Umwelt

Wo mit einer verstärkten Krötenwanderung im Odenwald zu rechnen ist

Die Kröten sind wieder los - wegen des Klimawandels früher als sonst. Wo in den nächsten Wochen mit verstärkter Wanderbewegung zu rechnen ist und was Autofahrer beachten sollen.

Worauf Autofahrer während der Krötenwanderung achten sollten (Symbolbild). Foto: Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis
Worauf Autofahrer während der Krötenwanderung achten sollten (Symbolbild).

Überwald. Im Augenblick ist zwar noch alles still, erklärt Wolfgang Wenner vom NABU Wald-Michelbach. Doch mit den steigenden Temperaturen und den vielen Sonnenmomenten, die im Augenblick den nahenden Frühling auch hier im Überwald ankündigen, beginnen die Amphibien, zu ihren Laichgewässern zu wandern. Die Grasfrösche sind bereits aktiv, bestätigt Wenner, vorrangig „Am Roten Weg“ in Wald-Michelbach. Für die Erdkröten hingegen ist es wegen des nächtlichen Frosts derzeit noch zu kalt.

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Stark frequentierte Straßen

In der Region sind das vorrangig das Aschbacher Wiesental mit seinen Feuchtgebieten, der Meisenberg, die Tromm sowie die Grube Ludwig. In Wald-Michelbach gibt es ein Gebiet mit Privatteichen, das Amphibien ebenfalls als Lebensraum nutzen, fügt Wenner hinzu. Dort sollen sich jetzt schon vereinzelt Grasfrösche tummeln.

Auch in Unter-Abtsteinach Richtung Heiligkreuzsteinach befindet sich ein wahrer Kröten-Hotspot: Die Angelteiche sind eine beliebte Kinderstube für die Amphibien. Angrenzend gibt es eine spezielle Unterführung, durch die die Tiere sicher zu den Laichgewässern gelangen können. Rolf Reinhard vom Vogel- und Naturschutzverein Unter-Abtsteinach ist im März wieder mit Freiwilligen regelmäßig vor Ort, um die Straße entlang der Teichanlage bis hinunter zur Kläranlage abzusuchen. Er habe bereits vereinzelt Tiere gesehen, aber die aktuellen Frostnächte haben die Wanderung kurzzeitig gestoppt, fasst Reinhard seinen Eindruck zusammen. Um die Tiere zu schützen, haben die Naturschützer aus Abtsteinach aber bereits Amphibienschutzzäune entlang des gefährlichen Straßenabschnitts errichtet. Wenner hingegen plant die Errichtung eines Zauns auf Höhe der Gaststätte „Rose“ im Wald-Michelbacher Ortsteil Aschbach, weil viele Kröten vom angrenzenden Waldweg in Richtung Straße wandern, wie er erklärt.

Früher wegen Klimawandel

Doch warum nehmen Amphibien diesen beschwerlichen Weg immer wieder auf sich? Der Drang zur Fortpflanzung treibt Molche, Frösche und Kröten jedes Jahr aus ihren Winterquartieren zu den Gewässern, in denen sie selbst geschlüpft sind, wissen die Naturschützer. Die Wanderschaft beginnt, sobald die Temperaturen im Frühling konstant zwischen sechs und acht Grad liegen. Besonders regenreiche Nächte verstärken die Aktivität der Tiere, was in manchen Regionen zu einer regelrechten Massenwanderung führen kann.

Aufgrund des Klimawandels setzt die Amphibienwanderung jedoch immer früher ein. Die milden Winter und warmen Temperaturen in den ersten Monaten des Jahres führen dazu, dass sich die Tiere früher als gewohnt auf den Weg machen. Dennoch bleiben sie anfällig für plötzliche Kälteeinbrüche: Nachtfröste können den Laich gefährden, insbesondere bei Grasfröschen, die ihre Eier direkt an der Wasseroberfläche ablegen. Neben dem Wetter spielen auch andere Umweltfaktoren eine Rolle: Lichtverschmutzung kann die Orientierung der Amphibien beeinträchtigen und ihre Wanderroute stören.

Immer weniger Lebensraum

Ein weiteres Problem ist der Lebensraumverlust, der durch die fortschreitende Bebauung und Trockenlegung von Feuchtgebieten entsteht und dazu führt, dass viele Amphibien immer weniger geeignete Laichgewässer finden. Naturschutzprojekte setzen sich daher verstärkt für den Erhalt und die Wiederherstellung dieser Lebensräume ein, um den Bestand der bedrohten Arten zu sichern.

Ein gutes Beispiel ist der Verein LUNA aus Kocherbach, der plant, den alten Affolterbacher Sportplatz in ein Feuchtbiotop zu verwandeln, wodurch die Biodiversität des Geländes erhalten bleiben soll.

Keine riskanten Brems- und Ausweichmanöver

Wenn in den kommenden Wochen Millionen Kröten die Straßen überqueren, birgt das nicht nur Gefahren für die Tiere, sondern erfordert auch besondere Achtsamkeit von allen Verkehrsteilnehmern. Dazu rät jedenfalls der Abtsteinacher Verkehrsexperte Volker Schork vom ACE. Und er warnt: „Vorsicht in der Dämmerung!“

Vielfach weisen rund um die Laichgebiete bereits Verkehrszeichen auf die Krötenwanderung hin. Gerade in den Abend- und frühen Morgenstunden sind die Amphibien kaum zu erkennen. Umso wichtiger ist es, in der Nähe von Seen, Teichen oder Tümpeln umsichtig unterwegs zu sein und vorausschauend mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren. Auch sollte der Fahrbahnrand stets im Blick behalten werden: Die vielen Helfer, die Frösche und Kröten dabei unterstützen, Straßen zu überqueren oder spezielle Schutzzäune und Krötentunnel kontrollieren, sind häufig in den Abendstunden entlang der Wanderstrecken unterwegs. Schork empfiehlt: „Befindet sich das Gefahrenzeichen mit der Kröte auf der täglichen Route, kann es sinnvoll sein, in den kommenden Wochen einen Umweg in Kauf zu nehmen.“

Bei Kröten auf der Fahrbahn sei es dringend erforderlich, auf riskante Brems- und Ausweichmanöver zu verzichten, betont der Experte. Entscheidend sei es, auf nachfolgende und entgegenkommende Fahrzeuge zu achten. Gebremst und ausgewichen werden sollte nur, wenn sich ausschließen lässt, dass man sich selbst oder andere Verkehrsteilnehmer dadurch gefährdet. Deswegen lautet die Devise: „Kontrolliert bremsen und ausweichen“, fasst Schork zusammen.

Dass Kröten während ihrer Wanderung überfahren werden, bleibt leider nicht aus. Deshalb muss während der Krötenwanderung mit einem rutschigen Schmierfilm auf der Fahrbahn gerechnet werden. Der ACE warnt vor allem Zweiradfahrer vor erhöhter Sturzgefahr: Mit Fahrrädern, Motorrädern oder Rollern gilt es, in entsprechenden Gebieten besonders vorsichtig sein Fahrzeug zu steuern.