront die Kräuterspirale; Ysop, Lavendel und Salbei stehen dort noch etwas vereinzelt herum. Am kahlen Rankgerüst daneben sollen im Sommer Bohnen und eine winterharte Kiwi gedeihen.

Dass noch ein Berg an Arbeit vor ihr liegt, wird beim Besuch der WNOZ vor Ort schon rein symbolisch sichtbar: Der riesige Haufen Rindenmulch stammt aus den gerodeten Sträuchern. Doch das Material allein reicht nicht aus. Weitere eineinhalb Tonnen Kompost sollen am heutigen Samstag geliefert werden.

Es ist ein spezielles veganes Substrat. Kühnel hat es aus Seeheim bezogen, um den Ansprüchen der Permakultur gerecht zu werden. „So können wir komplett auf Düngemittel verzichten. Und das Tolle daran: Dieser Kompost kann sofort dicht bepflanzt werden“, freut sich die engagierte Gärtnerin. Bislang trägt das Duo das Projekt. Aber allein schaufeln macht müde: „Wir brauchen etwa zehn Familien, die Lust haben, sich einzubringen und diesen Garten mit uns aufzubauen“, betont die Initiatorin. Besonders jetzt, zu Beginn der Pflanzsaison, gebe es viel zu tun: Weitere Hoch- und Hügelbeete müssten angelegt, Sträucher und erste Nutzpflanzen eingebracht werden.

Lernen und erfahren

Kühnel ist noch voller Tatendrang. Sie sieht das Projekt nicht zuletzt als Chance für Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen, zusammenzukommen und sich auszutauschen. „Es soll ein Lern- und Erfahrungsort werden“, präzisiert sie. Jeder sei willkommen, unabhängig von Alter, Herkunft oder gärtnerischem Vorwissen.

Das geht aus dem Prospekt hervor, den Kühnel im Augenblick fleißig verteilt, um mehr Menschen auf das Mitmachprojekt aufmerksam zu machen. Einige Gartengeräte stehen vor Ort. Und der Startschuss ist längst gefallen. Nun hängt alles davon ab, ob genügend motivierte Helfer das Vorhaben unterstützen: „Dieses Land kann kunterbunt werden, jeder kann sich so einbringen, wie er möchte“, versichert Kühnel nochmals – und sie hofft, dass mit jedem neuen Mitstreiter die Vision des „Freundschaftsgartens“ ein Stück Wirklichkeit wird. Am Ende des Gesprächs gibt sie sich überzeugt: „Gemeinsam können wir hier etwas Großartiges aufbauen.“

Wer mitgärtnern oder einfach mehr über das Projekt erfahren möchte, kann sich direkt an Berta Kühnel per E-Mail an Berta@ideecreativ.de wenden oder an Anselm Fedel vom Begegnungszentrum Wald-Michelbach, Ludwigstraße 162.