Von Feuerspuckern und Seiltänzern

Zirkuszauber in Wald-Michelbach: Kinder entdecken die Manege

Über 70 Kinder verbringen eine Woche in der Manege und üben für ihren großen Auftritt am Samstag. Besucher dürfen sich auf Seiltänzer, Feuerkünstler und Zauberer freuen.

In Kooperation mit dem Zirkus ZappZarap bietet das Begegnungszentrum Wald-Michelbach einen Zirkusworkshop an. Foto: Ann-Kathrin Greinert
In Kooperation mit dem Zirkus ZappZarap bietet das Begegnungszentrum Wald-Michelbach einen Zirkusworkshop an.

Wald-Michelbach. In Wald-Michelbach ist der Zirkus los. Schon von Weitem ist das große, rot-blau gestreifte Zelt auf dem Parkplatz vor dem Begegnungszentrum (BeGehZett) zu sehen. Um die Manege wuseln viele Kinder und einige Erwachsene geschäftig herum. Einige halten bunte Bänder oder Bälle in den Händen, andere balancieren mit einem Schirmchen in der Hand über ein Drahtseil, und wieder andere üben das Laufen auf einem Nagelbrett. Als interessierter Zuschauer lässt man sich schnell einfangen von dieser bunten und fröhlichen Welt.

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Dass mitten in der Überwälder Gemeinde ein Zirkuszelt steht, kommt nicht von ungefähr: In Zusammenarbeit mit dem Zirkus ZappZarap aus Leverkusen bietet das Begegnungszentrum eine Zirkuswoche an, die mit einem großen, abschließenden Auftritt endet. „Wir wollten die letzte Ferienwoche noch einmal zu etwas ganz Besonderem machen“, erzählt Kirsten Schmidtke vom Begegnungszentrum. Die Erlebnispädagogin ist federführend für die Organisation dieses Projektes verantwortlich und schon nach den ersten Tagen völlig begeistert. „Ich liebe solche Projekte, ich könnte das jede Woche machen“, sagt sie schwärmerisch, während sie die Schar von Kindern um sich herum mit kühlen Getränken versorgt.

Verschiedene Workshops werden angeboten

Eine Woche lang üben „ihre“ Schützlinge unter der Anleitung von Betreuern verschiedene Zirkuskunststücke, die sie am Ende im Zirkuszelt vorführen werden. Angeboten werden Workshops wie Zaubern, Jonglieren, Feuerstabschwingen oder das Laufen über Nagelbretter. „Wir haben aber auch noch viele andere Workshops, in denen sich die Kinder ausprobieren können“, ergänzt Schmidtke. Eingeteilt in Gruppen heißt es dann: üben, üben, üben. „Aber alles ohne Druck.“ Der Spaß stehe immer im Vordergrund. „Niemand muss am Ende fünf Flick-Flacks können.“

Wie die Kooperation mit dem Zirkus zustande kam, weiß Schmidtke noch genau: „Anfang des Jahres haben wir eine Anfrage von ZappZarap erhalten, die uns von der Gemeinde weitergeleitet wurde. Wir fanden die Idee total cool und haben uns nach kurzer Absprache ein Angebot eingeholt.“ Es folgen Gespräche mit Stiftungen, um Sponsoren für das kostspielige Projekt zu gewinnen – eine nicht ganz einfache Aufgabe, wie Schmidtke erklärt. „Viele haben uns direkt abgesagt, das fand ich schade.“ Schließlich finden sie in der Heinrich-Schlerf-Stiftung einen Sponsor. Zusammen mit der Gemeinde, einem Unkostenbeitrag der einzelnen Kinder bei der Anmeldung und dem Erlös aus dem Kartenverkauf des Auftritts kann das Projekt finanziert werden.

In der Region verbreitet sich die Nachricht von dem Zirkusworkshop dann ganz von selbst. Ein kurzer Facebook-Post reicht aus, um die erste Flut von Anmeldungen zu erhalten. Bei 70 Kindern müssen die Organisatoren schließlich einen Schlussstrich ziehen. „Mit noch mehr Kindern hätten wir auch mehr ehrenamtliche Betreuer benötigt, und die haben wir leider nicht“, bedauert die Erlebnispädagogin. Viele Helfer seien kurz vor dem Start des Projekts abgesprungen oder hätten sich gar nicht mehr gemeldet.

Mehr Helfer gewünscht

Während der Zirkuswoche kümmern sich ehrenamtliche Helfer und Betreuer des BeGehZetts um die Kinder. Drei Teamer kommen zusätzlich direkt vom Zirkus, die anderen wurden laut Schmidtke in einem vorherigen Workshop auf das Projekt vorbereitet. „Da wurde uns gezeigt, wie wir die einzelnen Zirkusnummern den Kindern am besten beibringen, und im Anschluss gab es sogar ein Zertifikat“, erzählt sie lächelnd.

Auf die Frage, ob sie mit so vielen Anmeldungen gerechnet hat, nickt die junge Frau. Bei dem Workshop können laut ihr bis zu 120 Kinder teilnehmen – aber eben nur mit genug Helfern. „Wir haben damit gerechnet, dass sich viele Kinder anmelden.“ Die jungen Teilnehmer kommen aus allen Ecken des Odenwalds und der Bergstraße. „Wir haben Kinder aus Mörlenbach, Rimbach und sogar Weinheim dabei. Das verdeutlicht noch mal das große Interesse an so einer Aktion.“

Größere Probleme in der Vorbereitung bleiben Schmidtke und ihrem Team erspart. Nur der Aufbau des Zirkuszeltes stellt die Helfer auf eine harte Probe. Aus den anfangs angesetzten vier Stunden Aufbauzeit werden fast acht Stunden. Das Problem: Der Platz, auf dem das Zelt errichtet werden soll, diente früher als Ablagefläche für Schwerlastkräne und ist dementsprechend stark verdichtet. Es dauert daher, bis alle Haken und Stangen fest im Boden verankert sind. Doch das Team kann sich über tatkräftige Unterstützung freuen: „Uns haben ganz viele Eltern geholfen, das war mega.“

„Viele neue Freundschaften“

Zurück im mittlerweile sehr warmen Zirkuszelt: Aufgeregt übt eine Gruppe kleine Feuerkunststücke, während eine andere in der Manege akrobatisch durcheinander turnt. Im hinteren Teil des Zeltes üben kleine Zauberkünstler ihre Tricks. So viel darf verraten werden: Dabei kommen auch japanische Katanaschwerter zum Einsatz.

So schön die Wärme nach dem langen Regenwetter auch ist, umso wichtiger sind die Trinkpausen, betont Schmidtke. „Spätestens nach einer halben Stunde wird jedes Kind zum Trinken geschickt. Zwischendrin können sie sich natürlich jederzeit etwas holen.“ Die Helfer versorgen die Teilnehmer zudem mit Obst und Eis. Wasserspiele am Nachmittag sorgen für zusätzliche Abkühlung.

Trotz der brütenden Hitze sind die Kinder begeistert und zeigen sich aufgeregt gegenseitig ihre gerade erlernten Kunststücke. „In den letzten Tagen wurden hier so viele neue Freundschaften geschlossen, das ist natürlich immer besonders schön“, erzählt Schmidtke. Alle fiebern dem großen Auftritt entgegen, der am Samstag (16. August) stattfindet. Dabei präsentiert jede Gruppe ihre erlernten Zirkusnummern. Eingeladen sind nicht nur die Eltern, „sondern alle, die Lust haben“, betont die Erlebnispädagogin. „In das Zelt passen 300 Menschen, wir hoffen natürlich, dass alle Plätze belegt sind.“

Eine große Bitte hat das Team des Begegnungszentrums: „Wir brauchen wieder Hilfe beim Abbau und hoffen und wünschen uns, dass viele Zuschauer nach der Vorstellung bleiben und uns helfen.“ Augenzwinkernd ergänzt Schmidtke: „Der Abbau wird auch viel schneller gehen als der Aufbau.“

Wiedersehen in zwei Jahren?

Ob sich das Team eine Wiederholung solch eines Zirkusprojektes vorstellen kann, bejaht die Pädagogin energisch. „Vielleicht wieder in zwei Jahren und dann hoffentlich mit noch mehr Helfern und noch mehr Kindern.“ Die Kinder sind auf jeden Fall begeistert von der Idee. Doch jetzt heißt es erst einmal „Manege frei!“.