Ab November: Waldkindergarten in Laudenbach
Die „Waldfrösche“ gehen bald an den Start! Der Bauwagen steht auf dem Grundstück, aktuell wird letzte Hand angelegt. Erster Betreuungstag ist der 4. November.
Da hat Michael Dzsida noch einiges vor. Er füllt gestern Morgen unermüdlich Schubkarre für Schubkarre mit Häckselgut, das in einem großen Container am öffentlichen Weg steht und am Bauwagen des neuen Waldkindergartens in Laudenbach verteilt werden soll. „Immerhin ist es leicht“, sagt er. Seine beiden Söhne, der dreijährige Benjamin und der fast fünfjährige Alexander, helfen fleißig mit und nutzen zum Transport kleine Schubkarren. Sie werden zu jenen sechs Kindern gehören, mit denen der Waldkindergarten Anfang November an den Start gehen wird.
Zu den Helfern gehören weitere Angehörige der künftigen „Waldfrösche“, die beiden Erzieherinnen Ina Heizmann und Tina Schröder, die hier künftig arbeiten werden, sowie Freunde und Bekannte der beiden. Das große Areal hat nach diversen Arbeitseinsätzen Formen angenommen. Seit Dienstag steht nun auch der Bauwagen, der vom Hersteller Martens aus Bensheim-Auerbach auf das Grundstück oberhalb der Grillhütte gezogen und mithilfe des Laudenbacher Landwirts Jens Klemm an die richtige Stelle rangiert wurde. „Das war schon berührend, als der Bauwagen stand“, sagt Tina Schröder, die mit ihrer Kollegin seit drei Jahren an dem Traum arbeitet, in Laudenbach einen Waldkindergarten zu eröffnen.
Betriebserlaubnis liegt vor
Seit Donnerstag haben sie oder vielmehr der Verein Waldkindergarten, der Träger des neuen Angebotes ist, eine Betriebserlaubnis. Die war an der Existenz eines „beheizbaren Schutzraumes“ gekoppelt, wie Heizmann die Behördensprache wiedergibt. Die Baugenehmigung ging nach einigen Verzögerungen im August ein – und ist mit 28 Auflagen vor allem der Unteren Naturschutzbehörde gekoppelt. So mussten Ziergesträuche, die aus der früheren Gartennutzung auf einem Teil des Areals stammen, entfernt werden. Dort sollen jetzt einheimische Bäume und Sträucher gepflanzt werden, die den Bereich auch nach außen hin abschirmt, um das Landschaftsbild nicht zu stören. Aus dem gleichen Grund durfte der von der Gemeinde finanzierte Bauwagen auch nicht auf die große Wiese kommen, sondern musste weiter hinten abgestellt werden.
Auch die Plattform für den zweiten, etwas kleineren Bauwagen ist bereits fertiggestellt. Der wird nach Lage der Dinge aber erst Mitte 2025 kommen – falls die Anschaffung Eingang in den Haushaltsplan für nächstes Jahr findet, wie Heizmann sagt. Das Unternehmen brauche dann etwa ein halbes Jahr, um den Wagen fertigzustellen. In dem zweiten Bauwagen sollen Rückzugsmöglichkeiten geschaffen werden oder auch mal ein Raum entstehen, in dem mit Inklusions- oder Vorschulkindern in Ruhe gearbeitet werden kann, wie Heizmann erklärt. Der jetzt gestellte Bauwagen enthält eine Garderobe, Sitzgelegenheiten, eine kleine Küche und kann mit Gas beheizt werden. Für den Außenbereich sollen noch Sitzmöbel angeschafft werden, auch der Toilettenwagen fehlt noch.
Knapp zwei Wochen haben die beiden Erzieherinnen noch Zeit, an den Feinheiten zu arbeiten, dann kommen die ersten sechs Kinder zwischen drei und fünf Jahren. Bis zum Frühjahr und für das neue Kita-Jahr ab September 2025 liegen weitere Anmeldungen vor, sodass Heizmann davon ausgeht, dass die 20 Plätze in einem Jahr belegt sein werden. Betreut werden die „Waldfrösche“ von den beiden Erzieherinnen und FSJler Felix Haack. Bis Jahresanfang soll eine vierte Kraft folgen.
Die Kinder werden morgens bis 8 Uhr an den Parkplatz an der Kirchstraße gebracht, wo sie um 14 Uhr wieder von den Eltern abgeholt werden. Den Weg zum Waldkindergarten legen sie zu Fuß zurück, was einfach etwa 20 Minuten dauert. Eine Fahrerlaubnis hat nur der Caterer, der dienstags bis freitags am Mittag das Essen bringt. Montags kochen die Waldkinder selbst. Eine neue Schranke auf dem Waldweg, die gerade erst montiert wurde, sorgt dafür, dass ansonsten kein Fahrzeugverkehr entstehen wird.
Viel Freispiel
Ein festes Programm für die Betreuung gibt es nicht. „Wir wollen mit den Kindern jeden Morgen besprechen, was sie machen wollen“, sagt Heizmann, die den Waldfröschen viel Möglichkeiten zum Freispiel verspricht – und dass ohne den Lärm, der in geschlossenen Räume zwangsläufig entsteht, wenn sich dort viele Kinder gleichzeitig aufhalten. Feste Spielgeräte wird es auf dem Areal nicht geben, die Natur bietet genügend Material und Möglichkeiten, dass die Kinder ihre Kreativität entwickeln, sind sich die beiden Erzieherinnen sicher. Auch die Sprache werde in besonderer Weise gefördert, denn die Kinder müssten sich ja immer absprechen, wenn sie gemeinsam spielen wollten.
Am Mittwoch sind die Eltern zum Kennenlernen eingeladen, bevor am kommenden Freitag, 25. Oktober, 15 Uhr, die offizielle Einweihung stattfindet. Am 4. November ist der erste reguläre Betreuungstag.